“Die ganze Straße hat ihr eigenes Gesetz!” VOX zeigt die große Samstags-Dokumentation “Asternweg – Eine Straße ohne Ausweg” am 11. April um 20:15 Uhr





Der Asternweg in Kaiserslautern liegt im ehemaligen
“Kalkofen”, einem der ältesten sozialen Brennpunkte Deutschlands.
Viele der Anwohner haben keine Perspektive, aus ihrem Alltag
auszubrechen. In der großen Samstags-Dokumentation “Asternweg – Eine
Straße ohne Ausweg” (am 11.04. um 20:15 Uhr) erzählen die Bewohner
der Gegend ihre ungeschönten Geschichten und lassen die Zuschauer
hautnah an ihren kleinen und großen Problemen, aber auch an ihren
Wünschen und Träumen teilhaben. VOX hat sie von Juli 2014 bis Januar
2015 mit der Kamera begleitet.

Stephanie “Steffi” ist 26 Jahre alt, wohnt seit elf Jahren im
Asternweg und erwartet zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ihr fünftes
Kind. Vater ihrer Kinder ist der arbeitslose Dachdecker Helmut (37).
Gemeinsam mit ihren Eltern und dem Nachwuchs wohnt Steffi in einer
Sozialwohnung ohne Waschbecken und Dusche im Bad. Ihr Partner Helmut
hat seine eigene Wohnung im Block. Er sagt, es sei besser für ihre
Beziehung, wenn er sich ab und zu zurückziehen könne. Steffis Onkel
hat aufgrund der schwierigen Wohnsituation und Steffis Überforderung
mit ihrer Rolle als Mutter die Behörden eingeschaltet. Wenn sich der
Zustand der Wohnung nicht deutlich bessert, könnte ihr das Jugendamt
die Kinder entziehen. Ihr Leben hatte sich die junge Mutter
ursprünglich anders vorgestellt: “Ich wollte nie so früh schwanger
werden und eigentlich die Schule fertig machen. Aber dann habe ich
die Pille vergessen und dann war–s eben so.” Nun bangen alle um den
Familienzusammenhalt. Auch Steffis noch ungeborenes Baby könnte nach
der Geburt in eine Pflegefamilie kommen. Für Helmut eine
fürchterliche Vorstellung: “Wer mir mein Kind wegnimmt, der spielt
mit seinem Leben.”

Jan Karl “Charly” (44) ist schon im “Kalkofen” geboren worden. Der
arbeitslose Koch ist drogenabhängig. Während der Dreharbeiten findet
der Obdachlose bei seiner Freundin Ursula “Ursel” (45) im Geranienweg
Unterschlupf. Charly geriet bereits einige Male mit dem Gesetz in
Konflikt und saß elf Mal hinter Gittern. Vor einem Jahr erst wurde er
erneut aus der Haft entlassen. Seitdem hat er weitere Straftaten
begangen – gegen den Flüchtigen liegt wieder ein Haftbefehl vor: “Ich
habe ein Kino und ein Bräunungsstudio ausgeraubt. Und das Dritte
möchte ich bitte nicht sagen, denn das könnte eine andere Person in
Schwierigkeiten bringen. Ich habe mein Leben im Moment verschissen.”
Dem Gesetz kann der gesuchte Kriminelle nicht entkommen. Was werden
die nächsten Monate für ihn mit sich bringen?

Ilse (51) ist von Kindesbeinen an “Kalköflerin” und hat im
Gegensatz zu vielen anderen Bewohnern hier ihre berufliche und
gesellschaftliche Erfüllung gefunden. Ihre Kneipe “Zum Ilse” ist für
viele ein zweites Zuhause und Gastwirtin Ilse “Beichtmutter” und
Helferin in der Not: “Die Leute sagen, ich bin eine gute Seele. Wem
ich helfen kann, dem helfe ich!” Dabei steckt sie in einem Dilemma:
Auf der einen Seite opfert sie sich für die Anwohner bereitwillig
auf, aber auf der anderen Seite lebt sie auch von dem Geld, das ihre
Gäste täglich bei ihr ausgeben. Sie weiß, dass die Gegend um den
Asternweg herum von Außenstehenden kritisch beäugt wird: “Ich bin arm
groß geworden. In der Schule habe ich mich eigentlich auch mit denen
gut verstanden, die nicht von hier waren. Manche Freunde haben mich
auch gerne besucht, aber: Der Kalkofen war schon immer ein bisschen
abgestempelt.”

Joachim “Jockel” Klaus Richard (62) wohnt seit zwölf Jahren im
Asternweg. Hier ist er gestrandet, nachdem sein Vater bei einem
Autounfall ums Leben kam, seine Mutter starb und sein Bruder sich das
Leben nahm. Nun bewohnt der ehemals obdachlose Jockel 30 Quadratmeter
ohne Bad, nur mit einem Kaltwasseranschluss in der Küche. “Im Sommer
macht mir das nichts aus, das Wasser ist dann ja lauwarm. Aber im
Winter ist das Waschen extrem”, erklärt er. Seinen Strom hat er nicht
angemeldet: “Ich könnte ihn anmelden, aber ich brauche so viel Geld
zum Trinken – da würden mir die 50 Euro für den Strom im Monat
fehlen. Das ist das Problem!” Jockel sitzt jeden Tag bei Ilse in der
Kneipe und vertrinkt dort seine gesamte Frührente. Eigentlich sehnt
sich der einsame “Kalköfler” nach einem anderen Lebensinhalt: “Wenn
ich die anderen trinken sehe, will ich auch weiter trinken. Aber ich
wäre abgelenkt, wenn ich eine Beschäftigung hätte. Es wäre anders,
würde ich eine neue Freundin kennenlernen, viel unterwegs sein und
etwas ganz anderes machen – Sehenswürdigkeiten bestaunen, zum
Beispiel.”

Erich Manfred (61) bezieht Hartz IV und hat einen Ein-Euro-Job im
Öko-Programm der Stadt. Das Programm setzt sich zum Ziel, Arbeitslose
wieder auf einen festen Job vorzubereiten. “Wir werden als
Freischneider, Rasenmäher und auch mal im Schlammgebiet eingesetzt.
Ich stinke manchmal, wenn ich nach Hause komme. Und da muss ich
einfach duschen”, erklärt der gelernte Bäcker und Konditor. Das Thema
Duschen sorgt im Asternweg für Unmut: Einige der alteingesessenen
“Kalköfler” besitzen keine eigene Duschgelegenheit und benutzen daher
die Gemeinschaftsduschen der im Asternweg ansässigen Asylbewohner
mit. Diese wohnen in einem anderen Block. “Es ist umständlich, wenn
du abends nach Hause kommst und so weit laufen musst. Dann sind
vielleicht alle Kabinen besetzt und du kannst nicht mehr duschen”,
beschwert er sich. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten hat er eine mobile
Dusche für seine Wohnung beantragt und wartet auf die städtische
Genehmigung für den Einbau. John “Joe” Jürgen (48) ist im “Kalkofen”
groß geworden. Der arbeitslose Schweißer ist Stammgast in Ilses
Kneipe, war einige Jahre obdachlos und im Gefängnis. Doch immer
wieder zieht es ihn in den Asternweg zurück. Die Menschen und die
Gegend kennt er wie seine Westentasche. Stolz führt er durch sein
Viertel: “Geboren bin ich unten in diesem Querblock – erste Haustür,
untere Etage, auf dem Küchentisch. Und hier hat früher eine
Litfaßsäule gestanden. Doch die haben sie weggemacht, da wurde
gedealt. Ich liebe das Leben hier und bin stolz, ein –Kalköfler– zu
sein.” Obwohl Joe eine Wohnung hat, verschwindet er manchmal einfach
von der Bildfläche und lebt wieder wie ein Obdachloser. Auch während
der Dreharbeiten ist er eine Zeit lang nicht aufzufinden. Er schläft
in einem Auto. “Ich brauche ab und zu mal Abstand und besuche alte
Freunde. Ich schau, dass ich einfach überlebe und dass die, die mir
ans Herz gewachsen sind, bei mir bleiben”, stellt er klar.

Katharina (36) kommt aus einer Diplomaten-Familie und setzt sich
ehrenamtlich für die “Kalköfler” ein. Im Rahmen des Projektes
“Foodsharing” versorgt sie die Bewohner des Straßenzuges jeden
Samstag kostenlos mit frischen Backwaren, die gespendet werden. Sie
hilft, weil sie am eigenen Leib erfahren musste, was Ausgrenzung und
Stigmatisierung bedeuten: Als sie sich von ihrem Mann scheiden ließ,
folgte ihr sozialer Abstieg. Die Mutter von drei Kindern lebte fünf
Jahre von Hartz IV. “Das Projekt geht mir sehr nahe, aber ich wandele
das in Aktion um. Ich sitze nicht zu Hause und erzähle den Leuten,
wie furchtbar das hier ist – ich nehme einfach meine ganze Energie
und überlege, was ich aktiv tun kann, um die Situation hier zu
verbessern.” Eines ihrer Sorgenkinder im “Kalkofen” ist Wolfgang
(59). “Er ist mir aufgefallen, weil er so einen wachen Geist in sich
hat. Ich glaube, wenn man ihm ein bisschen hilft, dann bekommt er
sein Leben wieder in den Griff.” Katharina möchte Wolfgang zu einem
Job verhelfen. Wird sie dem Langzeitarbeitslosen mit
Vorstrafenregister einen Neustart ermöglichen?

VOX zeigt die große Samstags-Dokumentation “Asternweg – Eine
Straße ohne Ausweg” am 11.04. um 20:15 Uhr.

Pressekontakt:
VOX Kommunikation ,Janine Pratke, Tel.: 0221. 456-81511
Bildredaktion , Lotte Lilholt, Tel.: 0221. 456-81512

veröffentlicht von am 8. Apr 2015. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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