„Könnes kämpft“: Der LKW-Infarkt – Warum wir im Stau stehen und dafür auch noch bezahlen müssen





Ein alltägliches Bild im nordrhein-westfälischen Berufsverkehr: Stau
auf der Autobahn. Ein LKW reiht sich an den nächsten. NRW ist
Stau-Bundesland Nummer eins und steht kurz vor dem Verkehrsinfarkt.
„Könnes kämpft“ am Montag, 6. Juli 2015 um 20.15 Uhr im WDR Fernsehen
gegen den LKW-Infarkt.

Der seit Jahren anschwellende LKW-Verkehr verursacht außerdem enorm
hohe Schäden an Straßen und Brücken. Vollsperrungen und Baustellen
zehren an den Nerven der Autofahrer, teure Reparaturarbeiten, wie
etwa an der Leverkusener Autobahnbrücke oder der A-40-Rheinbrücke,
sorgen noch auf die kommenden Jahre hinaus für neue Stauschwerpunkte.
Aber nicht nur die Verkehrsteilnehmer sind gestresst, alle im Land
leiden unter den Zuständen. Denn durch die ständigen Staus steigen
auch Umweltverschmutzung und Lärmbelästigung unverhältnismäßig an.

Eine Langzeitstudie der Universitäten Duisburg-Essen und Düsseldorf
hat ergeben, dass Menschen, die an stark befahrenen Straßen wohnen,
stärker verkalkte Herzgefäße haben als Menschen, die weiter weg
wohnen. „Ich würde das so zusammenfassen, dass Wohnen an einer stark
belasteten Straße […] eine Gesundheitsgefährdung darstellt“, sagt
die Ärztin für Umweltmedizin Barbara Hoffmann.

Gleichzeitig nutzen LKW die Straßen, die aus Steuergeldern finanziert
und repariert werden, unverhältnismäßig stark ab. „Wenn also ein LKW
eine gewisse Strecke von A nach B fährt, dann wäre das das Gleiche,
was die Abnutzung angeht, als wenn 60.000 PKW diese Strecke befahren
würden“, beschreibt Verkehrsforscher Michael Schreckenberg den
Effekt.

Rund 80 Prozent des gesamten Güterverkehrs werden inzwischen über die
Straße abgewickelt – Tendenz steigend. Daraus macht auch Ulrich
Lange, verkehrspolitischer Sprecher der CDU/CSU Fraktion im
Bundestag, im Interview mit Dieter Könnes kein Geheimnis: „Bei all
dem, was man hier politisch immer redet, sollte man doch ganz offen
damit umgehen und sagen: Schwerpunkt wird der LKW sein.“

Die Deutsche Bahn hat mittlerweile rund zwei Drittel ihrer
Gleisanschlüsse still gelegt und verkauft im großen Stil die
Grundstücke der Güterbahnhöfe, die nicht mehr in Betrieb sind, über
eine DB-eigene Immobilienfirma. Mit ihrem Tochterunternehmen DB
Schenker wickelt die Bahn zudem Zweidrittel ihres eigenen
Gütertransports selbst über die Straße ab.

Dass das alles auch anders geht, erlebt Dieter Könnes in den
Niederlanden und der Schweiz. Hier wird langfristig und mit hohen
Investitionen in den Gütertransport auf der Schiene investiert. Doch
sobald die Züge die deutsche Grenze erreichen, ist Schluss mit dem
großzügig ausgebauten Schienennetz.

Der Direktor des Schweizer Bundesamtes für Verkehr zweifelt an dem
tatsächlichen Willen der deutschen Politik, mehr Güter auf die
Schiene zu bekommen: „Deutschland ist ein Straßenland“, sagt Peter
Füglistaler und bestätigt, dass in Deutschland „verkehrslogistisch zu
kurzfristig“ gedacht werde.

WDR-Reporter Dieter Könnes erlebt eine merkwürdige Normalität im
Land. Der LKW-Infarkt auf der Straße kommt dem Einzelnen immer näher
– alternative Transportwege werden entweder nicht in Betracht gezogen
oder Investitionen viel zu spät oder nur halbherzig umgesetzt.

Redaktion: Irmela Hannover und Jörg Gaensel

In Kürze steht die Reportage im Vorführraum der WDR-Presselounge zur
Ansicht bereit: presse.WDR.de

Fotos finden Sie unter ard-foto.de

Pressekontakt:
Vanessa Linde
WDR Presse und Information
Telefon 0221 220 7124
Vanessa.Linde@wdr.de

veröffentlicht von am 2. Jul 2015. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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