Westfalen-Blatt: Das WESTFALEN-BLATT (Bielefeld) zum Medienkonsum bei Kindern





Es ist wie immer und überall im Leben: Auf das
richtige Maß kommt es an. Wo das aber beim Medienkonsum von Kindern
und Jugendlichen liegt, darüber scheiden sich die Geister. Es ist nun
einmal nicht von der Hand zu weisen, dass der Nachwuchs seit einigen
Jahren in einer von Smartphones, Tablets und Notebooks geprägten
Welt heranwächst. Geräte dieser Art sind in so gut wie jedem
Haushalt vorhanden, werden entsprechend genutzt. Selbst für
Kleinstkinder ist die Wischbewegung auf einem Mobiltelefon oder
einem Tablet schon so selbstverständlich, dass sie das auch am
Fernsehbildschirm versuchen. Zwar werden solche Situationen noch als
witzig abgetan und belächelt, doch sie zeigen, wie sehr das Verhalten
der Erwachsenen auf die Kinder abfärbt, wie schnell die Kleinen
lernen. Noch deutlicher wird das, wenn die Kleinen ein mobiles Gerät
in die eigenen Finger bekommen. Blitzschnell haben sie die Technik
gelernt und sind im Netz. Erzieherinnen in Kindergärten und Pädagogen
in Grundschulen kennen das ebenso wie viele Kinderärzte. Letztere
sind überzeugt davon, dass die Heranwachsenden physische und
psychische Schäden davontragen, wenn sie zu früh mit diesen
Techniken hantieren. War es vor Jahren »nur« der Fernseher im
Kinderzimmer, sind inzwischen längst PC und mobile Geräte
dazugekommen. Und die laufen oft bis spät in die Nacht.
Schlafmangel, Konzentrationsschwächen und Lernprobleme in der Schule
sind oft die Folge. Eltern stehen dem häufig hilf- und ratlos
gegenüber. Verbote und Strafandrohungen helfen meist wenig.
Entscheidend ist deshalb, so früh wie möglich einen kompetenten
Umgang mit den in der Zukunft für Ausbildung und Beruf immer
wichtiger werdenden Medien zu lehren und zu lernen.
Medienerziehung kann helfen, einer Medienverwahrlosung
entgegenzuwirken. Von der spricht Christian Pfeiffer, Vorstand des
Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen und ehemaliger
niedersächsischer Justizminister, bei mindestens 20 Prozent der
männlichen Zwölf- bis 17-Jährigen. Als größte Gefahren beim Surfen
im Internet gelten Cybermobbing, nicht altersgerechte Inhalte und
Kontakte zu Unbekannten. Außer Lesen, Schreiben und Rechnen muss
deshalb schon in der Grundschule Medienerziehung ein wichtiger
Bestandteil des Lehrplans sein. Nur wer in der Lage ist, Medien
bewusst zu nutzen, wird nicht zum Opfer derselben. Das gilt übrigens
auch für die Eltern. Auch sie müssen eine entsprechende
Kommunikationskultur vorleben. Da, wo das Smartphone oder das Tablet
beim gemeinsamen Essen auf dem Tisch liegt und auch noch genutzt
wird, da wird es schwer, dem Nachwuchs einen anderen Umgang mit den
mobilen Geräten zu vermitteln.

Pressekontakt:
Westfalen-Blatt
Chef vom Dienst Nachrichten
Andreas Kolesch
Telefon: 0521 – 585261

veröffentlicht von am 31. Jul 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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