DER STANDARD – Kommentar: „Verantwortungslose Kulturpolitik“ von Thomas Trenkler





Mancher Kulturpolitiker scheut das Schließen von
Kultureinrichtungen wie nichts anderes. Denn man befürchtet, dass die
eigene Reputation und jene der Partei sinken würden. Man beschwört
lieber ohne Unterlass, dass Kunst und Kultur „Lebensmittel“, ja sogar
„Überlebensmittel“ seien. Diese Metapher, die auch Präsidenten und
Bürgermeister gerne bei Festivaleröffnungen gebrauchen (etwa in
Salzburg und Bregenz), ist natürlich dumm. Denn Kunst und Kultur
kosten immenses Geld, sie sind daher immer Luxus. Auch wenn sie für
eine Zivilgesellschaft notwendig sind – „wie ein Bissen Brot“, um im
vertrackten Bild zu bleiben. Das Schließen von Kultureinrichtungen
kommt für den Kulturpolitiker jedenfalls nicht infrage. Es dürfe,
warnt man, keinen Sündenfall wie in Berlin geben, wo einst, vor 21
Jahren, das Schillertheater geschlossen wurde. Aber auch das Programm
dürfe nicht zurückgefahren werden. Am liebsten wäre dem
Kulturpolitiker, wenn alles so bliebe wie in jenen Zeiten der
Kameralistik. Damals gingen die Karteneinnahmen an den Staat – und
der verbeamtete Feudalherr zahlte, was eben für die Theater zu zahlen
ist. Es gab weder Kostenwahrheit noch Kostenbewusstsein. Doch es sind
andere Zeiten an?gebrochen. Ob sie bessere sind, wird sich
herausstellen. Aber der dauernde Zwang zu Sparmaßnahmen, den manche
schon richtig geil finden, hat längst den Kulturbereich erreicht. Und
zwar flächendeckend. Den kleinen Veranstaltern, den wackeren
Kulturarbeitern, die sich selbst ausbeuten, fehlt mittlerweile die
Kraft zum Jammern über die triste Situation. Im Gegensatz zur freien
Szene haben die Bundestheater unermesslich viel Geld. Aber die
Staatsbühnen geben gut 2440 Menschen Arbeit. Das kostet nicht nur,
das kostet aufgrund der Kollektivverträge jedes Jahr mehr. Weil die
Personalkosten seit der Ausgliederung 1999 um 27,5 Prozent auf 172,9
Millionen Euro gestiegen sind, die Subvention aber nur um 11,5
Prozent auf 148,9 Millionen Euro ange?hoben wurde, begann es sich
irgendwann nicht mehr auszugehen. Da konnte Georg Springer als Chef
der Bundestheater-Holding warnen, was er wollte: Die Politik stellte
sich taub. Man meinte, es werde sich doch ausgehen – ohne
Schließungen und ohne Programmeinschnitte. Ja, es ging sich dann doch
ein paar Jahre lang aus, weil man herumtrickste. Die Politik machte
nichts, weckte lediglich Hoffnungen auf demnächst frisches Geld. Und
so trickste man gutgläubig weiter. Wohlgemerkt: Bei den Salzburger
Oster- und Sommerfestspielen gab es Menschen, die in die eigene
Tasche wirtschafteten, die Unternehmen im großen Stil schädigten.
Sich bereichert zu haben, wird man aber weder Georg Springer noch
Silvia Stantejsky vorwerfen können: Beseelt vom Theater, waren sie
die Erfüllungsgehilfen der vertröstenden Kulturpolitiker. Hinzu
kommt, dass Theatermacher eher Narren als Kaufleute sind. Sie geben
das Geld am liebsten mit vollen Händen aus. Denn die Bühne ist ein
Wunderwerk, das glänzen soll. Schon vor Jahren hätte die Politik
Einhalt gebieten müssen. Doch das Kulturministerium unter Claudia
Schmied schaute zu, wie der Tanker auf den Eisberg zusteuerte. Man
ließ die Theater nicht nur im falschen Glauben, dass es mehr
Subventionen geben werde, sondern man vernachlässigte auch die
Kon?trollaufgaben. Und nun verweigert Schmied jede Stellungnahme. Das
ist der Sparsamkeit zu viel.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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veröffentlicht von am 25. Jul 2014. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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