Teuflisches Saisonfinale der Ungarischen Staatsoper Budapest





In der Folge der Idee der vorhergehenden Spielzeit, ein Straus Festival zum 130. Geburtstag der Staatsoper zu begehen, zelebrierte Oper und Ballett zum Ende dieser Spielzeit den 225. Geburtstag von Faust in Erinnerung an die erste Publikation von Goethes Fragment.

Darunter befand sich Strawinskys „Rake?s Progress“, die Faszination des Bösen um das Leben von Tom Rakewell, einem Jungen aus der Provinz, der angeleitet vom teuflischen Nick Shadow in Lust und Laster aufgeht, seine Mitmenschen und am Ende sich selbst ruiniert, eine Parabel über den Verlust der Unschuld, ebenso wie Busonis „Doktor Faust“ in halbszenischer Aufführung und das Konzert „Szenen aus Goethes Faust“ von Robert Schumann.

Drei Aufführungen im Rahmen des Festivals , im wie stets vollbesetzten Opernhaus, galt das besondere Interesse. Peter Halasz, der Musikdirektor des Hauses, führte mit zielsicherer Hand durch Webers „Freischütz“, mit Istvan Racz (Kuno), Beatrix Fodor (Agathe), Rita Racz (Ännchen), Krisztian Cser (Kaspar), Zoltan Nyari (Max), Istvan Berczelly (Eremit) und Peter Kiss (Kilian) stimmlich gut besetzt. Der Versuch, die Handlung in die Jetztzeit zu versetzen, hätte noch einiger zusätzlicher Regiearbeit bedurft.
Boitos „Mefistofele“ entpuppte sich als das regie- und bühnentechnische Highlight, immer noch sehr aussagestark in der 2010 Fassung der Inszenierung von Balazs Kovalik und in seiner Aktualität kontrastierend zum Hauptwerk des italienischen Spätromantikers Arrigo Boito, dessen musikalisches Schaffen die Einflüsse Verdis und Wagners verbindet. Gewaltige Chöre, fein gesponnene Melodien, dazu eine Musik, die geradezu filmisch wirkt. Kovalik schuf ein orgiastisches Bühnenwerk, worauf Andras Palerdi als Mefistofele, Attila Fekete als Faust und Gabriella Letay Kiss als Margherita/Elena mit ausdruckstarker, ungeheurer Stimmgewalt agierten. Begeisterungsschreie des Publikums, niemand konnte sich da entziehen.
Nicht minder beeindruckend kam Gounods „Faust“ in der etwas brüchig startenden Inszenierung von Michal Znaniecki daher, die sich aber dann doch entwickelte und den ewigen Kampf zwischen Religion und Satan stark herausarbeitete. Ein prima Zsolt Haja (Valentin), ein überwältigender und irre teuflisch-fantastischer Gabor Bretz (Mephistopheles) sowie eine „wahnsinns“ Andrea Rost (Margarethe) waren wohl die Höhepunkte dieses Festivals. Andreas Rost hat diese Rolle sehr gut getan. Nach dem Stimmfachwechsel war dies ihre erste Margarethe, die sie nicht nur stimmlich, sondern auch darstellerisch bravourös meisterte. Über 20.000 Besucher vermerkte das Festival in den gut zwei Spielwochen.

Eine Saison darf in Budapest nicht ohne das Staatsballett zu Ende gehen. Hier war gleich ein ganzer Tanzmonat angesagt. Auf Korridoren und Straßen präsentierte sich die Crew, die seit der Wiedereröffnung des Erkel Theaters Ende 2014 mit ihren Produktionen diese riesige Halle füllt.

Das Ungarische Nationalballett beschloss diese Spielzeit mit zwei sehr populären Choreografien: Boris Eifman?s Meisterstück „Beyond Sin“ – Die Brüder Karamasow, nach Dostojewski, eine alles umspannende Allegorie über den Zwitter Mensch, halb utopischer Entwurf, halb versklavte Kreatur, die Halt und Erlösung nur in der Suche nach Gott finden kann, zeigte, wie diese Herausforderung – besonders durch die männlichen Tänzer – kraftvoll gelöst wurde. In der Choreografie des 2012 verstorbenen Laszlo Seregi (Musik Léo Delibes) präsentierte eine anmutige und starke Truppe „Sylvia“ (Cristina Balaban), Amyntas (Dmitry Timofeev) Diana (Karina Sarkissova), Orion (Zoltán Oláh) und dem wunderbaren Boris Myasnikov als Amor. Eine Fotoausstellung von Tamas Gacs und Laszlo Emmer mit großformatigen Arbeiten rundeten Besuch des Tanzmonats beim Erkel Theater ab.

Für die kommende Spielzeit ist es zwar noch ein wenig früh, um vom Ende zu reden, aber unter Berücksichtigung eines Mamut-Programms zu Ehren 400plus Shakespeare sei dennoch jetzt schon darauf hingewiesen: Staatsoper, Erkel Theater, Palast der Künste und die Liszt Musikakademie werden in ungarischer und internationaler Besetzung, u.a. mit Bariton Bryn Terfel eine Menge anbieten: Purcell „The Fairy Queen“, Gounod „Romeo und Julia“, Seregi, Goldmark, Hidas, „The Taming oft the Shrew“, Szokolay „Hamlet“, Adés „The Tempest“, Verdi „Macbeth“ und „Othello“, Bernstein „West Side Story“ und Nicolai „Die lustigen Weiber von Windsor“, Britten „Mittsommernachtstraum“, Bellini „I Capuleti e i Montecchi“, Wolf-Ferrari „Sly“ und Reimann „Lear“, ein ugewaltiges Programm aus Konzertantem, Halbszenischem, Oper, Konzert und Ballett lassen Budapest zu einem Festival Frühsommer der Superlative und einem Budapest-Muss für Kulturtouristen werden.

Weitere Infos: www.opera.hu

veröffentlicht von am 16. Jun 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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