DER STANDARD-Kommentar: „Bankerboni als Symbol für Einsicht“ von Thomas Mayer





Deal abgeschlossen! Die Begeisterung über eine
Einigung auf die Begrenzung von Bonuszahlungen für Bankmanager war
den Verhandlern in Brüssel anzumerken. Sie strahlten um die Wette.
Verständlich. Ihnen winkt nun zwar nicht mehr Geld, aber zumindest
eine politische Dividende in Form von Applaus durch die Mehrheit der
Wähler in praktisch allen Ländern der EU. Das kann man nicht gerade
von vielen Maßnahmen behaupten, die in EU und Eurozone in den
vergangenen Jahren zur Stabilisierung der Banken-, Finanz- und
Eurokrise beitrugen. Die zum Teil abenteuerlichen Erfolgsprämien von
Managern zu begrenzen ist hingegen sehr populär. Das liegt nicht
zuletzt daran, weil es sie absurderweise sogar bei Misserfolgen gab
bis hin zur Pleite von Banken, die von Staaten mit milliardenschweren
Hilfen gerettet werden mussten. Populär schließt im Fall der
Bonus-Limits aber nicht aus, dass die Maßnahme auch inhaltlich und
politisch angemessen ist – obwohl die Wirkung in der Praxis von
vielen überschätzt wird. Denn die neuen Obergrenzen stehen symbolhaft
für die Einsicht, dass grenzenlose Gier und Gewinnstreben nach den
Erfahrungen der vergangenen Jahre keinen Platz in einer geordneten
Gesellschaft mehr haben dürfen. Prämien zu begrenzen bedeutet im
Bankengeschäft schlicht und einfach, die Risikobereitschaft der
handelnden Personen zu dämpfen. Mit Staatswirtschaft oder gar einem
„Einkommensverbot“, wie manche behaupten, hat das gar nichts zu tun.
Wie in der freien Wirtschaft (zu Recht) üblich, können Banken ihren
Angestellten auch in Zukunft als Fixgehalt so viel zahlen, wie sie
nur wollen. Nur sollen sie sie nicht zum Zocken anstacheln dürfen,
indem beim Lohn ein gefährliches Übergewicht bei den Prämien
entsteht; mit Entwicklungen, die am Ende ganze Nationen ins Wanken
bringen, weil der Bankensektor ein Schlüsselfaktor für jegliches
Wirtschaften ist. Eine allzu große und breite Wirkung sollte man sich
ohnehin nicht erwarten: Zum einen werden die Banken auch unter einer
strengen EU-Richtlinie Wege zur Umgehung finden. Das wird vor allem
im EU-skeptischen und ausnahmebesessenen Großbritannien der Fall
sein. Zum anderen dürfte der Kreis jener Personen, die nun mit
gravierenden Einbußen zu rechnen haben, eher klein sein; in
Österreich vielleicht ein paar hundert Leute. Ein Lob für die
handelnden Politiker ist also angebracht, insbesondere für die
EU-Abgeordneten, die die treibende Kraft waren und auch dann nicht
lockerließen, als einzelne Regierungen aufgeben wollten. Fast ein
Jahr lang mussten die Vertreter von Kommission, Rat der
EU-Mitgliedsländer und Europaparlament darum ringen. Nicht zuletzt
deshalb hat sich das für die Risikominderung viel wichtigere Projekt,
die Eigenkapitalregeln für Banken gemäß der globalen Vorgabe (Basel
III) zu verschärfen, um ein Jahr verzögert. Lobbyisten der
Finanzwirtschaft, vor allem aber die britische Regierung als
„Gastgeber“ eines der wichtigsten Handelsplätze der Welt in London,
ließen keine noch so kleine Gelegenheit aus, immer neuen Sand ins
Getriebe zu schütten. Die Verteidigung der Prämienparadiese für
Banker sei zuweilen wichtiger erschienen als die Frage, ob einzelne
Institute ein paar Milliarden mehr oder weniger fürs gesicherte
Eigenkapital aufbringen müssten, wurde berichtet. Ein Denkfehler, der
korrigiert wurde.

Rückfragehinweis:
Der Standard, Tel.: (01) 531 70/445

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/449/aom

veröffentlicht von am 28. Feb 2013. gespeichert unter Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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