Erstmals öffentlich ausgestellt: Sagenhafte Kunstsammlung einer Musiklegende





Weltberühmter Musiker und passionierter Kunstsammler: Der aus Genua stammende Komponist, Arrangeur und Produzent Gian Piero Reverberi besitzt eine der größten Privatsammlungen abstrakter, informeller Werke der europäischen Nachkriegskunst. Ganz im Gegensatz zu seiner Musik kamen bislang allerdings lediglich Freunde der Familie in den Genuss dieser Kollektion, der Öffentlichkeit war sie dagegen unzugänglich. Das ändert sich ab dem 20. Juni 2014, wenn im Archäologischen Museum des Aostatals die Ausstellung „UNA STAGIONE INFORMALE. Capolavori della Collezione Reverberi“ eröffnet wird. Dann können Besucher erstmalig und bis zum 26. Oktober rund 90 Exponate der bedeutenden Sammlung in Augenschein nehmen.

Zweifelsohne hat Gian Piero Reverberi Musikgeschichte geschrieben. Wer kennt sie nicht, die Titelmelodie des TV-Klassikers Monaco Franze? Oder die im Barockstil gehaltenen Stücke des 1979 gegründeten Orchesters Rondò Veneziano? Auch viele der größten Erfolge überwiegend italienischer Cantautori, darunter Fabrizio De André, Lucio Battisti und Lucio Dalla, gehen auf Reverberi zurück. Doch damit nicht genug: Neben seiner musikalischen Leidenschaft hegt das 1939 geborene Allround-Talent noch weitere künstlerische Ambitionen. Als aufmerksamer Beobachter des Zeitgeschehens hat Reverberi mit einem scharfen Blick für Neuheiten in den letzten drei Jahrzehnten circa 300 Werke zusammengetragen, die überwiegend der informellen Kunst zuzurechnen sind. Aus dieser beeindruckenden Privatsammlung haben die beiden Kuratoren Beatrice Buscaroli und Bruno Bandini rund ein Drittel für die erste öffentliche Ausstellung mit dem Titel „UNA STAGIONE INFORMALE. Capolavori della Collezione Reverberi“ ausgewählt.

Die sogenannte informelle Kunst, die „Kunst der Nichtform“, ist nach dem zweiten Weltkrieg in Europa entstanden. Erstmals verwendet wurde die Bezeichnung „art informel“ um 1950 von dem französischen Kunstkritiker Michel Taipé, häufig dient sie als Sammelbegriff für die abstrakten Strömungen der 50er Jahre mit ihren antigeometrischen, antinaturalistischen und nicht-figurativen Tendenzen. In der Tat lehnten die Vertreter der informellen Kunst jede Art der konzipierten Darstellung ab und damit auch die traditionelle Auffassung von der Malerei als Weg von der Skizze über den Entwurf zum fertigen Werk. Ihrer jeweiligen Stimmung entsprechend erfanden sie Phantasiegebilde – aus ungewöhnlichen Materialien, mit experimentellen Techniken, geprägt vom Zufall und spontanen Gesten.

Alberto Burri, Hans Hartung und viele andere – die Ausstellung der Reverberi-Sammlung im oberen Geschoss des Regionalen Archäologischen Museums in Aosta-Stadt bietet einen hervorragenden Querschnitt der vielfältigen Zweige informeller Kunst in Europa. Die einstige internationale Künstlergruppe CoBrA, deren Name für die Städte Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam stand und gleichzeitig die gleichnamige Giftschlange symbolisierte, ist u.a. mit Werken des Dänen Asger Jorn vertreten. Eine andere Strömung, nämlich die Entwicklung von konkreten hin zu informellen Elementen, wird dagegen u.a. durch den Italiener Gastone Novelli präsentiert. Und last but not least: Auch von Jean Fautrier, einem der wichtigsten Vertreter des französischen „Informel“, werden Bilder zu sehen sein.

Die Kunstschau, zu der es einen umfänglichen Katalog gibt, zeigt auf eindrückliche Weise, wie groß das Kunstverständnis des Sammlers Gian Piero Reverberi ist, der im Übrigen bei der Eröffnung am Freitag, den 20. Juni 2014 um 18.00 Uhr, persönlich zugegen sein wird. Weitere Informationen erhalten Sie auf dem offiziellen Portal der Region Aostatal unter www.lovevda.it.

veröffentlicht von am 11. Jun 2014. gespeichert unter Allgemein. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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