Erzählen





Die Zeit verging, die Verpflichtungen und Verantwortlichkeiten wurden mehr, wollten erfüllt werden, und auch wenn ich von diesem Damals, nicht nur räumlich, weit weg schien, so war es doch immer irgendwo präsent. In einer kleinen Schublade im großen Kasten meiner Erinnerungen. Und jetzt habe ich sie wieder einmal aufgemacht. Nicht nur für einen kurzen Blick hinein, sondern um sie wirklich herauszunehmen, fühlte mich ein, wie es war, gelehnt an die Laterne, erzählend, beobachtend, und plötzlich wusste ich, dass es das war, was ich immer wollte. Nicht nur schreiben, fixieren und weitergehen, sondern erzählen und näherbringen. Zuerst hatte ich gedacht, es wäre die Nacht, die diese seltsame, magische Stimmung zauberte, so dass ich meine Geschichten zunächst immer in der Nacht ansiedelte, sie erzählen ließ von meinem Alter Ego, Nyx Nachtgedanken. Aber das war es nicht.

Es war das verbindende Band des Erzählens, das Brücken schlägt zu weit entfernten Epochen und Brücken in die Ferne, das uns aufmerken lässt auf das Hier und Jetzt, das uns aber auch ein wenig dem Alltag vorenthält. Erzählen – zum Lachen zu bringen, zum Weinen, zum Nachdenken, zum Verstehen. Und wenn man zurückkehrt in diesen Alltag, so tut man es gestärkt und zuversichtlich. Vieles lässt sich mit Geschichten viel besser erklären, als durch bloße Beschreibung, denn wir können das Gelingen der Protagonisten nachvollziehen, ebenso wie ihr Scheitern. Und wenn es gut ist, dann verleitet es dazu ein wenig innezuhalten, ohne die Realität gänzlich zu negieren.

Ich will nichts weiter als meine Geschichten zu erzählen, und wenn ich meine sage, so sind es all die, die ich in mir gesammelt habe, aus eigener Anschauung, aus Gelesenem, aus Gesehenem, aus dem, was mir erzählt wurde, und bisweilen aus meinen Träumen und Phantastereien, denn dem der erzählt, dem stehen die Welten des innen und des Außen offen. Nichts, was nicht zugänglich wäre, nichts, was sich verschließen würde, und doch nichts weiter als eine Geschichte. Geschichten drängen und zwingen nicht. Vielleicht verführen sie oder verzaubern. Vielleicht schenken sie uns Worte, nach denen wir schon lange gesucht haben, aber letztlich entscheidet der Hörende ob er sich auf die Geschichte einlässt oder nicht.

Ich bin die Erzählerin, und als solche biete ich Geschichten an. Nichts weiter. Und ich freue mich, wenn ihr euch einlasst.

veröffentlicht von am 1. Aug 2015. gespeichert unter Literatur. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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