„Internet ja, aber eine zeitlich reduzierte Menge“ / Jetzt in ELTERN FAMILY: Wie Eltern am besten mit dem Thema Neue Medien umgehen / Exklusiv-Interview mit dem Experten Dr. Kurosch Yazdi





Das Internet macht vielen Eltern Kopfschmerzen –
man kann nur schwer kontrollieren, wie lange ein Kind im Netz ist und
was es dort tut. Für ihre aktuelle Ausgabe (ab heute im Handel)
fragte die Zeitschrift ELTERN FAMILY den Experten und Buchautor Dr.
Kurosch Yazdi, was er Müttern und Vätern rät. Der Psychiater und
Psychotherapeut leitet die Suchtabteilung der Landes-Nervenklinik
Wagner-Jauregg in Linz.

In dem Exklusiv-Interview wendet sich Yazdi gegen die Forderung
mancher anderer Experten, Kindern das Internet zu verbieten: „Die
Technik ist nicht böse. Man muss sich von ihr auch nicht abkehren,
wie das manche Experten empfehlen. Es gibt Fortschritte, die
unumkehrbar sind und die wir akzeptieren müssen. Aber wir dürfen auch
nicht glauben, dass wir unsere Kinder optimal fördern, wenn wir ihnen
schon mit drei Jahren beibringen, im Internet zu surfen. Das ist ein
bisschen wie beim Fernsehen. Wir wissen, dass die schulischen
Leistungen umso schlechter werden, je früher und je länger Kinder vor
dem Fernseher sitzen. Überspitzt gesagt, heißt das, Fernsehen
verblödet. Damit meine ich nicht, dass Kinder gar nicht fernsehen
dürfen, aber die Menge sollte sehr, sehr gering sein. Ähnlich ist es
bei den neuen Medien: Kontakt ja, aber eine zeitlich reduzierte
Menge.“

Der Experte rät Eltern zu einer „wohlwollenden Überwachung“ ihrer
Kinder beim Thema Internet: „Mit Kontrolle meine ich nicht die
strafende Kontrolle à la –Wenn du das tust, dann musst du auf dein
Zimmer.– Damit gehe ich aus der Beziehung raus. Eine wohlwollende
elterliche Überwachung meint, in die Beziehung zu gehen. Dann
kontrolliere ich, indem ich mich mit meinem Kind beschäftige, mir
Zeit nehme, um mich mit ihm auseinanderzusetzen.“

Problematisch werde der Internetkonsum, wenn nichts anderes mehr
stattfindet. Dr. Yazdi: „Kinder und Jugendliche müssen vielfältige
Interessen haben, Sport machen, Eisessen gehen, lernen, sich mit
Freunden treffen, anderen Hobbys als Surfen und Shoppen nachgehen.
Wenn sie das tun, schadet auch das Internet nicht.“

Wie für andere Süchte gelte auch für die Neuen Medien, dass gute
Erziehung und gute Suchtprävention beginnen, bevor das Kind mit dem
Suchtmittel in Kontakt kommt: „Ein Kind, das gute, stabile
Beziehungen hat, läuft weniger Gefahr, Defizite kompensieren zu
wollen. Fast alle Süchte stellen eine solche Kompensation von
Defiziten dar: Wer twittersüchtig ist, ist ein einsamer Mensch. Wer
internetpornoabhängig ist, kann keine Liebesbeziehung herstellen. Die
Sucht ist eigentlich eine Verwechslung: Ich verwechsle Beziehung mit
Sucht. In der Erziehung heißt dies: Ich muss nicht auf das
Suchtmittel schauen, sondern stabile Beziehungsangebote machen.“

Pressekontakt:
Stefanie Hauck
Gruner+Jahr AG & Co KG
Verlagsgruppe AGENDA München
hauck.stefanie@guj.de

veröffentlicht von am 12. Jun 2013. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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