DER STANDARD-Kommentar: “Kein Diktat des Geldes” von Alexandra Föderl-Schmid





Václav Havel war nicht nur der “samtene
Revolutionär”, er war ein Visionär, der die Sehnsucht der Menschen in
Worte zu kleiden verstand und ihnen Leitlinien mit auf ihren Weg gab.
Er stand für seine Ideale ein, musste ins Gefängnis. Havel war ein
Vorkämpfer für Freiheit und Demokratie – Werte, die 22 Jahre nach dem
Fall des Eisernen Vorhangs in Zeiten der Terrorbekämpfung und der
Wirtschaftskrise an den Rand gedrängt werden.
Die Massen von Menschen in Tschechien, die Abschied von ihrem
“Dichterpräsidenten” nahmen, und die zum Requiem angereiste
weltpolitische Elite erwiesen einem Mann die letzte Ehre, der – wie
kaum ein anderer – für sich in Anspruch nehmen kann, moralische
Instanz (gewesen) zu sein. Sein Streben nach Freiheit, sein “Versuch,
in der Wahrheit zu leben”, war Anstoß für viele.
Wir leben in einer Zeit, in der die Strahlkraft freiheitlicher,
repräsentativer Demokratie zu verblassen droht. Immer mehr Bürger
ziehen sich zurück; Politikerverdrossenheit verbreitet sich. Sie
mündet häufig in Resignation. So werden aus Wutbürgern Abwinker. Der
Rückgang der Beteiligung bei Wahlen und Volksbegehren zeugt davon.
Die Hoffnung auf Anstand wurde oft enttäuscht: durch das Verhalten
mancher Vertreter der Wirtschaftselite und Politiker (in Deutschland
aktuell Christian Wulff, in Österreich Karl-Heinz Grasser), die am
Profit für wenige statt Wohlstand für viele interessiert sind. Das
Triple-G dominiert: Geld, Geiz, Gier.
Computersteuerungen, die von Menschen nicht mehr beeinflusst werden
können, führen zu immer komplexer werdenden Vorgängen des
globalisierten Kapitalismus und erzeugen Ohnmacht. Dazu kommen die
Veränderungen des Kommunikationsverhaltens, die zu wachsender
Unsicherheit rund um den Globus beitragen.
Gerade in solchen Phasen wächst die Sehnsucht nach Orientierung, nach
Ordnung, nach Einordnung. Heute – mehr denn je – braucht es
aufgeklärte Politiker, die mutig und entschlossen sind, in einer
repräsentativen Demokratie die Interessen der Bürger durchzusetzen
und Märkten Grenzen zu setzen. Dies bedingt, Machtinteressen
hintanzustellen, grenzüberschreitende Lösungen zu suchen und Wege
aufzeigen: wie das Gemeinwohl in Zeiten der Profitorientierung
gewahrt werden kann, wie Gerechtigkeit und Fairness in einer
zunehmend auseinanderdriftenden Gesellschaft gewahrt werden können,
wie ein Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie erfolgen kann. Es
geht auch darum, demokratische Werte wie Freiheit zu verteidigen –
gerade in_Zeiten des Antiterrorkampfes.
Es braucht auch Bürger, die diese Werte und Grenzen einfordern. Sich
bequem zurückzulehnen und nur zu kritisieren, das ist eine gerade in
Österreich beliebte Form der Couch-Demokratie. Aber das reicht nicht
aus, wenn Bürger etwas erreichen und vor allem ändern wollen.
Die 89er-Revolution hat ihre Dynamik erst entwickelt, als sich die
Menschen vom Wohnzimmer auf die Straße bewegt haben. “Solange wir um
die Freiheit kämpfen mussten, kannten wir unser Ziel. Jetzt haben wir
die Freiheit und wissen gar nicht mehr so genau, was wir wollen”,
beschrieb Havel zur Jahrtausendwende diese Orientierungslosigkeit.
Zehn Jahre später ist das neue Ziel klar: Gerechtigkeit. Oder anders
ausgedrückt: ein fairer Ausgleich, kein Diktat des Geldes.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

veröffentlicht von am 23. Dez 2011. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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