Ein Radioprogramm für Patienten – von Freiwilligen gemacht





Wo gibt es das heute noch? Menschen, die Tag für Tag professionell dafür arbeiten, anderen Menschen eine Freude zu bereiten, aber keinen Cent Lohn dafür bekommen. In der Dr.-Horst-Schmidt-Klinik (HSK) in Wiesbaden existiert diese seltene Spezies. Die „Macher“ von Radio Klinikfunk Wiesbaden e.V. bringen dort den Patienten die Welt von draußen über den Äther ans Krankenbett. Allerdings haben die „Klinikfunker“ derzeit ein großes Problem: Die Studiotechnik ist veraltet; neues Equipment ist teuer und für den kleinen gemeinnützigen Verein ohne finanzielle Unterstützung nicht erschwinglich.

1981 wurde der Verein „Radio Klinikfunk Wiesbaden“ gegründet. Es dauerte nahezu fünf Jahre, bis 1986 erstmals gesendet werden konnte. Anfangs im Keller der HSK untergebracht, senden die Radiomacher seit 18 Jahren in drei Baucontainern vom Dach des Krankenhauses. „Wir arbeiten zwar in der Klinik, agieren aber unabhängig in eigener Trägerschaft“, erläutert Jack Schneider, der als Studiotechniker eine tragende Rolle beim Klinikfunk übernommen hat.

80 Mitglieder zählt der Verein derzeit. Die meisten fungieren als Fördermitglieder, die aktiven Programmgestalter sind in der Minderzahl. Dafür nehmen diese ihren „Job“ richtig ernst, sind jede freie Minute im Radiostudio zu Gange oder mit dem Mikrophon unterwegs, um Interviews zu führen. Haupteinnahmequelle des Vereins sind die Mitgliedsbeiträge, die sich auf 15 Euro pro Jahr belaufen. Die HSK stellt für die Radiomacher die Infrastruktur und das Internet zur Verfügung. Radio Klinikfunk sendet 24 Stunden am Tag – werbefrei, mit 50.000 Musiktiteln in einer Datenbank, mit einem Musikspektrum für Hörer zwischen 8 und 80, mit vorproduzierten Beiträgen, aber auch mit Livesendungen. Die Mitglieder gestalten das Programm komplett selbst. Über einen TV-Kanal wird es kostenlos in die HSK gesendet, kann jedoch auch übers Internet gehört werden (www.klinikfunk.de).

Unterhaltung und Informationen für die Patienten

Vor allem an den Wochenenden herrscht in den Studioräumen reges Treiben. Es wird fleißig produziert – z. B. eine eigene Fußball-Sendung, Wissensmagazine, und mit „Jörgs Jahrmarkt“ und „Theos Gute-Laune-Show“ auch Personality-Shows, die jede Menge Unterhaltung und Ablenkung vom Krankenhausalltag versprechen. „Natürlich finden bei uns Themen aus dem Krankenhaus statt. Wir liefern den Anreiz für Gespräche zwischen den Patienten“, erklärt Technik-Vorstand Jack Schneider. Aber das ist noch lange nicht alles. Denn die Radiomacher widmen sich auch Stadtgesprächen und lokalen Themen. Zum Beispiel im „Stadtreport“, der täglich zwischen 15 und 16 Uhr läuft und Themen in und um Wiesbaden beleuchtet. Ein quasi ungeschriebenes Gesetz gibt es allerdings: Berichte über Krankheiten oder über den Tod sind tabu, ebenso wie schlechte Nachrichten. Schneider erklärt: „Katastrophen gibt es bei uns nicht. Der Patient hat schon Sorgen genug. Wir versuchen, ihn mit unserem Programm positiv zu stimmen.“

Praktikanten immer gern gesehen

Radio Klinikfunk sendet nicht nur, sondern erfüllt auch einen Bildungsauftrag. „Wir machen junge Leute mit den Medium Radio vertraut. Bei uns kann man sich einfach am Mikrofon ausprobieren, was bei größeren Sendern oftmals nicht möglich ist“, erläutert Jack Schneider. Deshalb machen auch viele Schüler und Studenten bei dem Radiosender ein Praktikum. Die Klinikfunker freuen sich jedoch auch über Interessierte aus allen Altersklassen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Vorerfahrung ist dabei ebenso wenig Voraussetzung wie der Wunsch, später mal den Beruf des Radiomoderators ergreifen zu wollen. „Unser Motto lautet: ?Musik hilft heilen“. Jeder, der Menschen den Krankenhausalltag erleichtern möchte, ist bei uns herzlich willkommen“, so Schneider.

Die Zeit nagt am Mischpult

Derzeit sieht sich der Verein mit einem großen Problem konfrontiert. „Die Studiotechnik ist zum Teil älter als 15 Jahre. Unser Mischpult als Herzstück des Studios gibt immer mehr den Geist auf“, erklärt Jack Schneider. Neue Technikkomponenten sind erforderlich, die inklusive Umbauarbeiten rund 12.000 Euro kosten – Geld, das der Verein nicht hat. Doch ohne neue Technik können Live-Sendungen nicht mehr erstellt, Radiotalente nicht mehr ausgebildet, Musikwünsche der Patienten nicht mehr erfüllt werden. „Unser Radio würde dann zum reinen 24-Stunden-Musiksender verkommen“, veranschaulicht er. Und hofft deshalb zusammen mit den anderen 79 Mitgliedern auf Spenden – denn dieses ehrenamtliche Projekt darf nicht untergehen.

veröffentlicht von am 23. Sep 2010. gespeichert unter Medien/Unterhaltung, Sonstige. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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