Henri Nannen Preis 2014: Die Preisträger





Der Henri Nannen Preis 2014 geht an: Reportage:
Özlem Gezer (DER SPIEGEL), Dokumentation: Malte Henk (GEO),
Investigation: Jacob Appelbaum, Nikolaus Blome, Hubert Gude, Ralf
Neukirch, René Pfister, Laura Poitras, Marcel Rosenbach, Jörg
Schindler, Gregor Peter Schmitz, Holger Stark (DER SPIEGEL), Essay:
Wolfgang Uchatius (DIE ZEIT), Foto-Reportage: Moises Saman
(SZ-Magazin).

Weitere Preisträger der vom Verlagshaus Gruner + Jahr und STERN
vergebenen Auszeichnung: Der Publizist und Politologe Alfred Grosser
erhält den Preis für sein publizistisches und journalistisches
Lebenswerk. Den Preis für Verdienste um die Pressefreiheit erhält die
US-Journalistin Laura Poitras.

Am Abend des 16. Mai 2014 haben der Verlag Gruner + Jahr und der
STERN zum zehnten Mal den Henri Nannen Preis vergeben. Der Preis
zeichnet die Bestleistungen im deutschsprachigen Print- und
Onlinejournalismus aus. Die Preisträger wurden im Rahmen einer
festlichen Verleihung auf Kampnagel in Hamburg vor rund 1.200
prominenten Gästen aus Medien, Kultur, Politik und Wirtschaft geehrt.

Der Henri Nannen Preis 2014 wird verliehen an Özlem Gezer, DER
SPIEGEL (Reportage), Malte Henk, GEO (Dokumentation), Jacob
Appelbaum, Nikolaus Blome, Hubert Gude, Ralf Neukirch, René Pfister,
Laura Poitras, Marcel Rosenbach, Jörg Schindler, Gregor Peter
Schmitz, Holger Stark, DER SPIEGEL (Investigation), Wolfgang
Uchatius, DIE ZEIT (Essay), Moises Saman, SZ-Magazin
(Foto-Reportage).

Der Publizist und Politologe Alfred Grosser wird von Gruner + Jahr
und dem STERN für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Der Preis für
Verdienste um die Pressefreiheit geht an Laura Poitras.

Der Henri Nannen Preis für die beste Reportage geht an Özlem Gezer
für „Gurlitt – Die Liebe seines Lebens“. Die junge
SPIEGEL-Redakteurin war die einzige Journalistin, der Cornelius
Gurlitt Einblick in sein Leben gewährte. Mit ihrem großartigen
Psychogramm des Münchner Kunstsammlers ist Gezer ein Meisterstück
gelungen, einfühlsam beobachtet, präzise und wertfrei formuliert.

In der Kategorie Dokumentation geht der Henri Nannen Preis an
Malte Henk für „Nennt uns bloß nicht Helden“. Sein in GEO
veröffentlichtes Portrait des Internationalen Roten Kreuzes lebt vor
allem davon, dass der Autor der Organisation so nah gekommen ist wie
kaum ein Journalist zuvor. Der Leser erhält einmalige Einblicke in
eine hoch angesehene Institution zwischen Heldenmut und
Selbstzweifeln.

Der Henri Nannen Preis für die beste investigative Leistung geht
an Jacob Appelbaum, Nikolaus Blome, Hubert Gude, Ralf Neukirch, René
Pfister, Laura Poitras, Marcel Rosenbach, Jörg Schindler, Gregor
Peter Schmitz und Holger Stark vom SPIEGEL für die Beiträge
„Kanzler-Handy im US-Visier?“/“Der unheimliche Freund“. Erst ihre
Recherchen verwandelten ein paar Zahlencodes in einem NSA-Dokument in
eine politische Bombe. Keine andere Enthüllung der jüngsten Zeit hat
das deutsch-amerikanische Verhältnis derart erschüttert. Die Jury
würdigt damit eine investigative Leistung von weltpolitischer
Dimension.

Wolfgang Uchatius, der Preisträger in der Kategorie Essay,
untermauert in „Soll ich wählen oder shoppen?“ mit bestechender
Argumentationslogik seine These, heutzutage habe nicht der Wähler,
sondern der Konsument mehr politische Macht. Die Jury würdigt damit
einen Essay, an dessen Ende auch Skeptiker verblüfft feststellen
können, dass sie die kühne These des Autors durchaus plausibel
finden.

Der Henri Nannen Preis in der Kategorie Foto-Reportage geht an
Moises Saman und seine Fotoreportage „Im Reich des Todes“ über
Folterlager im Sinai, veröffentlicht im Magazin der Süddeutschen
Zeitung. Moises Saman gelingt es, mit seinen intensiven Nahaufnahmen
den Menschen auch dann ihre Würde zu lassen, wenn es um Erniedrigung,
Verzweiflung und Folter geht. Die Jury sagte „Dem Mut des
Fotoreporters haben wir es zu verdanken, Bilder aus einer Welt zu
sehen, die uns bisher verborgen geblieben ist. Solche Bilder zu
veröffentlichen, muss den Medien eine Notwendigkeit sein – sie
auszuzeichnen, ist der Jury des Henri Nannen Preises eine Ehre.“

Der Lebenswerkpreisträger ist Alfred Grosser, der französische
Politologe und Publizist. Grosser engagiert sich seit Jahren in
großem Umfang für die deutsch-französische Verständigung. Er schrieb
und veröffentlichte unzählige Artikel sowie mehr als 30 Bücher.

Alfred Grosser wurde am 1. Februar 1925 in Frankfurt am Main
geboren. 1933 sah sich seine Familie gezwungen, aufgrund ihrer
jüdischen Herkunft nach Frankreich zu emigrieren. 1937 wurde Alfred
Grosser französischer Staatsbürger und brach zehn Jahre später auf,
um das zerstörte Deutschland zu besuchen. Für französische Zeitungen
und Zeitschriften berichtete er aus seinem Geburtsland. Grosser
studierte Germanistik und Politikwissenschaften in Aix-en-Provence
und Paris. 1951 begann er als Assistent für Germanistik an der
Sorbonne in Paris und wechselte 1953 als Lehrbeauftragter ans
Institut d–études politiques. Bereits drei Jahre später wurde Grosser
dort und an der Fondation Nationale des Sciences Politique in Paris
als Professor tätig. Es folgten Gastprofessuren an den Universitäten
Stanford (USA), John Hopkins (USA), Peking, Tokio und Singapur.

Alfred Grosser war quasi das Gesicht der deutsch-französische
Verständigung im deutschen Fernsehen, vor allem als Dauergast in der
sonntäglichen Sendung „Internationaler Frühschoppen“. Grosser ist
Prof. em. am Institut d–études politiques in Paris und Präsident des
CIRAC (Centre d–information et de recherche sur l–Allemagne
contemporaire). Er lebt in Paris.

STERN-Chefredakteur Dominik Wichmann: „In den Medien hat mit
Sicherheit niemand anders so großen Anteil an der Aussöhnung zwischen
Frankreich und Deutschland wie Alfred Grosser. Wenn ein Krieg
zwischen beiden Ländern bei allen Differenzen heute so
unwahrscheinlich erscheint, dann deshalb, weil Menschen wie er dafür
eingetreten sind. Kein Publizist hat sein Leben wohl mehr in den
Dienst dieser Aufgabe gestellt als Alfred Grosser. Den Deutschen
Frankreich näher zu bringen und den Franzosen Deutschland: Das war
und ist seine Lebensaufgabe, als Professor und Hochschullehrer, als
Autor zahlreicher Bücher, als Verfasser unzähliger Artikel in
deutschen und französischen Zeitungen, als Debatten- und
Festtagsredner. Und nie lässt sich Grosser dabei von irgendwem
einspannen. Er ist stets Politologe und Publizist, der sein Publikum
charmant zu provozieren versucht. Es geht ihm immer darum,
Verständnis für den jeweils anderen zu wecken. Grosser verlangt
Respekt für Menschen, die anders denken, anders aussehen, anders
handeln als man selbst. Für dieses lebenslange Engagement, sein
Schreiben und Reden für die Verständigung erhält Alfred Grosser den
Henri Nannen Preis 2014 für sein Lebenswerk.“

Preisträgerin für den besonderen Einsatz für die Pressefreiheit
ist die US-Journalistin Laura Poitras. Die vielfach ausgezeichnete
Dokumentarfilmregisseurin und -produzentin beschäftigt sich seit
Längerem mit der Arbeit der US-Geheimdienste. Als sich der ehemalige
NSA-Mitarbeiter Edward Snowden an sie wandte, ging sie als erste
seiner Geschichte nach. Sie war maßgeblich an der
Erstveröffentlichung der NSA-Dokumente beteiligt.

Laura Poitras wurde 1964 in Boston, Massachusetts geboren und
studierte am San Francisco Art Institute und der New School in New
York. Seither hat sie fünf Filme gedreht, zuletzt „The Oath“ über den
Guantanamo-Häftling Salim Hamdan. Poitras ist eine der Initiatoren
der Freedom of the Press Foundation. Seit Februar 2014 ist sie
gemeinsam mit Glenn Greenwald und Jeremy Scahill für das Medium „The
Intercept“ tätig, das die drei gemeinsam gründeten.



STERN-Chefredakteur Dominik Wichmann: „Laura Poitras–
journalistischer Arbeit ist es zu verdanken, dass die Öffentlichkeit
von der massenhaften globalen Überwachung durch die NSA erfahren hat.
Was man bislang in autoritären Regimen gesehen hat, verbreitet sich
auch in der demokratischen Welt zunehmend: die Bereitschaft und der
Wille, investigativen Journalismus zu stören. Wer als Journalist
versucht, Fehlverhalten der Mächtigen aufzudecken, muss damit
rechnen, an Grenzen festgehalten, verhört und ständig überwacht zu
werden. Das Ministerium für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten
stufte auch Laura Poitras als „terrorverdächtig“ ein. Umso
bewundernswerter sind das Engagement, die Hingabe und die fachliche
Kompetenz, die sie in Kooperation mit Glenn Greenwald und den
Kollegen vom Guardian bei der Enthüllung der NSA-Affäre aufbrachte.
Für ihren selbstlosen Kampf um die Wahrheit und damit die Freiheit
der Information und um die Pressefreiheit erhält sie den Henri Nannen
Preis 2014.“

Mit dem Henri Nannen Preis stellen Gruner + Jahr und der STERN die
Bedeutung von anspruchsvollem Print- und Onlinejournalismus heraus
und erinnern zugleich an das Werk des STERN-Gründers Henri Nannen
(1913-1996). Der Preis ist mit insgesamt 35.000 Euro dotiert.
Außerdem erhalten die Preisträger den „Henri“, eine von dem Berliner
Bildhauer Rainer Fetting geschaffene Bronzeskulptur Henri Nannens.

Ein aufwendiges Sichtungsverfahren sowie eine hochkarätige Jury,
der erfahrene Journalisten, Autoren, Chefredakteure und Herausgeber
großer Verlage Deutschlands angehören, gewährleisten die
Unabhängigkeit der Auszeichnung. Um den „Henri 2014“ bewarben sich
Journalisten mit über 900 Arbeiten.

Jedes Jahr erscheinen alle nominierten Arbeiten in einem
Hardcover-Buch. Dieses Jahr gibt es zusätzlich erstmalig ein eBook,
das in allen gängigen Shops erhältlich ist.

Der Hauptjury des Henri Nannen Preises gehören an: Wolfgang
Büchner (Chefredakteur DER SPIEGEL), Brigitte Fehrle (Chefredakteurin
Berliner Zeitung), Giovanni di Lorenzo (Chefredakteur DIE ZEIT),
Thomas Osterkorn (Chefredakteur VIVA!), Stefan Plöchinger
(Chefredakteur sueddeutsche.de), Jan-Eric Peters (Chefredakteur DIE
WELT-Gruppe), Richard David Precht (Autor), Jörg Quoos (Chefredakteur
FOCUS), Christoph Schwennicke (Chefredakteur Cicero), Anja Reschke
(Autorin und Moderatorin Panorama) und Andreas Wolfers (Leiter der
Henri-Nannen-Schule). Andreas Wolfers ist Sprecher der Jury.

Die Hauptjury des Henri Nannen Preis für Fotografie besteht aus:
Stefan Erfurt (Vorstandsvorsitzender der CIO Berlin Foundation),
Kathy Ryan (Director of Photography New York Times Magazine),
Marie-Pierre Subtil (Chefredakteurin 6Mois).

Weitere Informationen zum Henri Nannen Preis unter:
www.henri-nannen-preis.de

Pressekontakt:
Franziska Kipper
Kommunikation Henri Nannen Preis
G+J-Unternehmenskommunikation
Telefon +49 (0) 40 / 37 03 – 3155
E-Mail kipper.franziska@stern.de

veröffentlicht von am 17. Mai 2014. gespeichert unter Allgemein, Literatur, Verlag. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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