Historiker Jürgen Kocka referiert in Bad Homburg





Neue Perspektiven auf verschiedene Varianten des globalen Kapitalismus Vortrag des renommierten Sozialhistoriker Jürgen Kocka eröffnet Jahresthema des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften

Der renommierte Berliner Sozialhistoriker Prof. Dr. Jürgen Kocka hält am Donnerstag (26. Juni) am Historischen Kolleg des Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg einen öffentlichen Vortrag. Er spricht über „Probleme einer vergleichenden Geschichte des Kapitalismus“, moderiert wird die Veranstaltung von den Frankfurter Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Werner Plumpe. Dies ist Auftakt zum Themenjahr 2015 im Historischen Kolleg, das sich mit „Varianten des Kapitalismus – der atlantische Raum und Asien“ beschäftigt.

Kocka, emeritierter Professor für Geschichte der industriellen Welt an der Freien Universität Berlin, wird den Blick auf die stark divergierende Entwicklung von atlantischer und asiatischer Welt um 1800 richten. Der vielfach ausgezeichnete Forscher wird langfristige Entwicklungslinien in der Geschichte des modernen Kapitalismus nachzeichnen und darlegen, wie der Begriff des Kapitalismus zu unterschiedlichen Zeiten in der Geschichts- und Sozialwissenschaft verwendet wurde. Besonders interessiert ihn, welchen Nutzen der Kapitalismusbegriff für globalgeschichtliche und gegenwartsbezogene Fragen hat. Kocka wird auch fragen, inwiefern sich die Varianten des Kapitalismus im 21. Jahrhundert annähern.

Damit führt der Berliner Wissenschaftler in das Jahresthema des Historischen Kollegs ein. Es beschäftigt sich mit der Entstehung des abendländischen Kapitalismus und seine von den Niederlanden und Großbritannien ausgehende Verbreitung des Kapitalismus, die sich zunächst auf Europa beschränkte und dann weltweit ausdehnte. Dabei handelt es sich um ein historisches Phänomen von außerordentlicher Tragweite, das das Interesse von Ökonomen, Soziologen und Historikern geweckt hat.

An den öffentlichen Abendvortrag schließt sich ein Intensivseminar für Studierende, Doktoranden und einschlägig arbeitende Forscher an. Es wird gemeinsam von Jürgen Kocka, Werner Plumpe, dem Programmbeauftragten des Historischen Kollegs für das Jahresthema 2015/2016, sowie dem Wirtschaftshistoriker Peer Vries (Wien) und dem Politikwissenschaftler Tobias ten Brink (Frankfurt) gehalten. Sie versuchen, eine neue Perspektive auf die langfristige Evolution verschiedener Varianten des globalen Kapitalismus in der Atlantischen Welt und Asien vom frühen 19. bis zum frühen 21. Jahrhundert zu entwickeln. Bei diesem Seminar und im weiteren Verlauf des Themenjahres stehen zudem die Rolle und Beschaffenheit grundlegender Strukturmerkmale des modernen Kapitalismus auf dem Prüfstand wie Eigentumsrechte, Nutzenorientierung und Kapitalmärkte. Nicht zuletzt geht es – auch mit aktuellem politischen Bezug – um soziale Ungleichheiten, immanente Konflikte, aber auch die gesellschaftliche Akzeptanz des Kapitalismus.

2014 war das Auftaktjahr des Historischen Kollegs im Forschungskolleg Humanwissenschaften in Bad Homburg. Es widmete sich der „Welt von 1914“. Renommierte internationale Wissenschaftler, wie Christopher Clark, Gustavo Corni und Till van Rahden, forschten zu Kontinuitäten und Diskontinuitäten zwischen dem „Großen Krieg“ und der Zeit danach. Die Wissenschaftler diskutierten, wie die Kriegserfahrung fundamentale Aspekte der Weltsicht veränderte, und richteten den Blick auf politische und gesellschaftliche Ordnungsmuster, etwa das Verhältnis zwischen Mehrheit und Minderheit.

Das Historische Kolleg wurde als erste eigenständige Programmlinie des Forschungskollegs Humanwissenschaften in Zusammenarbeit mit dem Historischen Seminar der Goethe-Universität ins Leben gerufen. Es dient renommierten Historikern aller Welt als geisteswissenschaftliches Laboratorium und ist lebendiger Ort öffentlicher Debatten. Wissenschaftlicher Koordinator des Programms ist Andreas Fahrmeir, Professor für Neuere Geschichte, an der Goethe-Universität.

Die Dagmar-Westberg-Stiftung ist Hauptsponsorin des Historischen Kollegs. Das Themenjahr „Varianten des Kapitalismus“ wird finanziert von Stefan Quandt. Das Forschungskolleg Humanwissenschaften ist ein Institute for Advanced Studies der Goethe-Universität in Kooperation mit der Werner Reimers Stiftung.

Informationen: Dr. Friederike Sattler und Ellinor Schweighöfer, Forschungskolleg Humanwissenschaften, Bad Homburg, Tel.: 06172-13977-0, Friederike.Sattler@hk.badw.de schweighoefer@forschungskolleg-humanwissenschaften.de; www.forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Anmeldung für den öffentlichen Vortrag von Prof. Kocka erbeten an: info@forschungskolleg-humanwissenschaften.de

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto „Wissenschaft für die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.“

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veröffentlicht von am 19. Jun 2015. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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