Mittelbayerische Zeitung: Kommentar zur Papst-Wahl: Breites Kreuz – von Isolde Stöcker-Gietl





Wenn es stimmt, was über die „Kammer der
Tränen“ erzählt wird, dann wünscht sich keiner der 115 Kardinäle,
dass er in den kommenden Tagen diesen Ort aufsuchen muss. In dieser
Kammer wird dem neuen Papst bewusst, welche Bürde er auf sich nimmt.
Benedikt XVI. soll, als man ihm hier die weißen Kleider überzog, in
sich zusammengesunken sein. Dem neuen Papst dürfte es ähnlich
ergehen. Das Schiff Kirche durchquert Stürme. Die Kraft zum Steuern,
die dem Vorgänger am Ende fehlte, wird er aufbringen müssen. Nach dem
Missbrauchsskandal, den Affären um Vatileaks und Vatikanbank geht es
um das Fundament – um ihre Glaubwürdigkeit. Hier hilft nur noch
Transparenz. Diese muss der neue Mann an der Spitze der Kirche
einfordern – von seiner Kurie und allen, die im Dienst des Glaubens
tätig sind. Wenn es nicht gelingt, das Schweigen zu durchbrechen und
alle Missstände offenzulegen, werden sich noch viel mehr Gläubige von
der Kirche abwenden. Doch nicht nur Durchsetzungskraft wird der neue
Papst brauchen, sondern auch Dialogfähigkeit. Denn die Laien wollen
sich ihre Kirche nicht mehr vordiktieren lassen. Gespür,
Redegewandtheit und Spiritualität sind ebenfalls unerlässlich. Auch
Kampfgeist, etwa in Bezug auf die Piusbrüder, kann nicht schaden. Aus
welchem Land der Mann kommt, ist egal. Wichtig ist ein breites Kreuz,
damit er diese Aufgaben schultern kann.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

veröffentlicht von am 11. Mrz 2013. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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