DER STANDARD-Kommentar „Das Risiko ist gestiegen“





Eine „extrem starke Fähigkeit, finanzielle
Verpflichtungen zu erfüllen“ verlangen die Ratingagenturen, wenn sie
einem Schuldner das begehrte Triple-A-Rating verleihen. Das Risiko
eines auch nur teilweisen Zahlungsausfalls muss verschwindend klein
sein.
Eigentlich ist es ein Wunder, dass überhaupt noch EU-Staaten über
diese Bonität verfügen. Die Pleite eines der letzten Triple-A-Länder
ist zwar unwahrscheinlich, aber wenn man das schlimmste Szenario für
das kommende Jahr – Kollaps der Eurozone, tiefe Rezession,
Bankenkrise – durchspielt, ist sie nicht mehr völlig ausgeschlossen.
An Österreichs Zahlungsfähigkeit hängen die Großbanken wie ein
Mühlstein. Bei Frankreich ist das Hauptproblem die gesunkene
Wettbewerbsfähigkeit, bei Großbritannien das riesige Budgetdefizit.
Selbst Deutschland könnte sich bei einem Euro-Kollaps finanziell
übernehmen.
Deshalb sind die angedrohten Herabstufungen zahlreicher
Industriestaaten durch die Ratingagenturen nicht nur berechtigt,
sondern sogar überfällig. Die Kombination von jahrelangem
Schuldenmachen und den Kosten der Finanzkrise hat die einst so
sichere Investition in Staatsanleihen etwas weniger sicher gemacht.
Aber selbst wenn Österreich und andere EU-Staaten 2012 herabgestuft
werden, ist das keine Katastrophe. Wenn in Europa nur noch die
Schweiz und Norwegen ein AAA-Rating haben, lebt es sich mit einem AA+
auch ganz gut.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

veröffentlicht von am 18. Dez 2011. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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