Mittelbayerische Zeitung: Kommentar von Christine Straßer zu Günther Jauch





Günther Jauch hat viel richtig gemacht. Er ist
beliebt. Seine Talkshow fuhr gute Quoten ein. Seine Redaktion hatte
ein Händchen bei der Themenwahl. Und es ist auch richtig, jetzt
aufzuhören. Warum das so ist, lässt sich leicht anhand einer
Jauch-Show aus dem April dieses Jahres erklären. Das Thema: „Das
Flüchtlingsdrama! Was ist unsere Pflicht?“ Die Sendung verlief bis
kurz vor Schluss so, wie man das kennt. Heribert Prantl hatte Recht.
Roger Köppel war Roger Köppel und damit der rechtskonservative
Gegenredner. Günther Jauch schien von der Debatte überfordert und
ließ die beiden Streithähne machen. Das soll kein Vorwurf sein, denn
so läuft die Debatte in Deutschland nun mal. Kurz vor Schluss wandte
sich Jauch aber noch einem neuen Gast zu: Harald Höppner. Der hatte
sich ein Schiff gekauft und wollte einfach losfahren und helfen. Und
er hatte keine Lust zu reden. Er forderte eine Gedenkminute ein.
Tatsächlich schwiegen dann alle – und es fühlte sich richtig an. Eine
Minute lang war die moralische Pflicht greifbar. Die Zeit des Redens
ist vorbei. Jetzt wird es Zeit zu handeln.

Pressekontakt:
Mittelbayerische Zeitung
Redaktion
Telefon: +49 941 / 207 6023
nachrichten@mittelbayerische.de

veröffentlicht von am 5. Jun 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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