Weser-Kurier:über die Elbphilharmonie schreibt Iris Hetscher:





Ja, es ist viel Geld, sehr viel sogar: 789
Millionen Euro wird die Elbphilharmonie gekostet haben, wenn sie am
31. Oktober 2016 eröffnet. Das ist der Termin, der nach diversen
Verzögerungen frohgemut von Hamburgs parteiloser Kultursenatorin
Barbara Kisseler genannt wird. Sechs Jahre später als geplant geht
das Konzerthaus dann an den Start, es wird 712 Millionen Euro teurer
geworden sein als ursprünglich veranschlagt. Das ist eine märchenhaft
hohe Summe, für die der Senat abgrundtiefe Löcher in allen
Problembereichen hätte stopfen können: Schulen, Straßen, soziale
Brennpunkte… die Liste ist, wie in jeder deutschen Stadt, beliebig
fortsetzbar. Selbstverständlich hätten diese Investitionen eine
sinnvolle alternative Verwendung des Geldes bedeutet, auch die
Hamburger Kulturszene hätte sich über den ein oder anderen Euro mehr
gefreut. Bedenken sollten die Mahner allerdings eines: Die
Elbphilharmonie ist ein architektonisch beeindruckendes Gebäude, und
sie wird wahrscheinlich ein grandioses Konzerthaus. Hamburgs neue
Perle. Schon in unfertigem Zustand lockt sie jede Menge Schaulustige
an. So wie der Dom in Köln, die Sixtinische Kapelle und der Petersdom
in Rom, Schloss Neuschwanstein, aber auch viele moderne Museumsbauten
im In- und Ausland. In früheren Zeiten sorgten Kirche und Monarchen
dafür, dass prachtvolle Bauten, Kunst, Theater, Literatur und Musik
entstanden. Sie prunkten, sie griffen tief in die Tasche – ohne sich
um ihre Untertanen zu scheren. Heute hat sich der demokratische Staat
soziale Gerechtigkeit auf die Fahnen geschrieben, doch auch der
moderne Mensch lebt nicht nur von trocken Brot allein. Auch er will
sich Denkmäler setzen, Bauten, die die Zeiten überdauern. Das
rechtfertigt die haarsträubende Schlamperei bei Kalkuation und Bau
der Elbphilharmonie genauso wenig wie bei Berlins neuem Flughafen –
hier muss in Zukunft schlicht professioneller gearbeitet werden.
Solche Renommierbauten deshalb ganz in Frage zu stellen, ist aber
falsch. Denn die Skandale werden schnell vergessen sein, wenn die
ersten Konzerte gespielt sind und der erste Flieger abgehoben hat.

Pressekontakt:
Weser-Kurier
Produzierender Chefredakteur
Telefon: +49(0)421 3671 3200
chefredaktion@Weser-Kurier.de

veröffentlicht von am 26. Jun 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

Rückmeldung hinterlassen

Archiv

Bilder Galerie

Anmelden | Copyright by LayerMedia

Blogverzeichnis - Blog Verzeichnis bloggerei.de Blog Top Liste - by TopBlogs.de Blogverzeichnis blogoscoop