NOZ: Interview Medien mit Zelda La Grange, Assistentin des südafrikanischen Präsidenten Nelson Mandela





Mandelas engste Mitarbeiterin hat lange die
Schwarzen verachtet

Zelda La Grange glaubte an die Überlegenheit der Weißen – Späte
Schuldgefühle

Osnabrück.- Zelda La Grange, langjährige enge Vertraute von Nelson
Mandela (1918-2013), hat vor ihrer Zeit als Assistentin des
südafrikanischen Präsidenten die Schwarzen verachtet: „Alles, was man
in den Zeitungen gelesen oder in der Kirche gehört hat, hat man
geglaubt. Wir haben das System deshalb nicht infrage gestellt“ sagte
die 44-Jährige in einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“
(Samstag). Sie sei zu Zeiten der Apartheid in sehr privilegierten
Verhältnissen aufgewachsen: „Da gab es einfach keinen Grund, die
eigene Umwelt zu hinterfragen – oder sich auch nur dafür zu
interessieren, was in der Umgebung geschieht. Wenn man in dieser Zeit
aufgewachsen ist, hat man keine Fragen gestellt. Ich habe deshalb
auch geglaubt, dass Weiße den schwarzen Menschen überlegen sind.“ Sie
habe als Jugendliche nur eine Ausnahme gemacht, so La Grange weiter:
„Unsere Familie hatte eine schwarze Hausangestellte. Ich habe sie
sehr geliebt, aber für mich war sie anders als andere schwarze
Menschen, da sie bei uns im Haus gearbeitet hat und ich deshalb mit
ihr viel Zeit verbracht habe. Daran sieht man, wie leicht das eigene
Denken manipuliert werden kann: Ich habe diese Frau gemocht, aber
sonst keine Schwarzen.“ Ein Widerspruch sei dies für sie nicht
gewesen: „Man konnte eine schwarze Person im eigenen Haus mögen, das
war akzeptiert, aber außerhalb der eigenen vier Wände konnte man es
nicht verstehen, wenn man den Schwarzen die Hand reicht.“ Nelson
Mandela habe sie während seiner langjährigen Gefangenschaft auf
Robben Island gar nicht wahrgenommen, räumte La Grange ein: „Ich
wusste zwar, dass wir damals unsere Existenz gegen die angebliche
Gefahr durch die Schwarzen beschützten, aber über die Person Mandelas
war ich nicht informiert.“ Dieses Denken, so La Grange weiter, habe
sie erst überwunden, nachdem sie angefangen hatte, als Schreibkraft
für Mandela zu arbeiten: „Wenn man Mandela zum ersten Mal sah, konnte
man die Nettigkeit in seinem Gesicht erkennen. Seine Augen waren
voller Aufrichtigkeit, und er hatte ein sehr edelmütiges Lächeln.
Dass er sich so interessiert zeigte, hat mich wirklich umgehauen. Ich
fühlte mich schuldig und verantwortlich, weil ich erkannte, wie alt
er war. Plötzlich habe ich mich gefragt, warum wir diesen Mann ins
Gefängnis geworfen haben. Was hat er gemacht, und warum ist er so
nett zu mir? Wieso verdiene ich das? Es war eine große Schuld, die
ich fühlte.“

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

veröffentlicht von am 6. Jun 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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