„Ich wollte zeigen, dass ein Krimi auch heute noch viel Raum für Kreativität bietet“





Redaktion: Ihr neues Buch heißt der „Der Mann im Mond ist tot“. Worum geht es darin?

C. Eckl: Vielleicht auch um das Ende aller schönen Träume. Wir leben nun einmal in keiner heilen Welt. Sogar der märchenhafte Mann im Mond bleibt von Gewaltverbrechen nicht verschont. Zumindest finden Astronauten in meinem Krimi auf dem Mond einen ermordeten Mann.

Redaktion: Bei diesem Plot erwarten viele Leser Science Fiction. Ihr Buch spielt aber im Hier und Jetzt, oder?

C. Eckl: Stimmt, meine Geschichte spielt in der Gegenwart. Und teilweise auch in der Vergangenheit. Sie erzählt, wie eine europäische Weltraummission in unseren Tagen auf dem Mond landet. Das ist durchaus realistisch und wäre technisch möglich. Dazu hat es auch in den vergangenen Jahren bei der europäischen Weltraumorganisation ESA immer wieder Überlegungen gegeben. Diese europäische Weltraummission findet in meinem Buch nun auf dem Mond eine Leiche. Und zwar an genau der Stelle, an der Apollo 11 im Jahre 1969 mit den ersten beiden Menschen auf dem Mond gelandet ist. Also erzählt das Buch auch die Geschichte, was damals passiert sein könnte. Somit spielt der Plot teils in der Vergangenheit und ist daher der erste historische Krimi, der im Weltraum spielt.

Redaktion: Sie sind Jahrgang 1963, wie haben Sie selbst die Mondlandung als Kind erlebt?

C. Eckl: Schauen Sie in meinem Buch auf den Seiten 13 und 14 nach. Genauso habe ich als sechs Jahre alter Junge die erste Mondlandung im Jahr 1969 erlebt. Der einzige Unterschied besteht darin, dass ich anders als meine Hauptfigur keinen Vater hatte, der als Weltraumphysiker in Houston tätig war.

Redaktion: Wie sind Sie auf die Idee gekommen? Bisher haben Sie statt Krimis eher lyrische Bücher veröffentlicht.

C. Eckl: Ich lese selbst gerne sehr viele Krimis und schätze deren Unterhaltungswert. Diese Gattung der Literatur ist keineswegs verachtenswert und hat auch literarisch hohes Potential. Man denke beispielsweise nur an Heimito von Doderer mit seinem „Ein Mord, den jeder begeht“ oder auch an Dürrenmatt. Doch ich möchte nicht so anmaßend sein, mich damit zu vergleichen. Ich wollte nur zeigen, dass ein Krimi auch heute noch viel Raum für Kreativität bietet. Denn zunächst einmal habe ich es als Herausforderung gesehen, einen wirklich originellen Krimi zu schreiben. Und das war gar nicht so einfach. Denn eigentlich gab es schon alle möglichen Settings für einen Mordschauplatz, bevor ich mit meinem Krimi angefangen habe: Mord in der Stadt, Mord auf dem Land, Mord auf dem Meer, Mord in der Wüste, sogar Mord am Polarkreis mit „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Es gab bis dahin auf der Krimilandkarte nur noch einen leeren Fleck für einen realistischen Mordschauplatz. Den habe ich jetzt besetzt: Den Mond.

Redaktion: Sind weitere autobiographische Züge im Buch zu finden?

C.Eckl: Kaum. Sowohl privat und familiär als auch beruflich lebe ich völlig anders als meine Hauptfigur. Ich habe nur vor der Gründung meines eigenen Verlags einige Jahre journalistisch gearbeitet. Aber nur ganz am Anfang freiberuflich, die meiste Zeit als festangestellter Redakteur und niemals im Wissenschaftsjournalismus. Ich kenne aber Kollegen, die auf diesen Feldern tätig sind und mir teilweise unwissentlich für meine Hauptfigur Modell gestanden haben. Meine einzige weitere biografische Gemeinsamkeit mit Stephan Teller neben unserem gemeinsamen Kindheitserlebnis ist mein Interesse am Wein, den ich auch gerne trinke, aber anders als er niemals aus Frust.

Redaktion: Wie lange haben Sie gebraucht, um aus der ersten Idee die fertige Geschichte zu entwickeln?

C. Eckl: Den Plot, das Grundgerüst der Handlung in Stichworten, habe ich in wenigen Tagen nach dem ersten Einfall zu Papier gebracht. Das hat nicht einmal eine Woche gedauert. Für die vollständige sprachliche und erzählerische Ausführung habe ich dann rund acht Monate gebraucht.

Redaktion: Sie sind Inhaber eines Zeitschriftenverlages, einer Werbeagentur und engagieren sich in der Lokalpolitik. Wie finden Sie da überhaupt noch die Zeit, Bücher zu schreiben?

C. Eckl: Indem ich lange im Bett bleibe. Jeden Morgen, auch in der Woche, schlafe ich mich erst einmal richtig aus. Wenn ich dann aufstehe, habe ich aber auch die Energie, um jede Sekunde zu nutzen und zu hundert Prozent präsent zu sein. Ich bin dann in der Regel spätabends und am Wochenende belletristisch tätig. Das betrachte ich auch nicht als Arbeit im Sinne von notwendigem Übel, sondern als Erholung vom Alltag, die auch viel Freude machen kann. Kreativ zu sein bedeutet für mich auch Lebensgenuss, zumindest in einigen wenigen guten Stunden.

Redaktion: Wann und wie ist überhaupt Ihre Liebe zur Literatur entstanden?

C. Eckl: In der Grundschule habe ich Micky Maus und andere Comics gelesen, später dann Karl May. Als ich mit 17 Jahren im Literaturkurs in der Oberstufe Thomas Mann gelesen habe, war ich erstmals von Belletristik fasziniert, wenige Monate später dann von Goethes Faust. Und Krimis sowie alle Arten von Spannungsromanen habe ich seitdem immer wieder verschlungen.

Redaktion: Ihr Buch erscheint im Mitteldeutschen Verlag. Wie kann man sich die Zusammenarbeit vorstellen? Und wie sind Sie überhaupt als Autor entdeckt worden?

C. Eckl: Die Zusammenarbeit ist äußerst persönlich. Ich bin mit Roman Pliske, dem Geschäftsführer des Mitteldeutschen Verlages, sehr gut befreundet. Wir sehen uns mehr oder weniger regelmäßig, trinken Wein, essen zusammen, treiben gemeinsam Sport und reden über Bücher. Wir haben uns vor knapp zehn Jahren kennengelernt, als ich ihm eine historische Biographie über König Salomo angeboten habe. Die hat er abgelehnt, weil sie nicht in sein Verlagsprogramm passte. Aber Roman meinte, ich könnte doch andere Bücher in seinem Verlag veröffentlichen…

Redaktion: Ist es vorstellbar, dass wir vom Wissenschaftsjournalist Stephan Teller noch mehr hören werden?

C. Eckl: Wenn Sie ein treuer Leser sein möchten, möchte ich ein treuer Autor werden. Ja, wenn Stephan Teller geliebt wird, wird er weiter leben. Manchmal entscheidet auch im Krimi die Liebe über Leben und Tod. In diesem Fall die Liebe des Lesers zur Hauptfigur.

Zur Person: Christian Eckl

Christian Eckl, geboren 1963 in Essen, entdeckte bereits mit 12 Jahren seine Liebe zur Literatur. Nachdem er mit 17 Jahren Thomas Manns „Tod in Venedig“ gelesen hatte, wuchs in ihm der Wunsch, selbst literarisch tätig zu werden. Nach einem abgeschlossenen Volontariat und einigen Jahren als Redakteur gründete er 1992 einen Wirtschaftsverlag für Fachzeitschriften, den er heute noch neben einer Werbeagentur betreibt.

Seine erste Buchveröffentlichung erschien 2001, ein essayistischer Erzählungsband mit biblischen Geschichten aus dem alten Testament, der in mehreren Sprachen übersetzt wurde. 2007 folgte dann sein erste Roman „Headcrash“ und 2008 mit „Faust 0“, die Vorgeschichte des goetheschen Fausstoffes, mit dem er auch in den Königs Erläuterungen erwähnt wird. Im Jahr 2010 legte Eckl 100 Werke der Weltliteratur in 100 Vierzeilern unter dem Titel „Verdichtete Geschichten“ vor.

Mit „Der Mann im Mond ist tot“ veröffentlichte Eckl im Mitteldeutschen Verlag seinen ersten Krimi. Der spektakuläre Plot könnte der Startschuss einer Serie um Wissenschaftsjournalist Stephan Teller sein. Eckl ist verheiratet, lebt in der Nähe von Köln und hat eine Tochter.

Der Mann im Mond ist tot – Christian Eckl
ISBN 978-3-95462-325-9
Mitteldeutscher Verlag
Taschenbuch: 176 Seiten, UVB 9,95 Euro
E-Book: UVB 8,99 Euro
Erhältlich: ab sofort

veröffentlicht von am 11. Aug 2014. gespeichert unter Literatur. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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