Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler: “Ich bin Opfer eines Komplotts” (FOTO)





In seinem ersten Interview seit Bekanntwerden der Sanktion gegen
ihn wehrt sich der 62-jährige Biathlon-Trainer Wolfgang Pichler gegen
die Sperre für die Olympischen Spiele in Südkorea. “Das ist eine
Farce! Ich bin Opfer eines Komplotts”, wettert Pichler. “Ich
verabscheue Doping. Sollte an der Geschichte was dran sein, dann habe
ich ganz gewiss davon nichts gewusst, das verspreche ich bei bestem
Gewissen.”

Pichler wurde die Akkreditierung für die am 9. Februar beginnenden
Olympischen Spiele entzogen, weil er als ehemaliger Trainer der
russischen Biathletinnen unter Verdacht steht, Teil eines der größten
Dopingskandale der Sportgeschichte zu sein. Pichler kündigt
juristische Schritte gegen den Internationalen Olympischen Sportbund
an: “Mein Anwalt wird dem IOC einen Brief schreiben und eine Anhörung
fordern. Bislang hat mir ja noch keiner die Chance gegeben, mich zu
äußern. Ich habe keine Beweise gesehen: weder, dass ich in
irgendeiner Weise involviert gewesen sein soll, noch ein positives
Testergebnis meiner Athletinnen.”

Auch die Aussagen des Kronzeugen Grigori Rodschenkow zweifelt
Pichler an. Wenn man drei Jahre in Russland gearbeitet habe, so
Pichler, dann könne man sich schon vorstellen, “dass bei den Spielen
etwas nicht sauber gelaufen ist”. Laut den Aussagen des ehemaligen
Chefs des russischen Doping-Kontrolllabors hatte dieser Dopingproben
der Athleten durch ein Loch in der Wand erhalten und den Urin in die
Toilette gekippt. “Nach drei Jahren intensiver Auseinandersetzung mit
Russland kann ich mir das mit dem Loch in der Wand sogar vorstellen”,
so Pichler. Aber nicht, um Dopingsubstanzen zu verschleiern,
“vielleicht wollte man genau das Gegenteil bezwecken und hat das
deshalb gemacht, weil man keinen weiteren Dopingfall haben wollte,
nachdem im Vorfeld zwei aufgeflogen waren. So könnte ich mir das
Austauschen erklären. Man sollte bei allem nicht vergessen, dass der
Hauptzeuge auch einer der Hauptverbrecher war und dass die Beweise
dünn sind.”

Auf die Frage, ob er jemals von den Russen zum Doping gedrängt
wurde, antwortet Pichler: “Nie! Die Russen sind doch nicht blöd. Wenn
man ein System des Dopings aufrecht erhalten will, dann muss man den
Kreis der Mitwisser klein halten.” Er sei eine viel zu große Gefahr
für die Russen gewesen, alles auszuplaudern. “Und das hätte ich
getan. Ich habe keine Angst vor Konsequenzen.”

Trotzdem ist sich Pichler sicher: “Wenn dich ein Doktor wirklich
dopen will, dann hast du als Athlet keine Chance. Im Zweifel wird dir
das Zeug untergeschoben.” Das russische System sei bis heute noch wie
in der Sowjetunion organisiert. “Während des Trainingslagers sind
immer ein Arzt und ein Biochemiker anwesend, und in der Früh wird
pausenlos Harnstoff gemessen. Es gibt erlaubte Substanzen, die du als
Sportler dem Körper zuführen kannst, Vitaminpräparate zum Beispiel
als Infusion. Dein Urin ist der Maßstab. Ist der in Ordnung, dann
bist du sauber. Aber wer weiß, ob du immer die Wahrheit gesagt
bekommst? Du musst deinem Team vertrauen – als Sportler und als
Trainer. Gerade Jana Romanowa und Olga Saizewa waren immer sehr
skeptisch und wurden nun trotzdem gesperrt.”

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veröffentlicht von am 17. Jan 2018. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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