SPD-Chef Gabriel im stern: Griechenlands Aufnahme in den Euro war „sehr naiv“





SPD-Chef Sigmar Gabriel hat erstmals eingeräumt,
dass es ein Fehler war, Griechenland der Euro-Zone beitreten zu
lassen. „Die Aufnahme Griechenlands in den Euro ist aus heutiger
Sicht sehr naiv erfolgt“, sagte Gabriel in einem Interview mit dem
Hamburger Magazin stern. „Schlimmer ist aber, dass alle viel zu lange
zugeschaut haben“, wie das Land immer tiefer in die Krise geriet,
fügte der Vize-Kanzler hinzu. Die Aufnahme Griechenlands in den
Währungsverbund hatte maßgeblich die damalige rot-grüne
Bundesregierung unter Gerhard Schröder vorangetrieben.

Die Lehre aus dem Niedergang Griechenlands formulierte Gabriel
gegenüber dem stern so: „Nie wieder wegschauen, wenn sich ein Land
nicht an die Spielregeln in Europa hält.“ Das gelte nicht nur für
finanzielle Fragen. „Wir dürfen auch nicht wegschauen, wenn in Ungarn
die demokratischen Spielregeln Europas verkommen. Oder wenn in
EU-Staaten Bevölkerungsgruppen wie Sinti und Roma so schwer
diskriminiert werden, dass ihnen nur die Flucht bleibt“, sagte
Gabriel.

Der SPD-Vorsitzende machte gegenüber dem stern auch deutlich, dass
er sich bei entsprechender Reformbereitschaft der griechischen
Regierung einen Schuldennachlass für das Land vorstellen kann. „Wenn
wir jetzt einfach Schulden streichen, ohne dass sich in Griechenland
vieles grundlegend ändert, ist gar nichts gewonnen“, sagte Gabriel;
man könne über „die Möglichkeit, die Schulden zu verringern, erst
dann reden, wenn die griechische Regierung auch zeigt, dass sie
Reformen umsetzt“. Andernfalls „steigen die Schulden am Tag nach dem
Schuldenschnitt doch sofort wieder“, fügte er hinzu. Er sei aber
zuversichtlich, „am Ende werden wir einen Ausweg aus der Krise in
Griechenland finden“.

Scharfe Kritik übte der SPD-Politiker erneut am griechischen
Ministerpräsidenten Alexis Tsipras. Der habe versucht, „die gesamte
Euro-Zone auf den Kopf zu stellen“ und nicht verstanden, dass das nur
zu Lasten der Griechen gehe. „Genau das ist jetzt passiert.“
Zugleich warb Gabriel um Verständnis für die griechische Bevölkerung
und für humanitäre Hilfsprogramme angesichts der sich abzeichnenden
Not nach einer Zahlungsunfähigkeit des Landes. „Wir dürfen die
Menschen nicht verantwortlich machen für die Dummheiten ihrer
Regierung.“

Ökonomische Folgen für Deutschland fürchte er nicht, sagte Gabriel
dem stern. „Die Euro-Zone ist stark und stabil. Wir handeln nicht,
weil wir selbst Sorgen haben. Wir müssen uns Sorgen um Europa
machen.“ Griechenland sei zwar „wichtig, aber gemessen an den anderen
Problemen absorbieren diese endlosen Verhandlungen viel zu viel
Kraft“. Diese Kraft sollte Europa besser für die Ukraine oder das
Flüchtlingsdrama investieren. In dem Zusammenhang kritisierte der
Vizekanzler jene EU-Staaten scharf, die sich weigern, Flüchtlinge
aufzunehmen. „Europa ist keine Schönwetterveranstaltung, wo man das
Geld nimmt, aber sich drückt, wenn es darum geht, Verantwortung zu
übernehmen. Da gehen die Werte Europa zu Bruch. Das ist teurer als
alles andere“, so Gabriel wörtlich.

Pressekontakt:
Sabine Grüngreiff, Unternehmenskommunikation Gruner und Jahr,
gruengreiff.sabine@guj.de, Tel. 040-3703-2468

veröffentlicht von am 7. Jul 2015. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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