DER STANDARD-Kommentar „Lässig im Umgang mit Spielsucht“ von Petra Stuiber





Lust, Laster, Zaster: So in etwa lautete wohl das
Motto jener Marktanalyse, die das Institut KFP kürzlich angestellt
hat. Demnach beträgt der volkswirtschaftliche Gewinn, den der Staat
aus dem Verkauf von -Zigaretten, Alkohol und den Glücksspielabgaben
zieht, jährlich 1,5 Milliarden Euro netto. Die volkswirtschaftlichen
Kosten der damit zusammenhängenden Suchtkrankheiten sind da bereits
abgezogen. Durch die aktuelle Vergabe der drei Kasinolizenzen für
Wien und Niederösterreich wird sich diese Bilanz wohl noch
verbessern. Allein für das Palais Schwarzenberg rechnet der deutsche
Betreiber mit Bruttospielerträgen von 378 Millionen Euro in 14
Jahren. Auch der bei Bruck an der Leitha geplante
Novomatic-Spieltempel verheißt sprudelnde Einnahmen. Dass dabei auch
ein schöner Batzen für die Bundesländer Wien und Niederösterreich
abfallen wird, erklärt die diesbezügliche Engagiertheit der Herren
Landeshauptleute im Vorfeld der Entscheidung – und den Aufschrei der
als Bieter unterlegenen Casinos Austria, die politische Einflussnahme
wittert. Gut möglich, dass sie damit recht hat: Wer österreichische
Innenpolitik auch nur ein bisschen verfolgt, kann das diesbezügliche
Dementi des Beiratsmitglieds Wolfgang Nolz nicht hundertprozentig
glauben: Der pensionierte Sektionschef im Finanzministerium war
jahrzehntelang bekannt für sein delikates Austarieren
unterschiedlicher (partei-)politischer Wünsche. Dass sich die Politik
über eine Beiratsempfehlung hinwegsetzt, ist auch nichts Besonderes:
So hat die Regierung bis dato keine einzige Empfehlung der
mittlerweile sanft entschlafenen Bioethikkommission aufgegriffen. Das
Thema bei den Kasinolizenzen ist ein anderes: Was gedenken die neuen
Lizenzen-Besitzer zum Thema Spielsuchtbekämpfung beizutragen? Wo sind
die Konzepte, um das eigentliche Problem der illegalen
Hinterzimmer-Automaten in den Griff zu bekommen? Was wurde aus dem
nie installierten ressortun-abhängigen „Glücksspiel-Beirat“ mit
Suchtexperten, namhaften Juristen, gar Fachleuten aus dem Ausland,
der kommen sollte, als der EuGH das Glücksspielmonopol kippte? Wie
wurden jene zig Millionen Euro aus der Glücksspielabgabe eingesetzt,
die per Gesetz für Präventions- und Therapiemaßnahmen vorgesehen
sind? Hat irgendwer in diesem Land eine Idee, wie man die Zockerei im
Internet in den Griff bekommen kann – ein völlig unerforschtes Feld
finanzieller und psychischer Verheerungen, obwohl dafür öffentliche
Gelder im Finanzministerium bereitlägen. Transparenz ist auch hier
das Thema: Aus welchem Grund wird monatelang der Geheimnisschleier
über die Lizenzvergabe geworfen? Warum zierte sich das
Finanzministerium, die Namen und Qualifikationen der Mitglieder des
von Nolz geführten ressortinternen ?Beirats zu nennen? Vielleicht aus
Angst vor Interventionen? Schwingt da bereits Misstrauen gegenüber
Leuten mit, die man eigentlich eingesetzt hat, um ihrem Rat zu
vertrauen? In Österreich leben 60.000 Spielsüchtige. Das ist im
Vergleich zu Alkoholsucht ein Klacks: 340.000 Österreicher gelten
laut WHO als alkoholkrank, 735.000 Personen als gefährdet. Dennoch:
Laut einer aktuellen Untersuchung bringt ein Spielsüchtiger im
Durchschnitt sieben weitere Personen in seinem Umfeld in Bedrängnis –
so gesehen ist das Problem erheblich größer. Es ist Aufgabe des
Staates, es nicht noch weiter zu vergrößern.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

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veröffentlicht von am 29. Jun 2014. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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