75 Jahre danach – Frauen im Nationalsozialismus. VOX zeigt die große Samstags-Dokumentation „Unsere Mütter, unsere Großmütter im 2. Weltkrieg“ am 30.8. um 20:15 Uhr





Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg:
Adolf Hitler und seine glühenden Anhänger stürzten die Welt ins
Verderben. Millionen Menschen starben. In den vergangenen Jahrzehnten
konzentrierte sich die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf die
männlichen Beteiligten des Krieges – die Kommandanten, Soldaten oder
auch die Männer des Widerstands. Aber was ist mit den Frauen dieser
Zeit? 75 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs begibt sich
SPIEGEL TV in der großen Samstags-Dokumentation „Unsere Mütter,
unsere Großmütter im 2. Weltkrieg“ auf die Spuren der Frauen im
Nationalsozialismus. Das Bild der reichstreuen Mutter, aufopfernden
„Trümmerfrau“ und passiven Mitläuferin ist in das Gedächtnis späterer
Generationen eingebrannt. Aber waren sie tatsächlich nur ahnungslose
Anhängerinnen? Viele junge Frauen waren fasziniert vom
Nationalsozialismus, meldeten sich freiwillig für den Dienst am
Vaterland – auch als KZ-Aufseherinnen.

„Es ist wohl so, dass man nicht wirklich sagen kann, dass die
weiblichen KZ-Aufseherinnen nun netter, freundlicher oder milder
gewesen wären als die männlichen. Es gibt genauso viele Berichte
darüber, dass sie die Frauen geprügelt haben mit Stöckern, mit
Peitschen, dass sie die Hunde auf sie gehetzt haben“, erklärt
Historikerin und Autorin Kathrin Kompisch. „Im Zuge der Vernichtung
und der Vergasung haben eben auch KZ-Aufseherinnen in den
Frauenlagern an den Selektionen für die Gaskammer teilgenommen und
ganz zum Schluss z.B. in Ravensbrück die weiblichen Häftlinge bis zur
Gaskammer begleitet und auch die Kinderaktionen organisiert“, so
Kompisch. Was bewegte also Frauen, sich der Nazi-Ideologie
hinzugeben? Was motivierte Frauen wie Eva Braun oder Magda Goebbels,
für das Reich zu sterben? Warum wehrten sich nur so wenige wie
Widerstandskämpferin Sophie Scholl? Anhand von Zeitzeugenaussagen,
Expertenkommentaren und Archivaufnahmen zeichnet die vierstündige
Dokumentation eine Chronologie des Krieges aus der Sicht der Frauen
nach.

Im Fokus stehen sieben Frauen, die den Krieg und dessen
Auswirkungen sehr unterschiedlich erlebten: Ingeburg Hölzer war zehn
Jahre alt, als die Nazis an die Macht kamen. Sie schrieb „Heil
Hitler“ in ihr Tagebuch. Marianne Clemens kommt aus gutem
Künstlerhause – sie verachtete die Nazis, schwieg aber aus Angst.
Annette Schücking-Homeyers Vater wurde im Dritten Reich verfolgt.
Lieselotte Raaschs Vater stand gehorsam hinter Reich und Führer. Erna
de Vries ist Jüdin und Holocaustüberlebende. Sie folgte ihrer Mutter
in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Nur Erna überlebte.
Inge Deutschkron ist ebenfalls Jüdin. Sie und ihre Mutter überlebten,
weil ihnen mutige Deutsche halfen. Jennifer Teege erfährt mit 38
Jahren, dass sie die Enkelin von KZ-Kommandant Amon Göth ist – dem
„Schlächter von Płaszów“. Sieben Frauen. Sieben Schicksale. Ein
Krieg.

INGEBURG HÖLZER

(90 Jahre) wuchs zur Zeit des Nationalsozialismus im Erzgebirge
auf. Sie war zehn Jahre alt, als die Nazis an die Macht kamen.

…über ihre nationalsozialistische Erziehung: „Wir waren ja auch
stolz auf unser Deutschland, wir Jungen jedenfalls. So waren wir
erzogen. –Deutschland, Deutschland über alles– – das wurde gesungen
und das glaubten wir.“

INGE DEUTSCHKRON

(92 Jahre) konnte gemeinsam mit ihrer Mutter einer Deportation ins
KZ entkommen, weil mutige Deutsche die jüdischen Frauen versteckten.

…über die Angst vor einer Deportation ins KZ: „Und die Frage war
immer, das diskutierte man: –Na ja, was kann schon sein? Wir werden
dort hart arbeiten müssen.– Das, was wirklich war, hat keiner gedacht
oder denken wollen – das ist ganz klar. Ach Gott, manche von ihnen
zogen sich die beste Kleidung an, die sie hatten, für diese Fahrt.“

… über das Schuldgeständnis der Deutschen nach dem Krieg: „Was
wollen sie machen? Sollen sie sagen: –Ja, ich habe es gesehen.–? Das
haben Sie erwartet? Nein. Ich habe das nicht erwartet, dass sie das
sagen werden. Denn sie waren sich darüber im Klaren, dass sie Fehler
gemacht haben und dass sie hätten helfen müssen.“

LIESELOTTE RAASCH

(91 Jahre) wuchs behütet in Hamburg auf. Sie und ihre Geschwister
wurden deutschnational erzogen.

…über die Deportationen in die Konzentrationslager: „Wir haben
gedacht, die [Juden] sind ausgewandert. Und dann hörten wir, dass
welche ins KZ kamen. Aber, dass das so viele waren, davon hatten wir
keine Ahnung.“

JENNIFER TEEGE

(44 Jahre) – Enkelin von KZ-Kommandant Amon Göth, dem „Schlächter
von Płaszów“. Ihre Großmutter blieb dem hingerichteten
Kriegsverbrecher bis zu ihrem Tod treu:

…über ihre Großmutter:

„Ich glaube, dass meine Großmutter anfangs fasziniert war von
dieser Erscheinung und von der Macht und all dem. Aber es muss eine
Art von entweder Abhängigkeit oder Liebe – manchmal verwechselt man
die beiden Dinge ja auch – da gewesen sein. Denn auch nach dem Krieg
war sie ihm weiterhin treu verbunden. Es gab danach keinen Mann, der
diese Lücke ersetzt hätte. Sie blieb ihm bis zu ihrem letzten Tag
treu, im Kopf. Also das Bild von ihm hing weiter in ihrem
Schlafzimmer.“

ERNA DE VRIES

(90 Jahre) folgte ihrer Mutter ins KZ Auschwitz-Birkenau. Ihre
Mutter starb im Konzentrationslager, Erna überlebte.

…über ihre Erlebnisse im Todestrakt:

„Auf einmal ging das Tor auf und es wurde getrieben. Und ich
konnte nicht mehr, ich hatte keine Kraft mehr. Ich konnte gar nicht
mehr richtig denken. Ich habe mich einfach auf die Erde fallen
lassen. Ich habe gebetet. Ich habe gesagt: –Wie du willst. Ich möchte
leben, aber wie du willst.– Und ich hatte einen Wunsch – ich wollte
noch einmal die Sonne sehen, bevor ich ins Gas gehen musste.“

…über die Befreiung durch die Alliierten: „Wir sahen einen Jeep,
einen amerikanischen kleinen Jeep mit Soldaten, die uns zuwinkten und
vorbeifuhren. Da standen wir auf der Straße und waren frei.“

MARIANNE CLEMENS

(101 Jahre) wuchs als Tochter einer Künstlerin privilegiert in
Hamburg auf. Ihre Familie und sie selbst lehnten den
Nationalsozialismus ab.

…über die Last, nicht helfen zu können: „Also das war eine
schwere Gewissenslast, dass man manches nicht tat aus Angst, dass man
selbst umkommen würde und dann die Kinder mutterlos in der Welt
stünden. Ich glaube, wenn ich keine Kinder gehabt hätte, hätte ich
manches getan, was man nicht sollte oder nicht durfte.“

ANNETTE SCHÜCKING-HOMEYER

(94 Jahre) war Helferin des Deutschen Roten Kreuzes während des
Krieges. Dort erfuhr sie die Wahrheit über die Konzentrationslager –
ihre Familie versuchte, jüdische Bekannte zu warnen und vor der
Deportation zu bewahren.

…über das Vermächtnis des Krieges:

„Wir müssen wissen, was geschehen ist. Das müssen wir wissen, denn
das ist unsere Vergangenheit.“

Die kompletten Interviews zeigt VOX in der großen
Samstags-Dokumentation „Unsere Mütter, unsere Großmütter im 2.
Weltkrieg“ am 30. August um 20:15 Uhr.

Weitere Informationen zur Dokumentation finden Sie auch unter:
http://kommunikation.vox.de

Pressekontakt:
VOX Presse und Kommunikation, Bita Baschi, Tel.: 0221/456-81507
Bei Fotowünschen: VOX Bildredaktion, Lotte Lilholt, Tel.:
0221/456-81512

veröffentlicht von am 23. Jul 2014. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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