kressreport: G+J-Vorstandschef Buchholz kritisiert Nachgiebigkeit im Umgang mit Apple





Gruner + Jahr-Vorstandschef Bernd Buchholz hat
anderen Verlagen zu große Nachgiebigkeit im Umgang mit Apple
vorgeworfen. Im Interview mit dem Branchendienst kressreport
kritisierte er ihre mangelnde Bereitschaft, beim Digital-Kiosk
Pubbles mitzumachen: „Leider hat die deutschen Verlage, die alle von
der Notwendigkeit von Kooperationen sprechen, die Lust verlassen, zu
kooperieren, obwohl wir angeboten haben, notfalls sogar in eine
Minderheitsbeteiligung zu gehen. Dass dies keiner annimmt, finden wir
nicht besonders schlau.“

Mit dem im Herbst 2010 gestarteten Pubbles wollen G+J und die
Bertelsmann-Tochter Direct Group Verlagen einen Vertriebsweg für ihre
digitalen Angebote, etwa iPad-Apps, anbieten und so die Abhängigkeit
von Apples App Store mindern. Apple hat im Februar 2011 einen
Abo-Service für Verlags-Apps eingeführt, mit dessen Regeln viele
Verlage aber nicht einverstanden sind.

Auch Buchholz unterstützt die Kritik: „Mich interessieren nicht so
sehr die 20 oder 30% Marge, die Apple verlangt“, sagte er dem
kressreport. „Ich sehe aber nicht ein, warum wir uns von einem
Hardware-Anbieter den Kundenkontakt und die Kundenbeziehung abnehmen
lassen sollen.“ Laut Buchholz wird G+J seine Produkte über iTunes nur
noch im Einzelverkauf und nicht mehr im Abo anbieten, sofern das
Unternehmen von Apple nicht die Kundendaten der Abonnenten bekommt.
Buchholz reklamiert für sein Haus die „Inhalte-, Kunden- und
Vermarktungshoheit“ auch für Apps und kritisiert, dass andere Verlage
es nicht genauso halten. Einige Häuser würden „ihre Grundprinzipien
schon beim Start einer neuen Technologie aufgeben, um dann
festzustellen, dass sie von den drei Grundprinzipien zwei nicht mehr
eingelöst bekommen“.

Auch im Streit um das Pressevertriebssystem plädierte Buchholz
dafür, „die freie Verfügbarkeit von medialen Produkten zu
gewährleisten“. Der G+J-Vorstandsvorsitzende kritisierte die Bauer
Media Group für ihre Klage gegen das zentrale Verhandlungsmandat des
Bundesverbandes Presse-Grosso: „Das Haus Bauer attackiert mit der
Klage etwas, an dem es über Jahrzehnte selbst mitgebaut hat. Das
kommt mir ausgesprochen komisch vor.“ Die „gelegentliche
Unbeweglichkeit der Grossisten“ solle keinen Verleger dazu bringen,
ein „gewachsenes, vernünftiges System in Frage zu stellen“. Die
Verlage müssten jetzt zeigen, dass man sich mit dem Grosso auf
vernünftige Regeln und Konditionen einigen könne: „Dann lassen sich
vielleicht diejenigen, die etwas irrlichternd unterwegs sind, auf den
Pfad der Tugend zurückholen.“

Buchholz zog im Gespräch mit dem kressreport eine positive Bilanz
des Geschäftsjahres 2010, in dem G+J den Umsatz leicht gesteigert,
das operative Ergebnis deutlich verbessert und wieder einen
Jahresüberschuss erzielt hat: „Dieses Haus hat gerade äußerst
erfolgreich eine Krise gemeistert, die uns allen einiges abverlangt
hat.“ Für 2011 stellte er ein neues Frauenmagazin in Deutschland in
Aussicht.

Das ganze Interview mit Bernd Buchholz lesen Abonnenten im
kressreport 7/2011, der am Freitag, 1. April, erscheint. Darin gibt
Buchholz auch Auskunft über die Situation der Wirtschaftspresse, die
neue Geschäftssäule Professional Publishing und die Digitalstrategie
des Hauses.

Pressekontakt:
kressreport
Henning Kornfeld
Telefon: 06221/3310-240
Fax: 06221/3310-333
henning.kornfeld@kress.de

veröffentlicht von am 31. Mrz 2011. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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