MDR: Auch Bundesrepublik kontrollierte „West-Pakete“ – Forscherin stößt auf jahrzehntelange Praxis von BND und MAD





Sicherheitsbehörden der Bundesrepublik haben
zwischen 1961 und 1989 massenhaft Päckchen und Pakete geöffnet, die
von Bundesbürgern in die ehemalige DDR geschickt wurden und
umgekehrt. Das geht aus der Dissertation der Magdeburger Historikerin
Konstanze Soch hervor, über die der MDR berichtet. Den Recherchen
zufolge haben der militärische Abschirmdienst (MAD) und der
Bundesnachrichtendienst (BND) jährlich mehrere tausend Päckchen und
Pakete geöffnet. „Dazu sind täglich getarnte LKWs der Behörden in die
–Aussonderungsstellen für Postsendungen aus der DDR` gefahren, die es
an vier Standorten gab: Hamburg, Hannover, Bad Hersfeld und Hof. Dort
haben die Geheimdienstmitarbeiter die Postsendungen abgeholt, die
eingeweihte Postmitarbeiter vorsortiert hatten“, so die Historikerin
im MDR-Geschichtsmagazin „Zeitreise“.

An einem anderen Ort seien die Päckchen und Pakete dann von MAD-
und BND-Mitarbeitern geöffnet und deren Inhalte katalogisiert worden.
Damit wollten die westdeutschen Behörden vor allem fremde Agenten und
Spione enttarnen, so Soch: „In mindestens zwei Fälle haben die
Kontrollen nachweislich zur Enttarnung von Agenten geführt.“ Ihren
Recherchen zufolge haben die Behörden Zur Hochphase der Kontrollen in
den 1960er Jahren alleine am Standort Hannover 2.000 Briefe, sowie
40-100 Päckchen und Pakete täglich geöffnet. „Die Abgeordneten des
Bundestags waren mehrheitlich nicht über die Kontrollen informiert“,
so die Historikerin.

Bislang war ein solches Vorgehen nur bei Briefen bekannt, die
zwischen BRD und DDR verschickt wurden. Das hatte der Freiburger
Historiker Joseph Foschepoth 2014 in seinem Buch „Überwachtes
Deutschland“ herausgefunden. Die Kontrollen von Päckchen und Paketen
waren bislang nur von DDR-Behörden bekannt. Die „Westpakete“ wurden
insbesondere in der Vorweihnachtszeit von Bundesbürgern an Bekannte
und Verwandte in der ehemaligen DDR verschickt und enthielten viele
Produkte, die dort nicht verfügbar waren – etwa Schokolade, Seife
oder Kaffee.

Constanze Soch (geb. 1988) studierte Kulturwissenschaften und
Europäische Kulturgeschichte an der Otto-von-Guericke-Universität
Magdeburg. Danach Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für
Geschichte der Neuzeit der Universität Magdeburg. Konstanze Seit
August 2017 Mitarbeiterin bei der „Bundesbehörde für die Unterlagen
des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen
Republik“.

MDR-Zeitreise, Dienstag, 05.12.2017 um 21.15 Uhr im MDR-Fernsehen

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MDR, Presse und Information,
Susanne Odenthal,
Tel.: (0341) 3 00 64 57,
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veröffentlicht von am 5. Dez 2017. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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