stern: BND-Präsident Schindler ließ Spähprojekt mit den Briten lange geheim halten





Das wahre Ausmaß der Spionageunterstützung des
Bundesnachrichtendienstes (BND) für den amerikanischen Geheimdienst
NSA wurde BND-Präsident Gerhard Schindler nach eigenen Angaben lange
Zeit nicht gemeldet. Bei der Ausspäh-Operation unter dem Namen
Monkeyshoulder ist es umgekehrt. Dokumente, die der stern einsehen
konnte, zeigen: Schindler setzte sich persönlich dafür ein, das
gemeinsame Überwachungsprojekt mit dem britischen Geheimdienst GCHQ
dem Kanzleramt vorzuenthalten. „Der Präsident eröffnete mit der
Bitte, die geplante Kabelzusammenarbeit nicht im Bundeskanzleramt zu
erwähnen“, heißt es in einem internen Vermerk des BND aus dem Jahr
2012.

Briten und Deutsche machten sich zwischen 2012 und 2013 daran,
gemeinsam an einem Knotenpunkt in Frankfurt Metadaten abzuschöpfen,
mithilfe britischer Technik und britischen Sachverstands. BND-Agenten
bekamen dafür Schulungen von GCHQ-Spezialisten.

Skype-Verbindungen, Absender und Empfänger von Emails und
Whatsapp-Nachrichten: Die Kooperation sah vor, solche Daten in großem
Stil abzusaugen und dann auch an die Briten weiterzugeben. Die
Deutschen wiederum sollten Datenmaterial erhalten, das auf britischem
Boden abgezapft wurde. Bei dem Ausspähprojekt gab es jedoch ein
Problem: In Deutschland darf niemand grundlos elektronisch
ausspioniert werden.

Bei dieser brisanten Zusammenarbeit mit Großbritannien agierte
Gerhard Schindler an seinem Dienstherrn, dem Kanzleramt, vorbei. „Des
eingegangenen Risikos“ sei man sich im Leitungsstab des BND
„bewusst“, heißt es weiter in den Akten, und: „Bei öffentlichem
Bekanntwerden müssen wir mit einem Aufschrei der Presse rechnen.“

Nach stern-Informationen unterrichtete der BND das Kanzleramt erst
Ende August 2012 über die Zusammenarbeit, zehn Tage bevor eine
britische Delegation die Regierungszentrale besuchen wollte. Das
Kanzleramt stoppte die umstrittene Operation daraufhin jedoch
keineswegs. Noch im Juni 2013 lief Monkeyshoulder weiter. In Berlin
übernahm der BND damals Überwachungsgerät, das die Briten per Lkw in
die Britische Botschaft geliefert hatten. Erst als der Whistleblower
Edward Snowden auch Dokumente über die Spionageaktivitäten des GCHQ
enthüllte, wurde die Operation Monkeyshoulder gestoppt.

Im NSA-Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages kam die
Geheimoperation mit den Briten bisher nicht zur Sprache.

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Veröffentlichung frei.

Diese Meldung finden Sie auch unter www.stern.de/2198108.html

Pressekontakt:
stern-Redakteur Dirk Liedtke, 040/3703 4431

veröffentlicht von am 2. Jun 2015. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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