DER SCHWARZE ROMANTIKER: VICTOR HUGO IM LEOPOLD MUSEUM – BILD





Das Leopold Museum widmet dem bildnerischen Werk des
herausragenden Schriftstellers Victor Hugo (Besançon 1802-1885 Paris)
die erste umfassende Schau in Österreich. Protagonist der
französischen Romantik und herausragender Homo Politicus, war Hugo
eine wichtige Stimme im gesellschaftlichen Gefüge Frankreichs.
Anfangs konservativer Royalist, später Republikaner, blieb er stets
ein glühender Europäer und engagierter Gegner der Todesstrafe. Seine
Opposition zum Regime des selbstproklamierten Kaisers Napoleon III.
führte zu einem beinahe 20-jährigen Exilaufenthalt. Mit seiner
Familie und seiner Geliebten und Muse Juliette Drouet lebte er ab
1851 auf den Kanalinseln Jersey und Guernsey. Nach seiner Rückkehr im
Jahr 1870 wurde Victor Hugo von der Pariser Bevölkerung feierlich
empfangen. Ab 1881, noch zu Lebzeiten des Schriftstellers, wurde sein
Geburtstag als republikanisches Fest staatlich begangen.

Die von Leopold Museum-Direktor Hans-Peter Wipplinger initiierte
Schau bietet die Gelegenheit, einem außergewöhnlichen Künstler zu
begegnen, in dessen Welt sich Nostalgie und Fortschritt die Waage
halten. Die exquisiten Leihgaben stammen aus der Bibliothèque
nationale de France und den Maisons de Victor Hugo in Paris sowie aus
Privatbesitz, unter anderem der Sammlung Klüser, München.

Hans-Peter Wipplinger: „Wir schätzen uns überaus glücklich, die
erste monografische Ausstellung zu Victor Hugo in einem Wiener Museum
mit etwa 60 herausragenden Exponaten ausstatten zu können. Zur
Präsentation im neuen grafischen Kabinett des Leopold Museum gelangen
versatile Menschendarstellungen, fantastische Metamorphosen von
Bauten, seltene Spitzenabdrücke sowie eine ganze Bandbreite an
Abstraktionsgraden im Werk des Ausnahmekünstlers.“

Jahrhundertromane wie Der Glöckner von Notre Dame (1831) und Les
Misérables (1862) fesseln bis heute eine weltweite Leserschaft,
Verfilmungen und Musicals machten diese Werke einem breiten Publikum
bekannt. Dass Victor Hugo, der sich selbst ausschließlich als
Schriftsteller verstand, auch ein leidenschaftlicher Zeichner und
Maler war, ist ein durchaus überraschender Aspekt seines Schaffens.
Neben Aquarellen werden in der Schau auch ausgewählte Fotografien aus
dem Nachlass Hugos gezeigt. Ergänzend sind Werke der französischen
Schriftstellerin George Sand sowie des englischen Malers des Lichts
William Turner zu sehen.

Ausstellungskurator Ivan Risti?: „Ließ William Turner in seiner
Malerei die materielle Welt als Verdichtung der Lichtpartikel
erscheinen, so führte Hugo manche seiner Malexperimente in fast
völliger Dunkelheit durch.“ In seinem Roman Die Arbeiter des Meeres
schildert Victor Hugo eindrücklich die Kraft der Dunkelheit: „Die
nächtliche Dunkelheit ist schwindelerregend. Wer sich in sie
vertieft, versinkt darin, zappelt darin. Keine Strapaze gleicht
dieser Erforschung der Finsternis. Es ist das Studium einer
Auslöschung.“

Im Exil auf den Kanalinseln beschäftigte sich Victor Hugo
vielseitig. Beeindruckende Felsformationen, atemberaubende
Wetterstimmungen, die Tätigkeiten der Fischer oder die die Küste
passierenden Boote inspirierten den Schriftsteller zu düsteren See-
und Flusslandschaften. Auch und vor allem waren die 1850er-Jahre jene
Periode, in welcher Hugo manche seiner zukunftsweisenden Experimente
auf Papier durchführte. Kind seiner Zeit nahm Hugo an spiritistischen
Séancen teil. 1855 und 1856 entstanden auf Guernsey die dentelles,
jene mit Hilfe dekorativer Spitzenmuster gestalteten Drucke Victor
Hugos. Es handelt sich um Abdrücke von fein geklöppelten, in Tinte
getränkten Spitzen. Verbunden mit Klecksbildern werden die
Spitzenmuster zu Himmelspartien, formen sich zu Buchstaben oder
Gesichtern von Gespenstern (spectres). Wechselwirkungen mit dem
jungen Medium Fotografie blieben nicht aus. Im eigens eingerichteten
Atelier seines Hauses auf Jersey, wo er mit seinem Sohn Charles und
dem Dichter und Fotografen Auguste Vacquerie arbeitete, entstanden
rund 350 Abzüge. Im malerischen Werk Hugos erkennt man speziell in
den Schablonenbildern fotografische Einflüsse. Die Monotypie erfuhr
nicht zuletzt in Hugos malerischem Werk eine Renaissance; vielfach
zeigen sich dabei in seinen Werken Ansätze der abstrakten Malerei.

Victor Hugo experimentierte leidenschaftlich mit verschiedensten
Maltechniken: Mit Farbe klecksend, bisweilen unter Verwendung
unkonventioneller Materialien wie etwa Staub entstanden, Bilder des
Erahnten, der vagen Möglichkeiten, wie Hans-Peter Wipplinger erklärt:
„In Sepia unter Anwendung unorthodoxer Kratz- und Wischverfahren
klecksend, ließ Hugo nicht selten das Zufallsprinzip walten. Dieses
trug dazu bei, dass man mit Fug und Recht behaupten könnte, ihm sei
zusätzlich zur Suggestivität und Präzision seiner Texte gelungen, das
Unendliche auch bildlich zu definieren.“

Obwohl sich im Nachlass Victor Hugos mehr als 3500 Blätter
befinden, trat er jedoch nicht als Künstler auf, nahm nicht an
Ausstellungen teil und widmete sich nur am Rande der Kunstkritik.
Häufig sind die Arbeiten des Schriftstellers von skurrilen
Randexistenzen bevölkert. Die Muse der Moderne spüre, so Hugo, dass
nicht alles im menschlichen Sinne schön sei; auch werde sie sich die
Frage stellen, ob es dem Menschen zustehe, Gott zu korrigieren.

Bisweilen überrascht Victor Hugo in seinen Zeichnungen durch das
Spiel mit Perspektiven, etwa wenn ein Fliegenpilz aus Untersicht sich
in monumentaler Größe präsentiert oder ein krähender Hahnenkopf ins
Bild drängt. Auch der Architektur galt das Interesse des zeichnenden
und malenden Dichters. Mit märchenhaft-düsteren Darstellungen von
Kathedralen und Schlössern beschwor Hugo die Geister einer
Vergangenheit herauf, deren kostbare Relikte er gefährdet glaubte.
Vielfach sind es mittelalterliche Gebäude, teils verfallend und oft
in nächtliche Szenerien eingebettet, sowie Kirchen, Brücken und
Fachwerkhäuser, die Hugo auf dem Papier festhielt und als
Erinnerungen bezeichnete.

In seinem Roman Der Glöckner von Notre-Dame verweist Erzdechant
Frollo auf die Gefahr, die der Bild gewordenen Architektur durch die
Verbreitung des Buches droht. „Dieses wird jenes töten. Das Buch wird
das Gebäude töten“. Die „allgemeine Schrift, die Weltschrift aus
Stein“, werde von einer anderen, handlicheren und günstigeren
verdrängt.

Kurator Ivan Risti?: „Ein Generationenkonflikt findet nicht nur
zwischen Menschen statt, sondern auch zwischen den von ihnen
erschaffenen Werkzeugen. Jedenfalls ist es nicht verwunderlich, dass
sich „Dieses wird jenes töten“ heute als modischer Leitsatz diverser
medientheoretischer Diskussionen einer breiten Popularität erfreut.
Dass dabei gerade ein umgekehrter Prozess im Gange ist, nämlich
jener, im Zuge dessen die Bilderflut das Textliche zu verdrängen
droht, konnte der Autor des 19. Jahrhunderts freilich nicht ahnen.“

Zwtl.: Ausstellungseröffnung:

Zur feierlichen Eröffnung der Ausstellung am Donnerstagabend kamen
die Leopold Museum-Vorstände Elisabeth Leopold und Agnes
Husslein-Arco, die Sammler und Leihgeber der Ausstellung Verena und
Bernd Klüser, Hugo-Katalogautor Raphael Rosenberg, Bruseum-Leiter und
Kurator Roman Grabner, die kaufmännische Direktorin des Leopold
Museum Gabriele Langer, Theatermacher Erwin Piplits (Odeon), Fritz
Fischer, Sammlungsdirektor der Kunstkammer und Schatzkammer des
Kunsthistorischen Museums, Sammlerin Waltraud Leopold, Galeristin
Gabriele Wimmer (Galerie Ulysses), die KünstlerInnen Martha
Jungwirth, Wolfgang Herzig, Marko Lulic, Constantin Luser, Werner
Reiterer, Markus Schinwald, Walter Schmögner und Kai Walkowiak, die
Klimt-Nachfahren Peter Zimpel und Gustav Huber, Christine Gironcoli,
Michael Franz (BKA, Kunst- und Kultursektion), Grafikerin Nele
Steinborn, AzW Geschäftsführerin Karin Lux, Collegium
Hungaricum-Direktorin Mag. Mária Molnár, die
Theatermuseum-KuratorInnen Daniela Franke, Angela Sixt und Kurt
Ifkovits, Gabriele Mauthe, Leiterin des ÖNB-Archivs, ORF
Kulturjournalistin Katja Gasser, Schiele Nachfahre und Unternehmer
Markus Führer (Gablitzer Privatbrauerei), Dorotheum-Expertin Ursula
Rohringer u.v.m.

Zur Ausstellung ist im Verlag der Buchhandlung Walther König ein
umfangreicher 160 Seiten und ca. 100 Abbildungen umfassender Katalog
in deutscher und englischer Sprache erschienen, erhältlich im Leopold
Museum Shop zum Preis von Euro 24,90.

Zwtl.: Kuratorenführungen zur Ausstellung mit Ivan Risti?:

Donnerstag, 23.11.2017
Donnerstag, 04.01.2018
Donnerstag, 21.12.2017
Donnerstag, 04.01.2018
jeweils um 18 Uhr

Zwtl.: Führung / Im Gespräch

„Doppelbegabungen: Fluch oder Segen?“ Rundgang durch die
Ausstellung & Diskussionsrunde mit Ausstellungskurator Ivan Risti?
und Kurator, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Stefan
Kutzenberger (Leopold Museum) Freitag, 17.11.2017, 16 Uhr Im Rahmen
der Vienna Art Week

Mit gültigem Museumsticket ist die Führung kostenlos.

Bilder zur Ausstellungseröffnung unter:
http://www.apa-fotoservice.at/galerie/9231

Pressebilder zur Ausstellung unter:
www.leopoldmuseum.org/de/presse/sonderausstellungen/aktuell/883

Bild(er) zu dieser Aussendung finden Sie im AOM /
Originalbild-Service sowie im OTS-Bildarchiv unter http://bild.ots.at

Rückfragehinweis:
Leopold Museum-Privatstiftung
Mag. Klaus Pokorny – Presse / Public Relations
0043 1 525 70 – 1507
presse@leopoldmuseum.org
www.leopoldmuseum.org

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/573/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER
INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS – WWW.OTS.AT ***

Original-Content von: Leopold Museum, übermittelt durch news aktuell

veröffentlicht von am 17. Nov 2017. gespeichert unter Allgemein, Museen. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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