Das Erste / „ttt – titel thesen temperamente“ (MDR) am Sonntag, 9. September 2018, um 23:05 Uhr





Moderation: Max Moor

„ttt“ berichtet von den Internationalen Filmfestspielen in
Venedig.

Geplante Themen:

„At Eternity–s Gate“ – Vincent-van-Gogh-Biopic mit Willem Dafoe /
Es ist eine der rätselhaftesten Episoden in Geschichte der modernen
Kunst: In der Nacht vor Heiligabend 1888 schneidet sich der Maler
Vincent van Gogh im französischen Arles sein Ohr mit einem
Rasiermesser ab. Auch über hundert Jahre später wird in der dieser
Sache noch ermittelt wie in einem Krimi. War es das linke oder
rechte? Das gesamte Ohr oder nur ein Teil davon? Wer war diese
mysteriöse junge Frau, der van Gogh „sein Geschenk“ vor einem Bordell
zusteckt haben soll? Ist der völlig verarmte Künstler in der Provence
verrückt geworden – oder war er verzweifelt, weil ihn sein enger
Freund, der Maler Paul Gauguin, zuvor verlassen hat? Jetzt bringt
einer dieses viel zitierte und bereits mehrfach verfilmte Ereignis
auf die Leinwand, der das Sujet von Kunst und Kino versteht wie kein
zweiter in Hollywood: der Regisseur und Maler Julian Schnabel. In
seinem Film „At Eternity–s Gate“, den er jetzt in Venedig vorstellte,
erzählt er seine Version der Geschichte. Der Film ist eine Hommage an
den weltberühmten Maler, gefilmt und arrangiert im Stil eines van
Goghs. Gespielt von dem großartigen Willem Dafoe. (Autorin: Anika
Mellin)

„Werk ohne Autor“ – bewegendes Künstlerschicksal im
Nachkriegsdeutschland / „Sieh niemals weg!“ – Dieser Satz, einem Kind
mit auf den Lebensweg gegeben von seiner kurz darauf von den Nazis
als „unwertes Leben“ ermordeten Tante, steht als Motto über dem neuen
Film von Florian Henckel von Donnersmarck. In „Werk ohne Autor“
erzählt der Oscar-Preisträger („Das Leben der Anderen“) davon, wie
dieses Kind, verfolgt von traumatischer Vergangenheit, als Künstler
seinen Weg durch die deutsche Nachkriegsgeschichte sucht, erst auf
einer DDR-Akademie und später im Düsseldorfer Kunst-Kosmos des Joseph
Beuys. In Gestalt seines Schwiegervaters, einem ehemaligen
Euthanasie-Arzt, begegnet er dabei der nicht auslöschbaren
Geschichte: Doktor Seeband rettet seine Ideologie locker durch
DDR-Sozialismus und BRD-Kapitalismus und schwimmt in beiden Systemen
mit wie ein Fisch im Wasser. Der Film, einziger deutscher Beitrag in
Venedig, nimmt Anregungen aus dem Leben des Malers Gerhard Richter
auf und stellt dem Publikum die ganz großen Fragen: Was ist Wahrheit,
in der Kunst und im Leben? Wie mit der Schuld umgehen, wenn Täter und
Opfer in einer Familie leben? Kann die Vergangenheit je vergehen? Und
schließlich: „Sieh niemals weg“ – Was heißt das heute? Trotz des
einigermaßen verkopft klingenden Titels ist „Werk ohne Autor“ ein
emotional packendes Erzähl- und Schauspielerkino: Florian Henckel von
Donnersmarcks venezianisches Comeback. (Autor: Andreas Lueg)

„Isis, Tomorrow – The Lost Souls of Mosul“ – das Erbe des IS im
Irak / Eine halbe Million Kinder lebten während der dreijährigen
Besatzung des Islamischen Staates allein in Mossul. In den von der
salafistischen Miliz kontrollierten Schulen und Camps wurden sie zu
Kämpfern und Märtyrern ausgebildet. Man nennt sie den „Lions Club des
Kalifats“, viele von ihnen haben aktiv für den IS gekämpft. Seit der
Befreiung von Mossul leben die Täter und Opfer nebeneinander, vereint
im Leid, aber getrennt im Hass. Die Filmemacher Francesca Mannocchi
und Alessio Romenzi haben nach der Befreiung Mossuls die Menschen
dort aufgesucht und mit den Kindern gesprochen, die durch die
Kriegserlebnisse traumatisiert wurden. Die Geschichten der Kinder
sind an Leid und Grausamkeit kaum zu überbieten. So bleiben die
Kinder auch nach dem Krieg gefangen in der Spirale der Gewalt. Der
Film „Isis, Tomorrow – The Lost Souls of Mosul“ geht der Frage nach:
Was ist zu tun, um Hunderttausende von Kindern zu retten? Wie können
wir verhindern, dass diese Kinder der Nährboden für den Terrorismus
von morgen sind? Ein bewegender Dokumentarfilm, der viele Parallelen
zur Nachkriegsgeschichte der Deutschen aufzeigt. (Autor: Matthias
Morgenthaler)

„22 July“ – Verfilmung des Attentats auf der norwegischen Insel
Utøya / Der terroristische Anschlag am 22. Juli 2011 im norwegischen
Oslo und auf die Jugendlichen auf der Insel Utøya sollte eine
Gesellschaft treffen, die sich als offen, liberal und demokratisch
versteht. 77 Menschen starben. Wie geht ein Land mit solch einem
Angriff um? Wie reagiert eine Gesellschaft politisch und emotional
darauf? Wie wehrt sie sich? Der britische Regisseur Paul Greengrass
hat im Wettbewerb in Venedig seinen Film „22 July“ vorgestellt. Er
bezieht sich mit seinem Film auf das Buch „Einer von uns“ der
norwegischen Journalistin Åsne Seierstad, die als Reporterin den
Prozess gegen den Mörder Anders Breivik verfolgte. Greengrass Film
ist vor allem ein emotionales, starkes Plädoyer für die
demokratischen Werte als Selbstverständnis einer Gesellschaft.
(Autor: Jens-Uwe Korsowsky)

Im Internet unter www.DasErste.de/ttt

Redaktion: Matthias Morgenthaler / Jens-Uwe Korsowsky (MDR)

Pressekontakt:
Agnes Toellner, Presse und Information Das Erste,
Tel: 089/5900 23876, E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de

Original-Content von: ARD Das Erste, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 7. Sep 2018. gespeichert unter Allgemein, Fernsehen. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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