WDR deckt auf: Sicherheitslücke in Frachtkette am Düsseldorfer Flughafen / Versuch zeigt: Paket gelangt unkontrolliert in Passagierflieger





WDR-Reporter des investigativen Formats „Aufgedeckt“
sind am Düsseldorfer Flughafen auf eine gravierende Sicherheitslücke
gestoßen. So ist es möglich, über den Personaleingang unkontrolliert
Gegenstände wie etwa Pakete jedweden Inhalts in die Frachthalle
einzubringen. Anschließend können diese, so die Recherchen, unbemerkt
zur offiziellen Fracht für die Passagiermaschinen gestellt werden,
ohne dass eine weitere Sicherheitskontrolle stattfindet. Der
Personaleingang wird nicht von Sicherheitskräften bewacht; der Zugang
erfolgt durch ein Drehkreuz unter Verwendung einer Chipkarte, die
beispielsweise infolge von Verlust oder Diebstahl auch in die Hände
Dritter gelangen kann. Das WDR Fernsehen berichtet darüber heute
Abend ab 20.15 Uhr in seiner Dokumentation „Aufgedeckt –
Sicherheitsrisiko Flughafen Düsseldorf“.

Der Film zeigt unter anderem Aufnahmen von mehreren Versuchen, in
denen es gelang, über den Mitarbeiterparkplatz Gegenstände wie Pakete
und Kartons ohne jedwede Kontrolle in die Frachthalle zu bringen. Die
Herkunft der Aufnahmen behandelt die Redaktion aus Gründen des
Quellenschutzes vertraulich. Auch in der Frachthalle erfolgte keine
Sicherheitsprüfung der Gegenstände. In einem Fall zeigen die
Aufnahmen, wie der Karton in einen Container zu der normalen, bereits
geprüften Fracht gestellt und anschließend in ein Passagierflugzeug
verbracht wird. Um den Flugverkehr nicht zu gefährden, war der Inhalt
des Kartons unbedenklich. Die Filmaufnahmen, die den Weg des
Containers aus der Frachthalle bis ins Flugzeug hinein dokumentieren,
zeigen jedoch keine Kontrolle, bei der ein illegal eingebrachtes
Frachtstück mit beispielsweise explosivem Inhalt noch hätte auffallen
können.

Aus Sicht von Rolf Tophoven, Direktor des Instituts für
Krisenprävention in Essen, sind gerade internationale Flughäfen
derzeit im Visier von Terroristen. „Man gewinnt eine riesige mediale
Aufmerksamkeit, wenn man im Passagier- oder auch im Frachtbereich
eines Flugzeugs eine Bombe zündet“, so der Terrorismusexperte
gegenüber dem Westdeutschen Rundfunk.

Bereits vor einer Woche hatte der WDR den Flughafenbetreiber auf
die Schwachstelle in der Frachthalle aufmerksam gemacht. In seiner
Stellungnahme erklärte jener jedoch, der Zugangsbereich zur
Frachthalle sei nicht sicherheitssensibel. Daher würden auch
mitgeführte Gegenstände nicht kontrolliert. Diese Sichtweise teilt
offenbar auch das Luftfahrtbundesamt. Die Aufsichtsbehörde sieht in
dem nicht durch Sicherheitskräfte geschützten Zugang zur Cargohalle
kein Problem. In einer Stellungnahme gegenüber dem WDR ist von einem
„gewöhnlichen Betriebsgelände“ die Rede. Weiter heißt es: „Es handelt
sich nicht um einen Sicherheitsbereich eines Flughafens.“ Der WDR hat
in der vergangenen Woche mehrfach den Flughafenbetreiber darauf
hingewiesen, dass das Sicherheitskonzept offenbar nicht vorsieht,
dass auch hochgefährliche Gegenstände über den Personaleingang in die
Frachthalle eingeschleust und dort weiter über die normale
Frachtkette in den offiziellen Sicherheitsbereich gelangen können.
Auf entsprechende Fragen und Hinweise antwortete die Pressestelle des
Düsseldorfer Flughafens ausweichend oder gar nicht.

Im Zuge ihrer Recherchen stießen die WDR-Reporter außerdem auf ein
nicht eingezäuntes Gelände der Firma „LSG Sky Chefs“, die die
Bordverpflegung für Teile der Flüge ab Düsseldorf übernimmt. Die
Lastwagen parkten mit geöffneter Ladefläche an einer frei
zugänglichen Laderampe. Das Unternehmen ist verpflichtet, eigene
Sicherheitsmaßnahmen zu treffen, da der Laderaum der Lastwagen an der
Zufahrt zum Flughafen-Vorfeld nicht mehr kontrolliert wird.

Gegenüber dem WDR erklärte „LSG Sky Chefs“, man halte sich an die
Vorschriften. Für die Überprüfung dieser Sicherheitsmaßnahmen ist
ebenfalls das Luftfahrtbundesamt zuständig. Die Behörde erklärte auf
Anfrage, eine Umzäunung des Betriebsgeländes sei nicht zwingend
notwendig, wenn das Catering-Unternehmen andere Sicherungsmaßnahmen
ergreife wie etwa Videoüberwachung, Bewachung oder Absuchen der
Ladefläche.

Tatsächlich hatten sich die WDR-Reporter rund fünf Minuten an den
Lastwagen an der Lieferrampe des Gebäudes frei bewegen können, ohne
aufzufallen. Erst danach wurden sie von einem Mitarbeiter aus dem
Catering angesprochen. Der unabhängige Luftsicherheitsexperte
Christian Buchenthal, der weltweit Großunternehmen aus der
Logistikbranche berät, erklärte gegenüber dem WDR, diese Praxis müsse
sofort gestoppt werden.

Einen Trailer (01:16) finden Sie unter
http://youtu.be/ulLPRv_AN4c. Diesen können Sie gerne auf Ihren
Webseiten verlinken bzw. embedden. Der Film steht ab 20.15 Uhr in der
WDR-Mediathek zum Abruf bereit: http://www1.wdr.de/mediathek/video/.

Pressekontakt:
Kristina Bausch
WDR Presse und Information
Telefon 0221 220 7100
kristina.bausch@wdr.de

veröffentlicht von am 29. Jun 2015. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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