ARD-Magazin „Panorama“: Erstes offenes Fernseh-Interview mit deutschem IS-Rückkehrer





Erstmals hat sich ein deutscher IS-Rückkehrer in
einem offenen Fernseh-Interview gegen den Islamischen Staat gestellt.
Gegenüber einem Team von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung erklärte
der Wolfsburger Ebrahim B., er wolle sich deutlich vom IS
distanzieren. Der habe nichts mit dem Islam zu tun, Gefängnis in
Deutschland sei ihm „lieber als Freiheit in Syrien“.

Ebrahim B. gehört zu einer Gruppe von mindestens 20 jungen Männern
aus Wolfsburg, die sich seit 2013 der Terrororganisation „Islamischer
Staat“ angeschlossen haben. Mindestens sieben sind bereits im Irak
oder in Syrien gestorben. Ebrahim B. ist im September 2014 – nach
drei Monaten beim IS – nach Deutschland zurückgekehrt. Er wurde im
November verhaftet. Seitdem sitzt der 26-Jährige in einem
niedersächsischen Gefängnis. Dort hat er sich entschieden, von seiner
Zeit beim IS zu berichten.

In dem Interview, das heute im ARD-Magazin „Panorama“ um 21.45 Uhr
zu sehen ist, spricht er über Gräueltaten des IS. Wer in Verdacht
gerate, ein Spion zu sein, werde man „abgeschlachtet“. Er selbst sei
kurzfristig verdächtigt worden. Mit anderen sei er in eine
blutverschmierte Zelle gesperrt worden. Einer von ihnen sei brutal
hingerichtet, seine Leiche mit abgetrenntem Kopf vor ihnen in den
Raum gelegt worden. Bei der Polizei gab er an, es gebe eine Art
Verfassungsschutz beim IS, in dem deutsche Kämpfer das Sagen hätten.

Die Bundesanwaltschaft hat im Mai Anklage gegen Ebrahim B. „wegen
Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung“ erhoben. Sie
geht auch davon aus, dass er vom IS als Selbstmordattentäter
eingesetzt werden sollte. Im August soll ihm vor dem
Oberlandesgericht Celle der Prozess gemacht werden.

Ebrahim B. ist einer von etwa 260 IS-Rückkehrern aus Syrien und
dem Irak. Nach der Verhaftung bot er seine Kooperation an. Bislang
sind etwa 700 deutsche Islamisten in den Krieg ausgereist. Die
Behörden gehen davon aus, dass mittlerweile mehr als neunzig von
ihnen gestorben sind, darunter mindestens sieben Dschihadisten, die
aus Wolfsburg stammten.

Die öffentliche Distanzierung vom IS durch Ebrahim B. bewertet der
Terrorismus-Experte Peter Neumann, Professor am Londoner King–s
College, als „ganz wichtig“: „Wir haben in Europa lange Zeit darauf
gewartet, dass es solche Leute gibt.“ Er hoffe, dass Ebrahim B.–s
mutiges Beispiel andere dazu bewege, ihm nachzufolgen. Sie könnten
den Mythos zerstören, den der IS verbreite – alle, die dort hingingen
seien „unglaublich glücklich, entschlossen und motiviert“. „Wenn es
gelingt, durch solche Aussteiger auch nur fünf oder zehn Prozent
Zweifel zu säen, dann könnte man möglicherweise viele Leute davon
abhalten, nach Syrien zu gehen“, so Neumann.

Mehr Informationen und Videos – unter anderem Ausschnitte aus dem
Interview mit Ebrahim B. und Peter Neumann – sowie ein multimediales
Storytelling sind ab 18.00 Uhr auf panorama.de zu finden.

Pressekontakt:
Norddeutscher Rundfunk
Presse und Information
Ralf Pleßmann
Tel: 040-4156-2333

http://www.ndr.de
https://twitter.com/ndr

veröffentlicht von am 16. Jul 2015. gespeichert unter Fernsehen, Medien/Unterhaltung. Sie können den Rückmeldungen dieser Meldung folgen durch RSS 2.0. Sie können eine Rückmeldung oder einen Trackback hinterlassen

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