WAZ: Neue Zigaretten, alte Fragen – Kommentar von Matthias Korfmann





Immer weniger Deutsche greifen zur Zigarette. Pfeife
und Zigarre sind fast so museumsreif wie Kautabak. Der Raucher ist
nicht mehr gern gesehen, er fühlt sich geächtet. Wenn er Glück hat,
darf er noch daheim qualmen – tolerante Vermieter und Partner
vorausgesetzt. Es ist so, als habe man dem Land eine flächendeckende
Rauchabzugshaube übergestülpt.

Und mitten in diesem erfreulichen Trend zum Verzicht schlagen
Handel und Raucher zurück: mit den raffiniertesten Rauchutensilien
aller Zeiten. Mit Zigaretten, die gar keine sind. Mit
„Wasserpfeifen“, die nach Melone schmecken. Mit E-Shishas, die schon
auf zehnjährige Käufer zielen. Und wenn erst der E-Joint kommt…

Wie hilflos erscheint die Politik angesichts dieser
Innovationsfreude! Sie kommt stets einige Züge zu spät. Minister und
Ärzte warnen vorsorglich, aber im Grunde wissen selbst sie nicht
genau, wovor. Sind diese Produkte etwa so gefährlich wie Tabak? Oder
noch gefährlicher? Oder sind sie eher harmlos? Die Fragen sind da,
die Antworten gibt es vielleicht erst in 20 Jahren.

Kinder dürfen kein Teil dieses riskanten Experiments sein. Da ist
der Gesetzgeber gefragt. Bei Erwachsenen ist das Urteil schwieriger.
Mancher ist froh über die elektrische Alternative. Denn über den
Tabak weiß inzwischen jeder zweifelsfrei, dass er tödlich wirken
kann.

Pressekontakt:
Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 – 804 6519
zentralredaktion@waz.de

veröffentlicht von am 23. Jun 2014. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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