“DER STANDARD”-Kommentar: “Zürich-Ableger statt Weltschauplatz” von Andrea Schurian





Schöne Perlen ergeben nicht zwangsläufig eine schöne
Perlenkette. Und die Aneinanderreihung von – durchaus hochkarätigen
– Veranstaltungen macht keinen feingestimmten Festspielsommer. Das
ist eine der Erkenntnisse nach Alexander Pereiras erster
Salzburg-Saison. Und dass die Festspiele, allen Krisen zum Trotz,
offenbar in einer Geldblase schwimmen. Sonst würde Pereira, der arg
viel über Finanzen und nur wenig zur Kunst sagt, Wiederaufnahmen
kostspieliger Produktionen zumindest in Erwägung ziehen. Gut, aus
diesem Jahr muss nicht allzu viel ins nächste gerettet werden –
außer das betörend radikale Gesamtkunstwerk Die Soldaten, das Ingo
Metzmacher (Dirigat) und Alvis Hermanis (Regie) mit Bernd Alois
Zimmermann für die Felsenreitschule maßschneiderten. Dieses
Kunstfest möchte man wieder sehen, und zwar vom Beginn der
Festspiele an, nicht wie heuer in planerischer Hasenfüßerei ans Ende
gepickt. Weil laut Pereiras Verdikt nur saisonal Frisches auf den
Festspielplan kommt, geraten aber wenigstens provinzbühnencharmante
Wiederentdeckungen wie die Der Zauberflöte zweyter Teil alias Das
Labyrinth gnädig in Vergessenheit. Mit seiner Ankündigung, die
Salzburger Festspiele endlich zu einem Weltfestival zu pushen,
verpasste der Neo-Intendant seinen Vorgängern eine ebenso
unverdiente wie schallende Ohrfeige. Nur: Statt Weltschauplatz wurde
Salzburg heuer zum freunderlbewirtschafteten Zürich-Ableger.
Überproportional oft wird in den Programmheften auf “enge
Verbundenheit” der Künstler mit dem Zürcher Opernhaus hingewiesen,
auf Debüts und fixe Engagements dortselbst. Manch einer ging in
Zürich in Pension und werkt nun in Salzburg weiter. Und Sven-Eric
Bechtolf, der 2000 in Zürich mit Alban Bergs Lulu seine erste
Talentprobe als Opernregisseur abgeben durfte? Ist ein exzellenter
Künstler, seine Ariadne-Version wurde zu Recht hochgelobt. Als
Schauspielchef ist er aber noch ein Azubi. Weshalb er sich eher auf
seine Kernaufgaben konzentrieren sollte als auf seine geplante
Neuinszenierung des Da-Ponte-Zyklus – zumal jener von Claus Guth in
Salzburg noch in allerbester Erinnerung ist. Außer Andrea Breths
herausragende Prinz von Homburg-Interpretation gab–s in seinem
Ressort viele Ärgernisse, allen voran Irina Brooks Peer
Gynt-Kolossalkitsch auf der Perner-Insel. Weil sie mit der Bühne
nicht zurande kam, darf sie nun auch ihren zwei Jahre alten La
Tempête-Festivalhadern in Hallein zwischenlagern. Ausnahme von der
Exklusivitätsregel: Warum? Und warum mutet Bechtolf den grandiosen
Schauspielern für Händl Klaus– Sprachverästelungen Meine Bienen.
Eine Schneise einen nicht-deutschsprachigen Regisseur zu? Was waren
seine Auswahlkriterien fürs Young Directors Project (YDP)? Es begann
und endete schrecklich banal. Aber Bechtolf holte sich auch Freunde
als Qualitätsgaranten: Cornelia Rainer, die er von gemeinsamen
Arbeiten kennt, realisierte im YDP ein Lenz-Projekt. Sie (und drei
ihrer Geschwister) musizieren auch in der Musicbanda Franui, mit der
wiederum Bechtolf gemeinsam auftritt. Deren charismatischer Gründer
Andreas Schett ist der vermutlich meistbeschäftigte Bechtolf-Freund:
Konzerte, Komposition zum Händl-Stück, Chefredaktion und Gestaltung
der YDP-Zeitschrift. Schett leitet mit Gustav Kuhn seit 1998 die
Tirol Festspiele Erl. Gute Schule für Salzburgs Lehrling.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

veröffentlicht von am 26. Aug 2012. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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