Berliner Charité: Siamesisches Zwillingspärchen kommt per Kaiserschnitt zur Welt





An der Berliner Charité hat eine junge Frau am
Donnerstag siamesische Zwillinge zur Welt gebracht. Dies berichtete
zuerst der Ärztenachrichtendienst (Hamburg) unter Berufung auf gut
unterrichtete Kreise. Demnach erblickten die beiden Jungen in der 34.
Schwangerschaftswoche per Kaiserschnitt das Licht der Welt. Die
Vorbereitungen dazu liefen seit Tagen auf Hochtouren.

Die Charité hält sich bedeckt, hat die Geburt des siamesischen
Zwillingspärchens bisher nicht bestätigt. Dem Vernehmen nach hat das
Berliner Universitätsklinikum intern und extern eine strenge
Nachrichtensperre verhängt, schirmt Eltern und die noch körperlich
verbundenen Säuglinge J. M. und S. M streng ab. Im Umfeld des
Kreissaals und der benachbarten Intensivstation für Frühchen und
kranke Neugeborene am Standort Wedding befindet sich sogar dezent
postiertes Sicherheitspersonal, das Besucher unauffällig beobachtet.

Über den medizinischen Zustand der beiden Jungen, die im
Bauchbereich zusammengewachsen sein sollen, dringen nur wenige
Informationen nach außen. Die Rede ist von Fehlbildungen an den
Harnblasen, die offenbar chirurgisch korrigiert werden können. Ob,
wann und wo die beiden Jungen operativ getrennt werden, ist ebenfalls
nicht bekannt.

Nach Recherchen des änd verfügt die Charité über Erfahrungen mit
siamesischen Zwillingen, diese liegen offenbar länger zurück: 2005
gelangt einem Team von Kinderchirurgen und Frauenärzten die Trennung
von siamesischen Frühchen. Einer der Jungen, die 3,5 Monate zu früh
auf die Welt gekommen waren, starb kurz nach der Operation. Ursache
waren schwere Missbildungen: Das Herz des Säuglings befand sich
außerhalb des Brustkorbs.

Die siamesischen Zwillinge waren erst in der 26.
Schwangerschaftswoche per Ultraschall entdeckt worden. Auf Empfehlung
von Ärzten ging die aus Regensburg stammende Mutter in die Charité.
Die Klinik gilt als das älteste pränatale Zentrum in Deutschland,
verfügt über eine neonatologische Intensivstation mit spezialisierten
Krankenschwestern, Geburtshelfern, Gynäkologen, Kinderärzten und
Kinderchirurgen. Ob die Charité nach 2005 weitere siamesische
Zwillinge betreut und operativ versorgt hat, ist nicht bekannt.

Siamesische Zwillinge sind sehr selten, die Zahlen schwanken von
eins zu 50.000 bis eins auf 200.000 Geburten. Die regionalen
Unterschiede sind groß. In Asien erblicken viel häufiger siamesische
Zwillinge das Licht der Welt als in westlichen Ländern. Hier werden
siamesische Zwillingen durch die vorgeburtliche Diagnostik per
Ultraschall häufig früh erkannt und abgetrieben. Die
Überlebenschancen gelten als sehr schlecht. Auf eine Millionen
Geburten kommt angeblich nur ein lebenswertes siamesisches
Zwillingspärchen.

Am häufigsten sind Siamesische Zwillinge im Brustbereich zusammen
gewachsen (70 Prozent), fünf Prozent an den Hüften und weniger als
zwei Prozent am Kopf. Eine operative Trennung ist möglich, wenn jedes
Kind eigene überlebenswichtige Organe besitzt, Stoffwechsel und
Blutzirkulation nicht zu sehr miteinander verwoben ist. In manchen
Fällen teilen sich die Zwillinge Herz, Lunge oder Magen.

Sehr schwierig ist die Trennung am Kopf. Vier von fünf Säuglingen
sollen den Eingriff nicht überleben oder schwere Behinderungen davon
tragen. Operativ getrennt werden die Säuglinge je nach Zustand kurz
nach der Geburt bis innerhalb eines Jahres. Siamesische Zwillinge
sind eineiige Zwillinge, bei denen sich zu einem frühen Zeitpunkt die
befruchtete Eizelle nicht komplett in zwei selbstständige Embryos
geteilt hat. Die Kinder wachsen bereits während der Schwangerschaft
zusammen.

Der in Hamburg ansässige Ärztenachrichtendienst (änd) ist eine
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Diskussionsplattform zum innerärztlichen Wissensaustausch. Rund
50.000 Ärzte sind derzeit Mitglied auf www.aend.de.

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veröffentlicht von am 19. Jul 2019. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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