Neue OZ: Kommentar zu Geschichte / Gesellschaft / Kunst





Soft wie Streichelwolle

Der Kampfpanzer zieht den Strickpulli über: Ist das ein
Friedensmanifest oder nicht viel eher ein perfektes Tarnkleid? Die
Dresdner Strickaktion ist jedenfalls an Biederkeit kaum zu
übertreffen. Kein Wunder, dass das Militärhistorische Museum sofort
mitspielt. Dieses Friedensfanal kommt so soft wie Streichelwolle
daher. Alle stricken und bedecken grauen Panzerstahl mit adrettem
Zopfmuster, harmloser geht es nicht.

Dabei ist die Geste nicht einmal neu. Demonstranten, die Blumen in
Geschützrohre von Panzern steckten, Künstler, die diese
Kampfmaschinen als Kunstobjekte aus Gummi nachbauten: Die Ironie ist
das Mittel der Wahl solch subversiven Protests. Das Dresdner „Kombi
Naht“ leistet sich hingegen peinliche Verniedlichung.

Obendrein verfehlen die Strick-Protestler den aktuellen
Problemstand. Panzer sind längst nicht mehr das aktuelle Symbol der
Bedrohung. Mehr als plumpes Kriegsgerät schrecken heute Terrorgefahr
und fanatisierte Kämpfer, die nicht mit dem Panzer, sondern mit
Motorrad oder Pritschenwagen unterwegs sind. Zudem gilt: Panzer mit
dem Kuschelfaktor, die gibt es einfach nicht.

Stefan Lüddemann

Pressekontakt:
Neue Osnabrücker Zeitung
Redaktion

Telefon: +49(0)541/310 207

veröffentlicht von am 5. Feb 2013. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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