Vertrauen schaffen, Kompetenz bewahren, Neues wagen (FOTO)





Beim scoopcamp 2017 wurde der Blick nach vorne gerichtet und über
die Chancen neuer Formate und digitaler Innovationen in der
Glaubwürdigkeitskrise gesprochen.

Immer mehr Diversität bei der Contentgestaltung und -distribution,
eine stetig steigende Anzahl von News-Urhebern und Phänomene wie
Bot-Manipulation stellen modernen Journalismus vor immer neue
Herausforderungen. Über 250 Medienmacher, Redakteure und IT-Experten
waren gestern im Hamburger Theater Kehrwieder zusammengekommen, um
gemeinsam in Vorträgen, Talkrunden und Workshops über die aktuellen
Herausforderungen und die nächsten Innovationen der Medienlandschaft
zu diskutieren. Keynote-Speaker waren die Vordenker Vasily Gatov
(University of Southern California), Orit Kopel (WikiTribune) und
Jigar Mehta (Fusion Media), der für seine Leistungen in der
Video-Formatentwicklung mit den scoop Award ausgezeichnet wurde.
Zusätzlich war Osagie Alonge, Managing Director bei Pulse Nigeria,
via Skype zugeschaltet, um vom Aufbau eines digitalen Verlags in
Afrika zu berichten.

In Zeiten von Fake News und alternativen Fakten ging es beim
scoopcamp 2017 insbesondere um die Frage, wie digitales Storytelling
und neue journalistische Formate dabei helfen können, das Vertrauen
von Lesern und Zuschauern zurückzugewinnen. Vasily Gatov,
Medienforscher aus den USA, sprach über die Ursachen für die rasante
Verbreitung von Fake News. Seine These: Menschen sind anfällig für
Lügen, da sie ständig nach Problemen suchen und so leichter geneigt
sind, Falschmeldungen als wahr zu akzeptieren. Soziale Netzwerke und
Smartphones seien dafür, laut Gatov, ein perfekter Katalysator.

scoopcamp-Sprecherin Orit Kopel will – gemeinsam mit
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales – das Gegenmittel bieten: WikiTribune.
Ganz im Wikipedia-Stil bietet die Nachrichtenplattform, die in diesem
Oktober an den Start gehen soll, durch die Offenlegung von
Interview-Transkripten und Quellenmaterial, Lesern die Möglichkeit,
Fakten selbst zu überprüfen und die Artikel entsprechend zu
editieren. Anders als beim gescheiterten Projekt WikiNews sind bei
WikiTribune hauptberufliche Journalisten involviert und sorgen so für
die nötige Qualität der Beiträge.

Wer qualitativ hochwertigen Content produzierten will, wer neue
Formate entwickeln und Innovationen auf den Markt bringen will, muss
auf dem Weg dahin auch mal Fehler machen dürfen. Diesen Standpunkt
vertrat scoop Award-Gewinner Jigar Mehta in seiner Keynote. Der
Format-Entwickler und Digitalstratege fordert von seinen
Mitarbeitern, sich auszuprobieren und vor allem auch zu scheitern.
Identifizieren, was dem Nutzer gefällt und ihm dann personalisiert
ein abwechslungsreiches Angebot an Informationen attraktiv
aufbereiten und die Betroffenen selbst zu Wort kommen lassen – das
ist das Erfolgsrezept von Fusion Media. „Jigar Mehta hat wiederholt
seine Passion für Medien, seine hohe Kompetenz für digitale
Technologie und seinen Unternehmergeist unter Beweis gestellt. Darum
zeichnen wir ihn mit dem scoop Award aus“, sagte Meinolf Ellers,
Chief Digital Officer der dpa Deutschen Presse-Agentur GmbH in seiner
Laudatio.

Der aus Nigeria via Skype zugeschaltete Osagie Alonge (Managing
Director, Pulse Nigeria) appellierte an die Medienschaffenden beim
scoopcamp 2017, wieder näher an die Leser zu rücken, ihnen zuzuhören
und ihre Geschichten zu erzählen. Im Live-Interview mit Moderatorin
Eva Schulz berichtete er über den Aufbau eines Medienunternehmens in
Afrika. Die digitale Transformation sei in Nigeria deutlich zügiger
verlaufen als in Deutschland. Der Grund hierfür ist relativ simpel:
Print-Medien sind hierzulande tief verankert und haben eine lange
Tradition, in Nigeria ließ sich diese Evolutionsstufe einfach
überspringen.

In der Abschluss-Diskussion mit Dr. Kai Gniffke (Erster
Chefredakteur ARD-aktuell), Peter Kropsch (Vorsitzender der
Geschäftsführung der Deutschen Presse-Agentur dpa), Niddal
Salah-Eldin (Head of Social Media WELT) und Daniel Bröckerhoff
(Moderator ZDF heute plus) ging es abschließend wieder um die Themen
Glaubwürdig, Fake News und Hatespeech. „Wir müssen aufhören einer
alten Zeit hinterherzujammern und weitermachen“, appellierte Niddal
Salah-Eldin an die Journalisten, sich von der Krise nicht
vereinnahmen zu lassen. Markenbindung und Loyalität seien für Medien
die Zukunft, nicht „der schnelle Klick“. Mit einem „Radar Officer“
und einen „Verification Officer“ reagierte die dpa auch personell auf
das Thema Fake News, wie Peter Kropsch im Rahmen der Diskussion
erklärte: „Die Menge der zweifelhaften Informationen zwingt uns, die
Strukturen für Verifikation zu schaffen.“ Dr. Kai Gniffke fügte
hinzu, dass gerade in der Glaubwürdigkeitskrise dieser Zeit auch eine
Chance für seriöse und vertrauenswürdige Medienmarken liege.

Spannende Einblicke vom scoopcamp 2017 gibt es in unserem Buzz
Rank (https://monitor.buzzrank.de/infographic/scoopcamp17) sowie auf
YouTube https://www.youtube.com/watch?v=mYF5HLG2wRY&t=4s. Fotos von
der Veranstaltung finden sich hier zum Download: Lo-res
(http://dl.faktor3server.de/online/nextmedia/scoopcamp
2017_lores_Fotocredit_Laura Mueller.zip) und Hi-res
(http://dl.faktor3server.de/online/nextmedia/scoopcamp
2017_hires_Fotocredit_Laura Mueller.zip).

Wir freuen uns auf das scoopcamp im nächsten Jahr: Am 27.
September 2018, in Hamburg. Sichern Sie sich jetzt schon die frühen
Crazy-Bird- Tickets!

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veröffentlicht von am 29. Sep 2017. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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