Dosierte Informationen, frisierte Studien, platzierte Botschaften / netzwerk recherche e.V. präsentiert eine aktuelle Dokumentation zum Einfluss der PR auf den Journalismus





In allen Mediensparten verschwimmen zunehmend die
Grenzen zwischen Journalismus und PR. Diese Entwicklung lässt sich
mit aktuellen Forschungsergebnissen und Fallbeispielen aus der
journalistischen Praxis belegen, stellt die Journalistenorganisation
netzwerk recherche e.V. (nr) fest. Der Einfluss der PR manifestiere
sich beispielsweise in der heimlichen Ausstrahlung von
Audio-PR-Beiträgen im Radio, in der Verwendung von TV-PR im privaten
und öffentlich-rechtlichen Fernsehen, der gezielten
Instrumentalisierung von Social-Media-Plattformen im Internet oder
der von PR-Agenturen gesteuerten Platzierung von Themen in der
Berichterstattung von Zeitungen und Zeitschriften. Zu diesem Ergebnis
kommt die Werkstatt “Getrennte Welten – Journalismus und PR in
Deutschland”, die netzwerk recherche am Freitag, 01.07.2011, zu
Beginn der Jahreskonferenz in Hamburg präsentiert.

Die nr-Werkstatt dokumentiert die wesentlichen Ergebnisse einer
Fachkonferenz, die im Februar 2011 als Kooperationsveranstaltung
zwischen der Rudolf-Augstein-Stiftungsprofessur für Praxis des
Qualitätsjournalismus an der Universität Hamburg (Prof. Dr. Volker
Lilienthal) und netzwerk recherche stattgefunden hat. Zum anderen
bündelt die Werkstatt weitere Texte, die die Grauzonen zwischen
beiden Professionen ausleuchten und das Wirken der Akteure
untersuchen. Die insgesamt zwanzig Texte bieten eine umfassende
Bestandsaufnahme der wechselseitigen Abhängigkeiten und heiklen
Kooperationen; sie dokumentieren Fehlentwicklungen und
Grenzverletzungen.

=> Die Werkstatt-Autoren zeigen beispielsweise, dass PR-Profis
kritische Journalisten ausbremsen, die öffentliche Meinung über
verdeckte Maßnahmen beeinflussen oder Fakten durch die
Veröffentlichung von pseudowissenschaftlichen Studien vernebeln. Am
Beispiel der Atom-Industrie schildern mehrere Journalisten ihre
Erfahrungen mit Kommunikationsstrategen und Lobbyisten. Die
Fernsehautorin Gesine Enwaldt berichtet beispielsweise, wie ihre
Dreharbeiten für die TV-Dokumentation “Die Atomlüge” (NDR 2010, 45
Min.) behindert wurden. Der Leipziger Reporter Christian Fuchs
rekonstruiert die Enttarnung einer angeblichen Bürgerinitiative, die
– finanziert von der Atom-Lobby – jahrelang für die Kernkraft warb.
Prof. Dr. Thomas Leif analysiert in seinem Beitrag “den bislang
geheim gehaltenen DNA-Code der Energie-Lobby” am Beispiel des
Strategiepapiers “Kommunikationskonzept Kernenergie – Strategie,
Argumente und Maßnahmen”, das die Unternehmensberatung PRGS
verfasste. Und Prof. Dr. Volker Lilienthal kritisiert, dass die
PR-Branche “schädliche Neigungen hin zur Illusion, zur Täuschung der
Öffentlichkeit” zeige.

=> Die nr-Werkstatt widerlegt zudem die These, Corporate
Publishing sei Journalismus. Hinter dem Anglizismus steckt jene
Publizistik, die im Auftrag von Unternehmen oder Verbänden Kunden-
und Mitarbeitermagazine produziert. So mancher PR-Redakteur
reklamiert für sich, er betreibe Journalismus, denn die
handwerklichen Anforderungen im Corporate Publishing seien ja typisch
journalistisch – bei der Recherche, beim Texten oder beim
Blattmachen. Aktuelle Ergebnisse der Forschung, die sich auf
vielfältige sozialwissenschaftliche Methoden stützen und in der
nr-Werkstatt präsentiert werden, belegen jedoch, welch starken
Einfluss die Auftraggeber auf die Inhalte ihrer Publikationen nehmen.
Über die Frage “Wie viel Journalismus steckt im Corporate
Publishing?” diskutieren in einem Streitgespräch Jan Spielhagen,
Chefredakteur von “DB mobil” und “VW Magazin” bei Gruner+Jahr
Corporate Editors, sowie Thomas Schuler, freier Journalist und
Buchautor.

=> Auch in der Ausbildung des journalistischen Nachwuchses gilt
die eherne Trennung zwischen Journalismus und PR vielerorts nicht
mehr. Zahlreiche Journalistik-Studierende müssen in ihren Seminaren
PR-Konzepte erstellen, Volontäre absolvieren Stationen in
Pressestellen, Fachhochschulen kreieren immer neue
Kombinationsangebote. Über diesen Trend und die damit verbundenen
Probleme diskutiert eine in der nr-Werkstatt dokumentierte Runde von
renommierten Ausbildern. In einer Reportage schildert ferner eine
junge Journalistin am Beispiel der “VÖB-Medientage” des
Bundesverbandes Öffentlicher Banken Deutschlands, wie die Aus- und
Fortbildung der Nachwuchsjournalisten von Pressesprechern und
Lobbyisten verantwortet wird.

Die nr-Werkstatt integriert Texte aus wissenschaftlicher
Perspektive und Erfahrungsberichte von Praktikern. “Sie sammelt
Argumente und dokumentiert Kontroversen für eine fundierte Debatte
über die Gefahren, die mit der zunehmenden Vermischung von
Journalismus und PR verbunden sind”, sagt Thomas Schnedler, Mitglied
im Vorstand von netzwerk recherche und wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Rudolf-Augstein-Lehrstuhl in Hamburg. Prof. Dr. Thomas Leif,
Vorsitzender von netzwerk recherche, resümiert: “Festhalten kann man
schon heute: Vier Worte haben in den vergangenen Jahren wertvolle und
produktive Diskussionen angestoßen. Vier Worte werden diese
Animationsfunktion wohl auch noch in den kommenden Jahren erfüllen:
Journalisten machen keine PR.”

Die Band ist im Internet unter

http://www.netzwerkrecherche.de/Publikationen/nr-Werkstatt/20-Jour
nalismus-und-PR/

zum kostenlosen Herunterladen abrufbar. Gedruckte Exemplare können
kostenfrei gegen Zusendung eines mit 1,45 Euro frankierten und
adressierten Rückumschlags bei Netzwerk Recherche bestellt werden:

netzwerk recherche e.V. – Stubbenhuk 10, 5. OG – 20459 Hamburg

Pressekontakt:
Thomas Schnedler: schnedler@netzwerkrecherche.de

veröffentlicht von am 29. Jun 2011. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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