Monitor: Kritik an Entwicklungshilfe-Krediten für Discounter Lidl





Scharfe Kritik üben Vertreter der rumänischen
Nahrungsmittelindustrie an der Vergabe von Entwicklungshilfe-Krediten
an den deutschen Discounter Lidl. Darüber berichtet das ARD-Magazin
„Monitor“(heute, 21.45 Uhr im Ersten).

Für die Eröffnung neuer Filialen in Rumänien hatte Lidl 2011 einen
Kredit über knapp 67 Millionen US-Dollar von der Weltbank-Tochter
International Finance Corporation (IFC) erhalten. Lidl sollte damit,
so die Bedingungen der Kreditvergabe, die „Anzahl lokaler Zulieferer
erhöhen“ und „neue Vertriebswege für regionale
Lebensmittelproduzenten eröffnen“.

Aus Sicht von rumänischen Nahrungsmittelverbänden ist das nicht
passiert. Im Gegenteil: Lidl habe mit seiner Preispolitik der lokalen
Wirtschaft geschadet, so Aurel Tanase vom rumänischen Verband der
Obst- und Gemüseproduzenten (OIPA Prodcom) in „Monitor“. Lidl gehe
„aggressiver“ vor als andere Einzelhandelsketten, denn „“ie zahlen
den Produzenten sehr niedrige Preisen für exzellente Produkte“, so
dass die Hersteller damit nicht mehr auf ihre Kosten kämen.

Stefan Padure vom Verband zur Förderung rumänischer Nahrungsmittel
APAR fordert, die Einkaufspolitik von Lidl müsse transparenter
werden. „Offensichtlich sind sie im Kreditvertrag dazu verpflichtet
nachzuweisen, welche Hersteller sie unterstützen. Und so könnte man
nachvollziehen, ob sie sich auch daran halten.“

Zahlreiche Landwirte und Lebensmittelproduzenten kritisierten
gegenüber dem ARD-Magazin die Geschäftspraktiken internationaler
Discounter wie Lidl, die ihnen die Geschäftsgrundlage entziehe. Viele
stehen nach Recherchen von „Monitor“ mittlerweile vor dem
finanziellen Ruin.

Gegenüber „Monitor“ erklärt Lidl: „Wir sind der Ansicht, dass wir
durch unsere internationale Geschäftsaktivität sehr wohl dazu
beitragen, lokale Strukturen in unseren Zielländern aufzubauen und
weiterzuentwickeln.“

Insgesamt hatten Lidl, Kaufland und der Mutterkonzern beider
Ketten, die Schwarz-Gruppe, zwischen 2004 und 2013 von der IFC
Entwicklungshilfe-Kredite über rund 393 Millionen US-Dollar erhalten.

Petr Hlobil von der Organisation Bankwatch sieht „keinerlei
Rechtfertigung“ dafür, dass Lidl bei seiner Expansion mit
Entwicklungshilfe-Geldern unterstützt werde. Hlobil kritisiert die
IFC: „Öffentliche Institutionen sollten dem Gemeinwohl dienen. Wenn
sie Lidl einen Kredit gewähren, dann sollte es dafür ein öffentliches
Interesse geben. Das kann ich in diesem Fall nicht erkennen.“

Die International Finance Corporation (IFC) ist eine weitgehend
unbekannte Tochter der Weltbank-Gruppe. Ihre Aufgabe ist es, private
Firmen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu fördern. Laut den
selbst gesteckten Zielen der IFC soll das den Menschen in diesen
Ländern ermöglichen, „der Armut zu entkommen und ein besseres Leben
zu führen“.

Deutschland ist Gründungsmitglied der IFC und hält gegenwärtig mit
einem Kapitalanteil von rund 5 Prozent den drittgrößten
Stimmrechtsanteil.

Pressekontakt:
WDR Presse und Information
WDR Pressedesk, Telefon 0221 220 7100
E-Mail: wdrpressedesk@wdr.de

veröffentlicht von am 13. Aug 2015. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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