Sternekoch Wohlfahrt kritisiert den medialen Koch-Hype: Verleitung zu qualitativ fragwürdigem Spektakel-Kochen





Mangel an Koch-Nachwuchs wird zum Riesenproblem /
Restaurantkritiker Dollase: Spitzenküche braucht eine Prise Wahnsinn

Hamburg, 30. Juli 2015 – Sternekoch Harald Wohlfahrt, der bewusst
auf Auftritte in TV-Kochshows verzichtet, kritisiert den medialen
Koch-Hype: „Eine zweischneidige Sache. Sie sorgt für mehr
Aufmerksamkeit, verleitet aber auch zu qualitativ fragwürdigen
Spektakel-Kochen. Es ist fatal, wenn das Berufsbild veralbert und
verzerrt wird“, sagte Harald Wohlfahrt, seit 23 Jahren mit drei
Sternen ausgezeichnet und womöglich der beste Koch des Landes im
Interview mit dem Vielfliegermagazin „Lufthansa Exclusive“
(August-Ausgabe). Denn um eine feine Bouillon zu kochen, brauche er
zwei Tage. „Das kann ich im Fernsehen in einer Stunde nicht zeigen,
das ist absurd.“ Seine persönlichen Ziele definiert Wohlfahrt so:
„Ich will die Kochkunst weiterentwickeln und dass die Produkte anders
hergestellt werden. Dass auf den Äckern sorgsamer mit den Pflanzen
umgegangen wird. Ich will meine Gäste begeistern.“

Als Künstler sieht sich der Drei-Sterne-Koch nicht: „Aber wir
können sagen, wir haben immer für das Gute gearbeitet – und wir sind
nicht gescheitert. Wir haben viele junge Köche ausgebildet, die
dieses Bewusstsein und diesen Anspruch streuen und weitertragen.“ Bei
Köchen fehle aber der Nachwuchs: „2008 wurden noch 17.000 Köche
ausgebildet, jetzt sind wir bei 9.000. Da kommt ein Riesenproblem auf
uns zu.“

Dollase: Zur Spitzenküche gehört auch immer eine Prise Wahnsinn

Jürgen Dollase, der wohl schärfste Restaurantkritiker Deutschlands
(FAZ), erklärte im „Lufthansa Exclusice“-Interview, wie er sich den
idealen Feinschmecker vorstellt: „Er setzt sich froh und neugierig
hin und ist weit entfernt von jeder Mäkelei. Er isst auch Sachen, die
er noch nicht kennt.“ Spitzenküche sei definitiv nichts Alltägliches:
„Wir reden von den großen Momenten, von großen Erlebnissen, die man
mit dem Essen haben kann. Anfangs bin ich nur alle paar Monate in
solche Restaurants gegangen. Aber das trug man, man redete darüber,
erinnerte sich.“ Dollase plädiert für neue Wege, um die Spitzenküche
attraktiver zu machen: „Das wären kleine Restaurants mit nur einem
Tisch, das reine Chef–s-Table-Prinzip. Niemand wüsste vorher, was es
gibt, es käme auch immer ein improvisatorisches Element dazu, eine
cuisine du marché, wo der Koch für sein Talent einsteht, für seinen
ganz speziellen Geschmack.“ Zur Spitzenküche gehört laut Dollase auch
eine Prise Wahnsinn: „Immer wenn es richtig gut wird, steigt auch die
Zahl der Wahnsinnigen. Spitzenleistungen kommen selten von Leuten,
die immer auf die Stechuhr starren, wenn ihre Schicht beendet ist.“

Pressekontakt:
Joachim Haack, PR/Kommunikation „Wirtschaft“ und Corporate Editors
c/o PubliKom, Tel +49 (0) 40 / 39 92 72-0, E-Mail:
jhaack@publikom.com,
www.corporate-editors.com

veröffentlicht von am 30. Jul 2015. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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