Ex-Arbeitsminister Norbert Blüm live bei stern TV: Spahns Bemerkungen über Hartz IV sind „eiskalt“ und „herzlos“





Der ehemalige Arbeitsminister Norbert Blüm hat bei
stern TV die Aussagen des neuen Gesundheitsministers Jens Spahn über
Hartz IV scharf kritisiert: „Sie sind herzlos, und sie sind ohne
Empathie mit denjenigen, die Hartz IV empfangen müssen.“ Der
82-Jährige befürchte, dass sich Menschen, die von der Stütze leben,
durch solche Aussagen ausgeschlossen fühlten: „Was ich am meisten
bedaure, ist, dass sich viele Hartz-IV-Empfänger durch solche
sozialbürokratischen, eiskalten Bemerkungen diskriminiert fühlen“, so
Blüm im Gespräch mit Steffen Hallaschka.

Erst vor wenigen Tagen hatte Spahn mit der Aussage für Empörung
gesorgt, Hartz IV bedeute „nicht Armut“. Bei stern TV widersprach
Blüm den Aussagen des Ministers: „Armut beginnt nicht, wenn du kein
Dach über dem Kopf und nichts zu essen hast. Das Problem ist, wenn du
ausgeschlossen wirst oder keine Chancen hast. Und viele dieser Hartz
IV-Empfänger fühlen sich ausgeschlossen.“

Besonders dieser soziale Aspekt bereite Blüm Sorgen: „Wenn wir
denjenigen, die sich anstrengen, auch noch vorwerfen, sie seien faul
oder arbeitsunwillig, dann fügen wir dem materiellen Mangel auch noch
die öffentliche Verachtung hinzu“, erklärte der ehemalige
Bundesarbeitsminister im Studiogespräch.

Widerspruch erfuhr Blüm durch den Bundestagsabgeordneten Alexander
Krauß. Der CDU-Politiker sieht in der Sozialhilfe lediglich eine
Absicherung der Grundbedürfnisse: „Hartz IV ist dazu da, das niemand
vollkommen abrutscht, dass jeder eine Wohnung und ausreichend zu
essen hat, dass man auch mal ins Kino gehen kann“, sagte der
42-Jährige in Erwiderung auf Norbert Blüms Aussagen. Dennoch sieht
Krauß den Schlüssel zur Verbesserung der Lebensumstände eher darin,
mehr Jobs zu schaffen: „Wir müssen mehr darüber sprechen, wie wir die
Leute in Arbeit kriegen, und weniger darüber, wie wir die
Arbeitslosigkeit noch schöner ausgestalten können.“ Eine Erhöhung des
Hartz-IV-Regelsatzes sieht Krauß kritisch: „Derjenige, der arbeitet,
muss doch am Monatsende mehr in der Tasche haben als derjenige, der
nicht arbeitet! Sonst geht keiner mehr arbeiten.“

Zuvor hatte stern TV über die Aussagen Spahns sowie die
Hartz-IV-Empfängerin Sandra S. berichtet. Sie hatte im Internet eine
Petition gestartet, die fordert, dass Jens Spahn selbst einen Monat
lang vom Hartz-IV-Regelsatz leben soll. Knapp 160.000 Menschen haben
die Petition bislang unterschrieben. Spahn hat sich bereits bei
Sandra S. gemeldet und möchte sie treffen. Bei stern TV sagte sie zur
Einladung des Ministers: „Dass er sich wirklich mit mir treffen
möchte, finde ich ganz toll – und er findet toll, dass ich das ins
Leben gerufen habe. Jetzt will ich Taten sehen.“

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veröffentlicht von am 21. Mrz 2018. gespeichert unter Fernsehen. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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