–ttt – titel thesen temperamente– (MDR) am Sonntag, 28. Juni 2015, um 23:05 Uhr





Geplante Themen:

„Absturz des Himmels“ – 150 Jahre Erstbesteigung Matterhorn
Er ist der tödlichste Berg der Welt und zugleich der beliebteste. Seine Silhouette ziert Briefmarken, Schokoladen- und Biersorten sowie die Murmeltierfettcreme. Zudem ist das Matterhorn, der Berg der Berge, das Wahrzeichen der Schweiz, die am 14. Juli den 150. Jahrestag der Erstbesteigung wie ein welthistorisches Ereignis feiert. An diesem Datum stand der junge Engländer Edward Whymper zusammen mit seiner Seilschaft erstmals auf dem Gipfel – knapp vor dem Italiener Jean-Antoine Carell, der den Berg im Auftrag der italienischen Regierung bezwingen sollte. England gegen Italien, das Wettrennen am Matterhorn war der Beginn des alpinen Nationalismus, glaubt Rekordbergsteiger Reinhold Messner, der jetzt pünktlich zum Jahrestag einen Tatsachenroman über die Erstbesteigung geschrieben hat: „Absturz des Himmels“. Für Messner ist der 14. Juli 1865 der Tag, an dem das Bergsteigen seine Unschuld verliert. Kurz nach dem Gipfelerfolg stürzen vier Bergsteiger aus Whympers Gefolge in den Tod. Der Triumph wird zur Tragödie, ganz Europa debattiert über das Unglück. Die Presse kritisiert den noch jungen Sport als selbstmörderischen Humbug. Die britische Queen Victoria erwägt sogar ein Verbot des Bergsteigens für ihre Landsleute – und erzeugt damit einen riesigen Hype, der bis heute andauert. Zehntausende Abenteurer kommen nun erst recht nach Zermatt. Der alpine Tourismus explodiert. Und 550 Menschen, soviel wie nirgends sonst, lassen an diesem Berg ihr Leben. Im Jubiläumsjahr sind zwei neue Todesfälle dazu gekommen.
Autor: Rayk Wieland

George R.R. Martin – Kultautor und Herr des „Game of Thrones“
Um seine außer Rand und Band geratene Schulklasse zur Räson zu bringen, kommt ein Lehrer aus Belgien auf eine ungewöhnliche Idee. Wer denn von seinen Schülern regelmäßig die Fernsehserie „Game of Thrones“ schaue, fragt er in die Runde. Fast alle heben die Hand. Dann folgt eine Drohung: Er habe bereits alle Bücher gelesen und wenn nicht augenblicklich Ruhe einkehre, würde er nach und nach die Figuren der Serie an die Tafel schreiben, die in der nächsten Staffel das Zeitliche segnen. Das Ergebnis: Totenstille.

Ob sich dieser Vorfall vor etwa einem Jahr tatsächlich so zugetragen hat, ist nicht belegt. Doch er erzählt von den Ausmaßen eines Phänomens: „Das Lied von Eis und Feuer“. Ein gigantisches Fantasy-Epos. Gierig verschlungen von Millionen Menschen auf der ganzen Welt. Eine der erfolgreichsten Buchserien der Gegenwart. Und seit 2011 Vorlage für die wohl populärste Fernsehserie unser Zeit: „Game of Thrones“.
Der geistige Schöpfer all dieser Superlative heißt George R. R. Martin. Ein Schriftsteller aus New Jersey und mittlerweile ein Superstar. Er erzählt die Geschichte von den sieben Königreichen, seiner Bewohner und ihrem unerbittlichen Kampf um den „Iron Throne“, den eisernen Thron. Ein Symbol für die ultimative Macht. Macht über den fiktiven Kontinent Westeros, eine Mittelalterwelt, ganz ähnlich unserer europäischen, nur, dass es Drachen gibt, Zauberei und allerlei übermenschliche Gefahren. Im Kern ist die Geschichte doch nur allzu menschlich: Intrigen, Mord und Krieg bestimmen das Leben in Westeros und den Kampf um die Herrschaft.

Serie und Bücher haben mittlerweile eine gigantische Fangemeinde: 60 Millionen Mal sollen sich die bisher fünf (in der deutschen Fassung zehn) Bände des Epos „Das Lied von Eis und Feuer“ verkauft haben. Im Schnitt 18 Millionen Zuschauer verzeichnete der amerikanische Bezahlsender HBO, in dessen Auftrag „Game of Thrones“ seit 2011 produziert wird. Über keine andere Fernsehserie wird so heiß diskutiert und so wild spekuliert. Im Netz gibt es Talkshows, unzählige Foren und sogar Videos, in denen sich Zuschauer selbst dabei filmen, wie sie die unerwarteten Wendungen ihrer Lieblingsserie erleben.

Am vergangenen Wochenende war Autor George R. R. Martin in Hamburg, um vor 3000 ungeduldigen Fans exklusiv aus dem bisher unveröffentlichten neuen Band der Saga zu lesen.

„ttt“ hat den Schriftsteller vorab getroffen und mit ihm gesprochen, über die Welt von Westeros, die Bedeutung von Macht und darüber, warum das Spiel der Throne so viele Menschen in seinen Bann zieht.
Autor: Marcus Fitsch

Was passiert in russischen „Troll-Fabriken“?
Nur ein kleines Schild mit dem Wort „Business-Center“ ist an dem Bürogebäude am Stadtrand von St. Petersburg angebracht, ein Wachmann verhindert unerlaubten Zutritt. In diesem Gebäude arbeiten – so ist es überall in Russland und im Ausland zu lesen – Trolle. Keine Fabelwesen, sondern junge Leute, meist Studenten, die gegen eine sehr gute Bezahlung von 50.000 Rubeln (etwa 800 ?) im Monat Texte ins Internet stellen. Aber diese Texte sind mittlerweile zu einem Skandal in der russischen Öffentlichkeit geworden. Eine Firma namens „Internet-Forschungen“ lässt das Internet mit Kommentaren fluten, die die Politik der russischen Regierung ins rechte Licht zu rücken versuchen, Kritiker angreifen und auch vor persönlichen Beleidigungen nicht zurückschrecken. Organisierte und bezahlte Propaganda – so jedenfalls sieht es Ljudmila Sawtschuk aus St. Petersburg. Sie hat für einige Zeit diesen Job gemacht. Von Anfang an – so betont die junge Journalistin – hatte sie dabei nur
ein Ziel: Die Existenz dieser „Troll-Fabrik“ ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Jene, von der der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, behauptet, es gäbe sie nicht. Jetzt geht die Aktivistin – die unter fadenscheinigen Gründen gekündigt wurde – gegen ihren einstigen Arbeitgeber juristisch vor. Sie klagt auf Wiedereinstellung und sie will wissen, ob die Gehälter, die bar auf die Hand gezahlt wurden, versteuert wurden. Wenn die beklagte Seite vor Gericht erscheint, so wäre die Existenz dieser „Troll-Fabrik“ juristisch bewiesen.

„ttt“ hat Ljudmila Sawtschuk in St. Petersburg getroffen und sie nach ihrer Arbeit in der „Troll-Fabrik“ gefragt und war am Tag des Gerichtsverfahrens vor Ort.

„ttt“ hat in Moskau bei der russischen Internet-Plattform snob.ru nachgefragt, wie die dortigen Journalisten, die versuchen, unabhängig über das Leben in Russland zu berichten, solche Angriffe aus „Troll-Fabriken“ einschätzen.

Autor: Artjom Dubowizki

Gefeiert und geheimnisumwittert – der Künstler Tino Sehgal
Von seinen Kunstwerken gibt es keine Abbildungen, keine Filme, keinen Katalog. Was er herstellt, verschwindet rückstandslos. Wenn er eines seiner Kunstwerke verkauft, gibt es keinen Vertrag – zum Vertragsabschluss erscheinen nur ein paar Freunde und Anwälte, der Künstler und der Käufer. Der Künstler bekommt sein Geld und der Käufer: hält anschließend buchstäblich nichts in den Händen. Trotzdem wird Tino Sehgal, der im Guggenheim, in der Tate und nun im Martin- Gropius-Bau „ausstellt“, oft als einer der bedeutendsten Künstler der Gegenwart bezeichnet. Haben wir es hier wirklich mit Genialität zu tun oder gehen wir dem Hype des Schneiders aus „Des Kaisers neue Kleider“ auf dem Leim? Tatsächlich gibt es Beschreibungen seiner Werke, nämlich von denen, die sie „erlebt“ haben. Und die sind bedingungslos begeistert. Tino Sehgal ist eigentlich Tänzer. Seine Werke sind Inszenierungen mit Tänzern und Schauspielerin, die sich unter das Publikum mischen und mit ihm in direkten Dialog treten – das Publikum wortwörtlich ansprechen. Eine Mischung aus Theater, Tanzperformance und Aktionskunst. „Konstruierte Situationen“ nennt Sehgal seine Flashmobs im Museumsraum. Wir portraitieren den Künstler, der nun in seiner Heimat Berlin erstmalig in einer Werkschau den Martin-Gropius-Bau bespielt. Wir sind – ohne Kamera – bei den Proben dabei und sprechen anschließend – mit Kamera – mit den Tänzern. Eine Zeichnerin wird sich in die Proben begeben und uns anschließend am Zeichenbrett erzählen und zeigen, was da passiert ist.

„ttt“ spricht mit einem Käufer eines seiner Werke, mit Wulf Herzogenrath, der für die Bremer Kunsthalle ein Werk von ihm gekauft hat, über den sehr eigenwilligen Prozess dieses Kunsthandels und ein Werk, das nichts wiegt und keinen Stellplatz verstellt. „ttt“ spricht mit dem Direktor des Martin-Gropius-Baus, Gereon Sievernich und natürlich mit dem Künstler selbst.

Autor: Dennis Wagner
Moderation: Max Moor
Redaktion: Matthias Morgenthaler, Titus Richter

Pressekontakt:

Agnes Toellner
Presse und Information Das Erste
Tel: 089/5900 23876
E-Mail: agnes.toellner@DasErste.de

veröffentlicht von am 24. Jun 2015. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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