Brigitte Fehrle, Mitglied der Aufklärungskommission für den Spiegel im Fall Relotius, zieht im journalist-Interview Bilanz: “Meine Haltung zum Journalismus insgesamt ist kritischer geworden.”





Als Mitglied der Aufklärungskommission hat
Brigitte Fehrle, freie Journalistin und ehemalige Chefredakteurin der
Berliner Zeitung, für den Spiegel die Fälschungen von Claas Relotius
aufgearbeitet. Im Interview mit dem Medienmagazin journalist zieht
Fehrle Bilanz ihrer Arbeit. Sie sagt: “Meine Haltung zum Journalismus
insgesamt ist kritischer geworden, insbesondere gegenüber dem
sogenannten erzählerischen Journalismus.” Dem Spiegel, aber auch
anderen Redaktionen empfiehlt Fehrle, sich wieder mehr auf
investigative, sachliche, fachlich kenntnisreiche Berichterstattung
zu konzentrieren. Kernaufgabe des Journalismus sei “nicht das
literarische Schönschreiben”, sagt Fehrle im journalist-Interview,
sondern “die Aufklärung, die genaue Beobachtung von Ereignissen und
ihre kritische Bewertung”.

Ende Mai hatte die Kommission um Brigitte Fehrle ihren Bericht
zusammen mit der Spiegel-Leitung vorgestellt. Der 17-seitige Bericht
zeichnet den Fall Relotius im Detail nach und spricht zahlreiche
Fehlentwicklungen beim Spiegel an. Aufgabe der Kommission sei es
gewesen, eine “Analyse” vorzunehmen, so Fehrle. “Welche Konsequenzen
daraus zu ziehen sind, obliegt der Chefredaktion.”

Die Kommission hat zwar keine Hinweise auf weitere Fälschungen
beim Spiegel gefunden, wohl aber festgestellt, dass es immer wieder
zu Verfälschungen und Manipulationen kommt, zum Beispiel durch
Verdichtungen oder dem Zusammenziehen von Situationen. Dabei
unterstreicht die Journalistin: “Die am Weitesten verbreitete
Manipulation ist nicht das Hinzuerfinden, sondern das Weglassen.” Wer
eine Reportage wie einen Film mit einer klaren Dramaturgie
konstruiere, so Fehrle, “neige dazu, Dinge wegzulassen, zu glätten,
zu formen, weil sie die Story oder den Erzählfluss stören. Die
Wirklichkeit ist aber immer widerborstig.”

Das Interview mit Brigitte Fehrle lesen Sie in der Juli-Ausgabe
des Medienmagazins journalist, die heute erscheint. Auf Anfrage
senden wir gerne das komplette Interview vorab.

Pressekontakt:
journalist – Das Medienmagazin
Matthias Daniel
Chefredakteur

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daniel@journalist-magazin.de

Tel. 0228/20172-24
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veröffentlicht von am 2. Jul 2019. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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