Das Erste / Weltspiegel – Auslandskorrespondenten berichten / am Sonntag, 19. Oktober 2014, 19.20 Uhr vom NDR im Ersten





Moderation: Andreas Cichowitz

Geplante Themen:

Libanon/Türkei: Kunstraub für Kalaschnikoffs – Wie mit syrischen
Antiken der Terror finanziert wird (Autorin: Esther Saoub) Die USA
bombardieren, unterstützt von einer internationalen Allianz, täglich
Stellungen der Terrororganisation “Islamischer Staat” in Syrien. Doch
den Kämpfern scheint der militärische Nachschub nicht auszugehen.
Denn an Geld fehlt es den Milizen nicht. Öl, Entführungen und antike
Kunstschätze sind nicht versiegende Geldquellen. Der Erlös aus dem
Kunstraub ist zwar nicht der größte Teil, aber trotzdem ein
beachtlicher. Auf verborgenen Wegen gelangen die antiken Fundstücke
aus Syrien in renommierte Auktionshäuser von New York über London bis
München. Zig Millionen Dollar, so schätzen Experten, verdienen die
Milizen damit. Syrien, kulturelle Wiege der Menschheit, verliert
unermessliche Kunstschätze. Das wollen nicht alle hinnehmen. Unter
Lebensgefahr stemmen sich einige junge Syrer gegen diesen Ausverkauf
ihres Kulturerbes. Esther Saoub hat sie getroffen, in den
Grenzgebieten zu Syrien, in der Türkei und im Libanon. Eine Recherche
auf alten Schmugglerrouten, in Antiquitätengeschäften, auf
Polizeistationen, in Museen.

Indien: Polizisten foltern Verdächtige (Autor: Gábor Halász,
ARD-Studio Neu Delhi) Soni Suri wurde verdächtigt, mit maoistischen
Rebellen zu sympathisieren. Polizisten verhaften die Frau,
vergewaltigen sie, foltern sie mit Elektroschocks. Sie wollen ein
schnelles Geständnis. Der Fall wird dokumentiert, da die Frau
anschließend im Krankenhaus behandelt wird. Erschütternde Bilder,
aber Soni Suri ist kein Einzelfall. Menschenrechtsanwälte sagen, es
gebe tausende Fälle. Als Gabor Halasz und sein Team mit der Recherche
beginnen, ahnen sie nicht, was ihnen alles begegnen wird. Im Punjab
erfahren sie von zwei jungen Männern, die Ende August verhaftet
werden, weil sie gestohlen haben sollen. Auch diese beiden werden
gefoltert. Irgendwann dürfen sie gehen. Der eine taucht unter,
verschwindet. Der andere nimmt sich das Leben, aus Angst vor weiteren
Folterungen. Ein Polizist, der den Dienst quittiert hat und vor dem
Obersten Gericht gegen seine ehemaligen Kollegen kämpft, bestätigt,
dass Folter in Polizeistationen gängige Praxis ist. Um ihn zum
Schweigen zu bringen, wird sein Vater verhaftet und so lange
gefoltert, bis er stirbt. Egal wie gut die Fälle dokumentiert sind,
die Polizisten werden in der Regel nicht bestraft. Und das zuständige
Ministerium? Gábor Halász hat dort angefragt und wartet auf Antwort.

Nordirland: Mit Fototapeten zum Erfolg (Autorin: Annette Dittert,
ARD-Studio London) Bushmills ist ein typisches Durchgangsstraßendorf
in einem ärmlichen Landstrich in Nordirland. In drei Sekunden, sagen
die Bewohner, entscheidet sich, ob jemand anhält oder weiterfährt.
Bis vor kurzem sind die Reisenden weitergefahren bis zur
nahegelegenen Whiskybrennerei. Das Dorf hat davon nicht profitiert.
Doch das hat sich geändert. Und Roy Bolton, der heimliche
Bürgermeister des Ortes, hatte die Idee. Die leerstehenden Geschäfte
sollten nicht mehr so trist und unbelebt aussehen. Er wollte den
Häusern neues Leben einhauchen. Und zwar mit Fotos von denen, die in
Bushmills leben. Potemkinsches Dorf mit echten Protagonisten.
Inzwischen haben sich die Fototapeten von zwei Künstlerinnen zu einer
echten Touristenattraktion entwickelt. Sie sind so erfolgreich, dass
die ersten Geschäfte die Tapeten abnehmen und wieder öffnen. Annette
Dittert ist Menschen begegnet, die wieder Hoffnung schöpfen, dass ihr
Dorf den Abwärtstrend hinter sich lassen kann.

Taiwan: Verschmähte Schoßhunde – letzte Station Todesspritze
(Autor: Philipp Abresch, ARD-Studio Tokio) Die beliebteste und
teuerste Rasse ist die französische Bulldogge, ein echter Mode-Hund.
Wenn er ca. vier Monate alt ist, kostet er auf den Hundestraßen von
Taipeh und anderen asiatischen Metropolen rund 2.000 Euro. Aber auch
Chihuaha, Pomeranian, Dackel und Pudel sind heiß begehrt. Je kleiner
und niedlicher, desto besser. Denn dann passt das Tier als Spielzeug
und Statussymbol auch in die Handtasche. Ein Lebewesen verkommt so
zum Accessoire. Bei Nicht-mehr-Gefallen wird es ausgesetzt oder
kostenlos ins Tierheim abgeschoben – Wegwerfhunde. Gesetze, die das
Wohlergehen der Tiere regeln, gibt es kaum. Woher all die Vierbeiner
kommen, unter welchen Umständen sie gezüchtet, gehalten und verkauft
werden, das interessiert viele Hundebesitzer im aufstrebenden Asien
nicht. Der Weltspiegel hat Behörden bei zwei Razzien auf Zuchtfarmen
begleitet, die Eindrücke und Aufnahmen sind erschreckend:
verwahrloste, abgemagerte Hunde – mit Knochenbrüchen oder genetischem
Defekt, weil so hochgezüchtet. Manche Tiere können deshalb nicht mehr
laufen. Tierschützer sagen: Etwa 50 Prozent schaffen es erst gar
nicht bis ins Geschäft, sie verhungern auf den Farmen oder werden
getötet, weil sie unverkäuflich sind. Wer noch in die Auslage kommt,
muss binnen sechs Monaten an Frauchen oder Herrchen gebracht sein.
Wenn nicht, dann landen die Tiere als Ladenhüter im Tierheim. Das
Todesurteil. Ein Schicksal, das allein in Taiwan jährlich 100.000
herrenlose Hunde trifft.

China: Mit dem Rad an Tibets Grenzen (Autorin: Ariane Reimers,
ARD-Studio Peking) “So aufgeschlossen habe ich Chinesen Fremden
gegenüber noch nie erlebt.” China-Korrespondentin Ariane Reimers ist
ganz begeistert von all dem, was sie auf der Reportagereise zu Rad
erlebt hat. Nur begleitet von einem Kameramann kam sie den Menschen
näher als bei anderen Drehreisen. Das Team war unterwegs in der
Grenzregion zu Tibet, in der Provinz Ganzu, immer unter strenger
Beobachtung der Behörden. Auf engstem Raum erlebte Ariane Reimers
eine unglaubliche Vielfalt an Kulturen: die muslimischen Chinesen,
mit denen sie das islamische Opferfest feiern konnte, und die
Gläubigen im tibetischen Kloster Labrang, einem der wichtigsten
Tempel des chinesischen Buddhismus. Beide Welten für die Besucher
gleichermaßen faszinierend, aber sie stehen sich sehr misstrauisch
gegenüber, in dem Riesenreich China.

Schnappschuss: Warum besitzen Frauen in Südafrika so viele
Perücken? (Autor: Ulli Neuhoff, ARD-Studio Johannesburg)

Redaktion: Claudia Buckenmaier

Pressekontakt:
Rückfragen an: NDR-Pressestelle, Iris Bents, Tel.: 040/4156 2304
E-Mail: i.bents@ndr.de

veröffentlicht von am 17. Okt 2014. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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