Günther Küblböck spricht über das Drama um seinen Sohn Daniel: „Für mich ist das staatlich unterlassene Hilfeleistung“





Knapp drei Monate ist es her, dass der Sänger und
ehemalige „Deutschland sucht den Superstar“-Kandidat Daniel Küblböck
von Bord eines Kreuzfahrtschiffes gesprungen ist – bei stern TV hat
der Vater des Sängers, Günther Küblböck, massive Kritik an Politik
und Behörden geübt: „Es ist gesellschaftlich-politisch gewollt, dass
man psychisch Kranke mehr oder weniger sich selbst überlässt, oder
den Angehörigen. Die sollen sich darum kümmern und möglichst keinen
belästigen“, sagte Küblböck bei stern TV. Für den Vater des Sängers
ist im Hinblick auf das Drama um seinen Sohn klar: „Natürlich hätte
das verhindert werden können. Für mich ist das staatlich unterlassene
Hilfeleistung.“

Bereits einige Monate vor seinem Verschwinden ist Daniel Küblböck
teilweise auffällig, zeigt sich mitunter aggressiv und verwirrt. Ein
Neurologe diagnostiziert nach einer Untersuchung im August
„wahrscheinlich eine akute Episode einer schizophrenen Psychose.“
Auch Günther Küblböck fällt auf, dass Daniel sich verändert: „Das war
schon so, dass das ein neuer Daniel war. Wenn er mit mir oder der
Familie gesprochen hat, dann hat er immer normal mit bayrischem
Dialekt gesprochen. Und dann hat er immer ganz hochdeutsch und mit
einer Frauenstimme gesprochen, und so habe ich ihn vorher nicht
gekannt.“ Die Veränderungen werden immer dramatischer: „Er hat dann
Momente gehabt, wo er dann auch in seiner Wohnung oft laut geworden
ist, rumgeschrien oder etwas zertrümmert hat. Aber das war wirklich
wie eine Psychose, die sich dann ganz stark entwickelt hat.“

Bereits Anfang August wendet sich Günther Küblböck an die
Behörden, erzählt von seinen Beobachtungen: „Erst mal haben wir mit
der Polizei gesprochen, dann mit dem Ordnungsamt, dann mit dem
Betreuungsgericht. Auch mit dem Gesundheitsamt habe ich damals
telefoniert, und es wurde mir eigentlich immer das Gleiche gesagt:
–Es geht immer nur, wenn die Person selbst mitmacht–.“ Grund dafür
ist die Rechtslage in Deutschland: Eine Zwangsbehandlung, die gegen
den Willen der Betroffenen stattfindet, ist nur bei Selbst- oder
Fremdgefährdung möglich. Für Günther Küblböck eine frustrierende
Erfahrung: „Man fühlt sich nicht nur machtlos, man ist auch machtlos.
Das wird einem ja ganz klar gesagt, dass man selbst nichts
unternehmen kann.“

Auch der Psychiater Dr. Manfred Lütz sieht die derzeitige
Gesetzeslage kritisch: „Wenn jemand akut wahnhaft ist, dann muss man
aus meiner Sicht auch handeln, dann ist das eine Frage der
Humanität“, sagte der Leiter eines Kölner Fachkrankenhauses für
Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie bei stern TV. Schizophrene
Patienten würden nur selten einer Behandlung zustimmen: „Das Problem
ist: Wenn jemand nicht krankheitseinsichtig ist, dann lässt er sich
auch nicht behandeln. Und das führt dazu, dass Menschen lange
unbehandelt mit ihrer Krankheit leben müssen, bis dann ein Zustand
eintritt, wo sie dann selbst- oder fremdgefährdend werden. Das ist
sehr problematisch und dauert manchmal sehr lange.“ Lütz würde in
akuten Wahnmomenten lieber früher eingreifen können: „Die meisten
Patienten sind dankbar für die Zwangsbehandlung. Das sagen sie aber
nicht in einer akuten Situation, sondern häufig erst im Nachhinein.
Wenn sie sagen: –Gott sei Dank bin ich da zwangsuntergebracht worden
und habe nicht mein Leben ruiniert.

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veröffentlicht von am 5. Dez 2018. gespeichert unter Fernsehen. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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